Gute Nacht mit Fridolin – zur Startseite

Folge 61 · 22. September 2026 · 53 Minuten

Die Masse nimmt die Wärme auf

Fridolin sitzt auf Wolken und hält ein kleines grünes Kachelofen-Modell mit Steinbank.

Worum es in dieser Einschlafgeschichte geht

Eine Stube am Abend, ein großer Ofen aus glatten Kacheln, und davor eine Bank, die noch warm ist, obwohl das Feuer schon heruntergebrannt ist. Diese Einschlafgeschichte folgt einem Satz: die Masse nimmt die Wärme auf und gibt sie langsam wieder ab.

Becherkacheln aus dem achten und neunten Jahrhundert im Elsass, in Baden-Württemberg und in der Nordwestschweiz. Ein Hinterlader, der von der Küche aus geheizt wird, damit die Stube rauchfrei bleibt. Ein Ofen aus Winterthur, datiert auf das Jahr zwölfhundertacht. Grundofen, Warmluft, Kachelkunst — und unter dem Boden dieselbe Idee wie bei den Römern.

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4.829 Wörter · rund 24 Minuten zum Lesen, Mitlesen oder Vorlesen

Stell dir eine Stube vor … einen Wohnraum mit niedrigen Deckenbalken. Der Boden ist aus Holz. Die Wände sind dick. Es ist Abend geworden. Draußen ist es kalt. Hier innen nicht. An der Wand steht ein großer Ofen. Er ist mit Kacheln gesetzt … glatt … ein wenig glänzend. Vor dem Ofen liegt eine Bank aus Stein. Wenn du die Hand darauflegst … ist der Stein warm. Nicht heiß. Nur warm. Gleichmäßig. Wie etwas, das den ganzen Tag Zeit gehabt hat. Das Feuer im Inneren ist schon heruntergebrannt. Die Türen sind geschlossen. Und trotzdem gibt der Ofen Wärme ab. Langsam. Ohne zu knistern. Ohne zu zischen.

Was ein Kachelofen ist

So ein Ofen hat einen Namen. Man nennt ihn Kachelofen. Ein Kachelofen ist ein Heizofen. Er ist dazu da, einen Wohnraum zu wärmen … oder auch mehrere. Die meisten Kachelöfen sind aus Ofenkacheln gesetzt. Es gibt aber auch welche, die überwiegend aus Ziegeln gemauert und dann verputzt sind. Erst im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert bekam der Feuerungsraum oft eine Auskleidung aus Schamottesteinen. Schamotte ist ein gebrannter Stein … der Hitze gut aushält. Manchmal bekam der Ofen auch Züge. Züge sind Wege im Inneren … durch die die heißen Gase langsam ziehen … bevor sie den Ofen verlassen. Der Sinn ist immer derselbe. Der Ofen soll nicht nur brennen. Er soll halten.

Die Masse nimmt die Wärme auf. Und gibt sie langsam wieder ab. Kachelöfen haben eine große Masse. Wenn man schnell abbrennende Festbrennstoffe verfeuert … entsteht auf einmal sehr viel Wärme. Holz zum Beispiel brennt nicht wie eine kleine, gleichmäßige Flamme. Es gibt einen kräftigen Abbrand … und dann ist das Holz fort. Die große Masse des Ofens nimmt diese Wärmemenge auf. Und danach gibt sie die Wärme über einen längeren Zeitraum in den Raum ab. Deshalb kannst du am Abend auf der Ofenbank sitzen … obwohl das Feuer schon längst nicht mehr zu sehen ist. Früher diente der Kachelofen nicht nur zum Heizen. Man trocknete daran Wäsche … und andere Dinge. In manchen Öfen gab es ein eingebautes Wärmefach. Darin konnte man Wasser warmhalten … oder Speisen. Manchmal auch ein Kirschkernkissen. Das Kissen lag in der Wärme … und später nahm man es mit. In manchen Gegenden gab es eine Einfeuerung. Man nannte sie auch Backröhre. Darin wurde gekocht. Manchmal wurde darin auch Brot gebacken. Der Ofen stand in der Stube … und er war mehr als nur Wärme. Er war ein ruhiger Helfer im Alltag.

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Das Einheizen mit Kohle war vor dem zwanzigsten Jahrhundert nicht üblich. Auch Briketts und Koks nicht. Dafür braucht man eine Rostfeuerung. Ein Rost ist ein Gitter unten im Feuerraum … durch das Luft von unten kommen kann. Der klassische Grundofen vom elften bis zum neunzehnten Jahrhundert hatte so einen Rost normalerweise nicht. Die Kachelöfen, die im zwanzigsten Jahrhundert errichtet wurden, sind oft auch für Braunkohlenbriketts geeignet. Bei Dauerbrandöfen und Warmluftöfen auch für Koks. Aber das ältere Bild ist einfacher. Holz. Ein Feuer. Und dann die lange Wärme in den Steinen. Historiker nehmen an, dass die Vorläufer in kalten Gegenden in den Häusern standen. Eingebaute Backöfen. Oder überwölbte Herdfeuerungen. Eine Herdfeuerung ist das offene Feuer zum Kochen. Überwölbt heißt: darüber lag eine Kuppel aus Lehm. Zu einem unbekannten Zeitpunkt im Mittelalter begann man, keramische Becherkacheln oder Töpfe in diese Lehmkuppeln einzusetzen. Keramik heißt: gebrannter Ton. Becherkacheln sehen aus wie Becher … offen nach außen. Man wollte die Wärmeabstrahlung verbessern. Die Wärme sollte nicht nur im Lehm bleiben … sie sollte in den Raum gehen. Das ist allerdings nicht durch eindeutige Funde gesichert. Es ist eine Annahme. Eine ruhige Vermutung.

Becherkacheln und Hinterlader

Die ältesten keramischen Objekte, die man als Ofenkacheln betrachtet, fanden sich bisher im Elsass … im Bundesland Baden-Württemberg … und in der Nordwestschweiz. Sie werden in die Zeit des achten und neunten Jahrhunderts datiert. Sie könnten zu Heizöfen gehört haben, die nach dem Vorderladerprinzip funktionierten. Vorderlader heißt: man heizt von vorn … von derselben Seite, auf der der Ofen im Raum steht. Solche Öfen könnten in den Raumecken aufgestellt gewesen sein. Erst später, vermutlich im Verlauf des elften Jahrhunderts, entwickelte sich daraus der Hinterlader-Kachelofen. Hinterlader heißt: man heizt von der Rückseite. Aus der Küche. Durch die Wand hindurch. Der Ofen selbst steht in einem anderen Raum. Der Rauch des verbrennenden Heizmaterials zog zunächst durch die Einfeuerungsöffnung wieder ab. Er ging in die schwarze Küche. Die schwarze Küche war der Raum, in dem der Rauch noch frei zog. Der Ofen selbst stand im anderen Raum … und dieser Raum blieb rauchfrei. Das war eine wesentliche Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität. Die Stube war entstanden. Die Stube … der zentrale Lebens- und Arbeitsraum des Mittelalters. Ein Raum ohne Rauch. Mit Wärme. Mit einer Bank am Ofen.

Die Masse nimmt die Wärme auf. Und gibt sie langsam wieder ab. Kaum hundert Jahre später standen die ersten Kachelöfen auch in den Stuben norddeutscher Hansestädte. Um das Jahr zwölfhundert gehörte der Kachelofen auf Burgen, in Klöstern und in städtischen Wohnhäusern oft bereits zur Standardausstattung. Nicht überall. Aber oft. Auf der Burg Meersburg steht ein Kachelofen zwischen zwei Räumen. Die Wärme geht nach beiden Seiten. Der Ofen teilt sich. In einem alten Tiroler Bauernhaus in Sölden steht ein typischer Kachelofen. Heute ist der Raum ein Frühstücksraum. Der Ofen ist geblieben. Mit der Entwicklung der reliefverzierten Ofenkacheln übernahm der Kachelofen spätestens ab dem vierzehnten Jahrhundert auch eine dekorative Funktion. Relief heißt: das Bild steht ein wenig aus der Fläche heraus. Blumen. Figuren. Leisten. Der Ofen war nicht mehr nur warm. Er war auch anzusehen. Das Verbreitungsgebiet umfasste schließlich das deutschsprachige Gebiet Mitteleuropas … und Randzonen im nördlichen Italien, im Elsass, in Frankreich, in den Niederlanden und in England. Wohn-Kachelöfen fanden sich nun auch in Skandinavien und im Baltikum … im Einflussbereich der Hanse. Dänemark. Schweden. Finnland. Estland. Lettland. Litauen. Und weiter: Russland, Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Slowenien und Kroatien. Ein Ofen aus Kacheln … der langsam durch Europa wanderte.

Winterthur und die Hafner

Der älteste bislang sicher datierte Ofen dieses Typs wurde in Winterthur ausgegraben. Winterthur liegt in der Schweiz. Man kann ihn auf das Jahr zwölfhundertacht datieren. Er bestand wie alle frühen Kachelöfen aus Ofenlehm und Becherkacheln. Ofenlehm ist der Lehm, aus dem der Körper des Ofens geformt wird. Die frühen Becher- oder Topfkacheln wurden vom Hafner hergestellt. Hafner ist ein altes Wort für den Töpfer, der auch Öfen setzt. Der Hafner war zugleich in der Regel auch der Ofensetzer. Das gilt in fast allen Regionen des Verbreitungsgebietes … bis ins neunzehnte und zwanzigste Jahrhundert. Insbesondere im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert wurden zwei Städte zu den bedeutendsten Hafnerzentren nördlich der Alpen. Nürnberg. Und Winterthur … mit der Hafnerfamilie Pfau. Zwei Orte. Eine ruhige Kunst. Kachel für Kachel.

Funde weisen darauf hin, dass der Kachelofen anfänglich wohl den Klöstern, dem Adel und den Patriziern vorbehalten war. Patrizier waren die angesehenen Bürger der Städte. In gewöhnlichen Wohnhäusern wurden weiterhin einfach gemauerte Öfen verwendet. Der Kachelofen war zuerst etwas Besonderes. Später wurde er alltäglich. In der Stube. An der Wand. Mit einer Bank davor. Im Laufe der weiteren Entwicklung entstanden regional unterschiedlich viele Ofenkacheltypen und Kacheldekore. Erst ab dem Barock wurde eine neue Herstellungstechnik entwickelt. Das Barock ist eine Zeit mit reichen Formen … grob das siebzehnte und achtzehnte Jahrhundert. Die neue Technik hieß Überschlagtechnik. Sie ermöglichte größere und frei geformte Ofenkacheln … und ganze Kachelofenteile. In dieser Technik werden noch immer einzelne Kachelöfen auftragsbezogen gefertigt. Die Masse der Kachelöfen wurde jedoch aus kleineren Kacheln zusammengesetzt. Aus Blattkacheln. Aus Eckkacheln. Aus Gesimskacheln. Blattkacheln sind die flachen Kacheln der großen Flächen. Eckkacheln sitzen an den Ecken. Gesimskacheln bilden die Leisten … oben, unten, dazwischen. Stück für Stück. Reihe für Reihe.

Ofenkacheln sind die namensgebenden Bestandteile des Kachelofens. Sie bestehen wie andere Keramikprodukte aus gebranntem Ton. Aufgrund ihrer Masse und ihrer Wärmekapazität speichern sie die Wärmeenergie. Wärmekapazität heißt: wie viel Wärme ein Stoff aufnehmen kann, ohne sich gleich stark zu erhitzen. Die Kacheln wärmen noch nach dem Erlöschen des Ofenfeuers. Glasierte Ofenkacheln sind einfach zu reinigen. Und sie dienten häufig auch einer dekorativen Funktion. Grün. Braun. Weiß. Mit einem kleinen Relief. Grundsätzlich unterscheidet man einfache Kacheln und zusammengesetzte Kacheln. Die einfachen nennt man auch Gefäßkacheln. Dazu gehören Becherkacheln. Röhrenkacheln. Topfkacheln. Schüsselkacheln. Napfkacheln. Alles Gefäße aus Ton … in die Wand des Ofens gesetzt. Die zusammengesetzten Kacheln haben eine separat gefertigte Schauseite … und einen angesetzten Teil dahinter. Die Schauseite wird gemodelt. Das heißt: in einer Form geprägt. Dazu gehören Blattkacheln. Eckkacheln. Gesimskacheln. Kranzkacheln. Und noch ein paar andere Formen mit eigenen Namen. Dazu kommen Ofenfüße. Ofensäulen. Aufsätze oben auf dem Ofen. Der Ofen ist aus vielen ruhigen Teilen gebaut.

Wie eine Ofenkachel gemacht wird

Seit dem späten neunzehnten Jahrhundert werden Ofenkacheln oft aus Ton-Schlicker gegossen. Schlicker ist flüssiger Ton … dünn wie ein Brei. Dem Ton wird Schamott beigemischt. Das macht ihn standfester. Oder man formt die Kacheln von Hand in Gipsformen. Dann werden sie getrocknet. Danach kommt der Schrühbrand. Schrühbrand heißt: ein erster Brand … noch ohne Glasur. Anschließend werden sie auf der Außenseite mit Glasurfarben begossen oder bemalt. Und dann glattgebrannt. Ein zweiter Brand. Die Glasur wird fest und glänzt.

Stegkacheln, Draht und Vollkachel

Manche Kacheln heißen Stegkacheln oder Rumpfkacheln. Zum Ofeninnenraum hin besitzen sie einen Rumpf. Man nennt ihn auch Tubus oder Zarge. Das ist ein Kragen aus Ton … der nach hinten steht. Dieser Rumpf wurde mit Ofenlehm gefüllt … und mit Stopfsteinen. In jüngerer Zeit mit Schamottesteinen. Zwischen die Tubi konnten Dachziegelfragmente oder Steine eingeschoben werden. Zur Ausrichtung. Als Abstandhalter. Zumeist werden die Kacheln untereinander auch noch mit speziellem Ofendraht verklammert. Verdrahtet. Damit der Ofen standfest bleibt. Und damit die Wärmeausdehnung abgefedert wird. Wenn etwas warm wird, dehnt es sich aus. Der Draht hält und gibt zugleich nach. Diese Vorgänge nennen sich Ausschiefern und Verzwickern. Zum Verzwickern besaßen die Kacheln oben und unten in der Zarge je ein Loch. Es gibt auch die Vollkachel. Sie ist rund fünf Zentimeter stark … meist mit der Hand geformt. Beim Versetzen erspart sich der Ofenbauer bei diesen Kacheln das Ausschiefern und das Verzwickern. Weil die Dicke selbst schon Stabilität gibt.

Kacheln bilden einen großen Masse-Anteil von Kachelöfen. Sie tragen daher wesentlich zur Wärmespeicherung bei. Sie besitzen unabhängig von Farbe und Form einen hohen Absorptionsgrad im mittleren Infrarot. Infrarot ist die Wärmestrahlung, die man nicht als Licht sieht … aber als Wärme auf der Haut spürt. Absorptionsgrad heißt: wie gut eine Fläche diese Strahlung aufnimmt und wieder abgibt. Dadurch tritt bereits bei den verhältnismäßig niedrigen Temperaturen eines Kachelofens eine ausreichende Wärmeabstrahlung ein. Aufgrund dieser Strahlungswärme kann die Raumtemperatur in einem mit Kachelofen beheizten Raum bei gleicher Behaglichkeit niedriger gehalten werden … als etwa bei Beheizung mit Konvektoren. Konvektoren wärmen die Luft. Der Kachelofen wärmt auch die Flächen. Und dich. Die Masse nimmt die Wärme auf. Und gibt sie langsam wieder ab.

Schornstein und Sparofen

In der äußeren Gestaltung machten die Kachelöfen eine große kunstgeschichtliche Entwicklung durch. In der Heiztechnik blieben sie lange Zeit unverändert. Bis man im achtzehnten Jahrhundert begann, den Ofenrauch über Schornsteine abzuleiten. Bis dahin wurden Kachelöfen mit geöffneter Heiztüre meist von der Küche oder einem Nebenraum aus befeuert. Sie entließen die Rauchgase ebenfalls dort in den offenen Kamin. Die Öfen waren mit einem niedrigeren Teil an die Zimmerwand angebaut und durchgebaut. Durch die Wand wurde mit Holz beschickt. Hinterlader-Prinzip. Im höheren Teil bildete sich Stauhitze. Stauhitze heißt: die Wärme staut sich oben … und geht in die Kachelwände. Die im Strahlungsbereich des Feuers liegenden Kachelwände wurden stärker erwärmt. War das Feuer heruntergebrannt, wurden die Heiztüren geschlossen. Die Kachelwände gaben je nach Ausmauerungsstärke die gespeicherte Wärme an die Räume ab. Die Rauchgase traten während der Heizphase nach der Abkühlung durch die Ofentür wieder aus … und zogen durch die Esse ab. Die Esse war der Rauchabzug … meist in der Küche über der offenen Herdfeuerung. Oft traten die Abgase auch einfach durch Undichtigkeiten in der Dachkonstruktion ins Freie. Damalige Kachelöfen nutzten den Brennstoff besser aus als offene Kamine. Aber sie waren immer noch sehr ineffektiv.

Im ausgehenden siebzehnten Jahrhundert und dann im achtzehnten Jahrhundert machte man sich die ersten ernsthaften Gedanken über Sparöfen. Sparofen heißt: ein Ofen, der mit weniger Holz auskommt. Ein König in Preußen organisierte einen Wettbewerb über Holzsparöfen. Es gab sogar Vorschläge zu Öfen, die sich über zwei Geschosse erstreckten. Aber erst der direkte Anschluss an einen Schornstein brachte die Möglichkeit, Rauchgaszüge in die Kachelöfen einzubauen. Es war ein allmählicher Erfahrungsprozess. Man lernte, mit dem Unterdruck umzugehen, der im Schornstein und in der Feuerstätte entsteht. Unterdruck heißt: die Luft wird nach oben gezogen. So wurden auch fallende Züge möglich. Man nennt sie Sturzzüge. Die heißen Gase gehen erst hoch … und dann wieder hinunter … und wieder weiter. Zeitlich genau ist das nicht einzuordnen. Es gab im Schwarzwald bis ins zwanzigste Jahrhundert noch offene, ohne Schornstein betriebene Öfen. Durch die Umlenkungen und die Abkühlung der Heizgase in den Zügen wurden die Öfen sehr effektiv. Und sparsam mit dem Brennstoff Holz. Holz war inzwischen knapper geworden. Rost, Aschekasten und eine gezielte Verbrennungsluftführung waren nun üblich.

Normen und drei Bauarten

Kacheln wurden allmählich als Massenware in Manufakturen hergestellt. Die Baugröße wurde dem jeweils benötigten Wärmebedarf angepasst. Durch Handwerksregeln wurde sie landsmannschaftlich standardisiert. Landsmannschaftlich heißt: in den einzelnen Gegenden jeweils nach deren eigener Regel. Zum Teil gab es auch technische Rückschritte. Als im Historismus der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts alte Ofenformen neu aufkamen … und wieder die alten Hinterlader-Öfen gebaut wurden. Aus den Handwerksregeln und Erfahrungswerten zum Raumheizvermögen entstanden im Jahr neunzehnhundertfünfundzwanzig Normen für den Kachelofen. Raumheizvermögen heißt: wie groß der Raum sein darf, den ein Ofen noch behaglich warmhält. Man nannte sie DIN-Normen. Deutsche Industrienormen. Die DIN eintausendzweihundertneunundachtzig beschreibt das Feuergeschränk für Kachelöfen. Feuergeschränk heißt: die eiserne Tür und der Rahmen am Feuerraum. Genauer: die Fülltür für die Füllfeuerung. Sie stammt aus dem Jahr neunzehnhundertachtundzwanzig und ist noch heute gültig. Die DIN-Norm teilte je nach Stärke der Außenwand die Kachelöfen in drei Bauarten ein. Eine leichte. Eine mittelschwere. Eine schwere. Und sie gab Planungswerte über Raumheizvermögen, Masse und Speicherdauer. Leicht heizt schneller. Schwer hält länger.

Das Aufkommen der Kohle als Brennstoff im neunzehnten Jahrhundert führte zu Änderungen in den Konstruktionen. Die Feuertür konnte kleiner sein. Das heiße Glutbett der Kohle hielt länger vor. Deshalb war ein direkter Wärmekontakt mit einer großen Masse wärmespeichernder Keramik nicht mehr zwingend erforderlich. Über verschiedene Entwicklungsstufen kam man zu kompakten, mit Schamotte ausgekleideten gusseisernen Heizeinsätzen. Sie enthielten alle Feuerungsbauteile. Rost. Aschekasten. Ofentüren. Und sie waren revisionsfähig. Man konnte diese Feuerungen reparieren, ohne den ganzen Kachelofen abbauen zu müssen. Die Heizeinsätze wurden durch konvektive Luftführung gekühlt. Konvektion heißt: Luft, die sich bewegt, weil sie warm wird und aufsteigt. Diese Luft brachte eine Erhöhung des Raumheizvermögens. So entstanden die ersten Warmluft-Kachelöfen. Sie vermochten, die Räume schnell zu heizen … und speicherten in der Kachel-Umbauung zugleich auch Wärme. Die Warmluft konnte mittels Jalousien an den Heizbedarf angepasst werden. Und auch in andere Räume oder Stockwerke geführt werden.

Grundofen, Warmluft, Kombi

Grundformen des Kachelofens sind der Grundofen, der Warmluftofen sowie der Kombiofen. Sonderformen sind die Kachelkunst, die Warmluftzentralheizung und der Hypokaustenofen. Ein Grundofen ist eine vor Ort handwerklich erstellte Anlage. Er besteht aus einem Brennraum und nachgeschalteten keramischen Heizzügen. Es gibt drei Varianten, die nach ihrer Speichermasse unterschieden werden. Leichte. Mittlere. Schwere Bauart. Ein Grundofen ist ein Zeitbrandofen. Der Brennstoff, Holz, wird in einer bestimmten Zeit abgebrannt. Die im Abbrand entstehende Wärme wird im Schamottestein gespeichert. Und nach und nach über die Oberfläche abgegeben. Die Nachheizzeit liegt in der Regel bei acht, zwölf oder vierundzwanzig Stunden. Je nach Wärmespeicherkapazität des Grundofens. Nachheizzeit heißt: wann man wieder Holz auflegen muss. Bei einer rostlosen Feuerung kann je nach Konstruktion nur Holz als Brennstoff verwendet werden. Rostlos heißt: kein Gitter unten. Die Asche liegt auf dem Grund.

Vielfach wird eine Feuerstätte als Grundofen bezeichnet, welche keinen Feuerrost besitzt … weil sie ausschließlich mit Holz befeuert wird. Die Holzasche sammelt sich auf dem Boden des Ofens. Sie bildet ein Bett für die Glut. In einem gut konstruierten Ofen verbleibt nach dem Abbrand des Holzes wenig Asche. Ein Grundofen mit ausreichend großem Feuerraum braucht oft erst nach fünfzig oder mehr Feuern gereinigt zu werden. Typische Grundöfen sind aus Schamottsteinen und Lehm gemauerte Wärmespeicheröfen. Sie sollten den Aufstellraum zu einem möglichst großen Anteil durch die Abgabe von Strahlungswärme beheizen. Im Gegensatz dazu erwärmt ein Luftheizungsofen den Raum durch einen Warmluftstrom. Bei dieser Verbrennungstechnik mit ausschließlich indirekter Wärme werden über achtzig Prozent Wirkungsgrad erzielt. Wirkungsgrad heißt: wie viel von der im Holz steckenden Wärme wirklich im Raum ankommt. Ein klassischer offener Kamin kommt mit ausschließlich direkter Strahlung nur auf bis zu dreißig Prozent. Heutzutage werden daher geschlossene Kamineinsätze mit einem Wirkungsgrad von ungefähr sechzig Prozent in die offenen Kamine verbaut. Die höhere Leistung kommt durch eine fast rückstandsfreie Verbrennung von Holz bei sehr hoher Temperatur zustande. Diese Verbrennung ermöglicht, dass der Ofen wie nahezu alle frühen Kachelöfen ohne Rost und Aschekasten auskommt. Ein Kohlefeuer braucht den Luftzug von unten, der durch einen Feuerrost ermöglicht wird. Die Glut eines Holzfeuers sollte im Aschehaufen liegen. Unter diesen Bedingungen erhält sich die Verbrennungstemperatur, die für eine saubere Verbrennung nötig ist.

Beim Verbrennen von Holz in einem Grundofen ist, wenn die Luftzufuhr gewährleistet ist, nach dem Auflegen der Scheite auf das brennende Anmachholz eine weitere Regelung der Luftzufuhr entbehrlich. Sie regelt sich durch den Verbrennungsvorgang selbsttätig. Ein schwer gebauter Grundofen hat ein sehr träges Wärmeverhalten. Er erfordert lange Anheizzeiten. Ein fachgerecht gebauter Grundofen braucht meist zwei bis drei Stunden, bevor die Wärme an der Oberfläche spürbar wird. Je träger sich der Ofen verhält, desto länger kann er die Wärme speichern. So muss weniger häufig nachgeheizt werden. Zwei Stunden warten. Dann die Bank. Dann der Abend. Die Masse nimmt die Wärme auf. Und gibt sie langsam wieder ab. Der Warmluftkachelofen funktioniert nach dem Prinzip der Konvektionsheizung. Kalte Raumluft strömt über die untere Öffnung ins Innere des Kachelofens. Meist ist das ein Rundbogen im Sockel. Dort wird die Luft an den heißen Eisenteilen erwärmt. Und strömt als warme Luft in den Raum zurück. Diese Warmluft kann auch mittels Warmluftkanälen in angrenzende Räume oder darüberliegende Etagen geleitet werden. Die Warmluft hat einen Anteil von sechzig bis achtzig Prozent an der abgegebenen Wärme. Der Rest ist Strahlungswärme, die über die Kacheloberfläche abgegeben wird. Der Warmluftkachelofen gibt schnell und wirtschaftlich Wärme ab.

Der Kombi-Kachelofen ist eine Mischung. Aus Warmluftofen … dem Heizeinsatz … und Strahlungsofen … den gemauerten Zügen. Ein bei Bedarf austauschbarer Heizeinsatz kann eingebaut werden. Mit moderner Verbrennungstechnik. Die gemauerten Züge werden an der Ofenwand entlanggeleitet. Damit ein möglichst gleichmäßiger und großer Wärmeanteil an den Raum abgegeben werden kann. Weitere Vorteile sind eine schnelle Wärmeabgabe vom Heizeinsatz. Ungefähr fünfzehn bis zwanzig Minuten. Und eine Speicherzeit zwischen sechs und zwölf Stunden des keramischen Zugs. Erst die schnelle Luft. Dann die lange Kachel.

Das Funktionsprinzip des Heizkamins entspricht weitgehend dem des Warmluftofens. Allerdings verfügen Heizkamine über eine mehr oder weniger große Glasscheibe. Über diese Scheibe kann man den Abbrand beobachten. Ein Vorteil gegenüber dem Warmluftofen ist der höhere Anteil Strahlungswärme. Diese gelangt unmittelbar nach Heizbeginn über die Sichtscheibe in den Aufstellraum. Seit einigen Jahren kann bei vielen Kamineinsätzen die Beheizung auch über die Rückseite erfolgen. Zum Beispiel vom Flur. Die Sichtscheibe muss dann nur noch zu Reinigungszwecken geöffnet werden. Durch die Erweiterung um einen gemauerten Rauchgaszug erreicht man die Funktionsweise eines Kombiofens. Dabei sollte die Sichtscheibe jedoch nicht zu groß gewählt werden. Eine zu große Scheibe führt zu übermäßigem Wärmeverlust aus dem Brennraum. Und das Wärmespeichervermögen der Anlage wird geringer. Weniger Glas. Mehr Stein. Längere Wärme.

Die Kachelkunst

Dann gibt es die Kachelkunst. In der Schweiz sagt man auch Chust. Die Kachelkunst ist traditionell im Schwarzwald und in der Schweiz beheimatet. Der genaue Ursprung ist nicht bekannt. Die Entwicklung hängt auch von der Entwicklung des Herdes ab, von dem aus sie befeuert wird. Ursprünglich wurde über offenem Feuer gekocht. Über dem Herd befand sich eine Esse … oder auch gar nichts. Daneben das Feuerloch des Stubenofens, der mit einem Backgewölbe ausgestattet war. Spätestens mit Beginn des neunzehnten Jahrhunderts setzte sich die Benutzung eines Schornsteins allmählich durch. Der Herd bekam eine eiserne Herdplatte. Der Kachelofen bekam einen Schornsteinanschluss. Um die Abgase des Herdes abzuleiten, wurde in der Stube die Kunst mit einem eigenen Heizgaszug an den Kachelofen angebaut. Die damalige Kunst war eine manchmal zweistöckige beheizte Sitzbank mit Sandsteinabdeckung. Sie wurde vom eigentlichen Kachelofen unabhängig beheizt. Die historischen Kunst-Sitzbänke waren sehr hoch. Man traute sich damals noch nicht, Abgase nach unten zu leiten. Die Herde waren sehr niedrig. Um auf den hohen Sitzbänken sitzen zu können, brauchte man oft ein aus Holz gefertigtes Kunst-Bänkchen zum Abstellen der Füße. Die heutigen Kachelkünste haben sich vom Kachelofen gelöst. Sie bilden eigenständige Heizsysteme. Sie sind sehr effizient, weil sie die Funktion Kochen mit der Funktion Heizen verbinden. Und sie sind vor allem in der Schweiz und im südlichen Baden-Württemberg sehr beliebt. Kochen in der Küche. Wärme in der Bank. Beides aus einem Feuer.

Die Warmluft-Zentralheizung war in Deutschland in den fünfziger und sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts eine Sonderform des Kachelofens. Bevor die Warmwasserzentralheizungen aufkamen. Sie nutzte die hohe Heizleistung, die durch Heizeinsätze und Blechheizregister zur Verfügung stand. Und verteilte sie mittels Luftkanälen in den Räumen von Einfamilienhäusern. Ein solcher Kachelofen, erbaut im Jahr neunzehnhundertneunundfünfzig, beheizte im Erdgeschoss drei Räume … sowie in der ersten und zweiten Etage weitere fünf Räume. Die Warmluftrohre für die oberen Räume führten durch einen Mauervorsprung über dem Ofen. Sie konnten vom Erdgeschoss aus für die einzelnen Etagen jeweils geöffnet oder geschlossen werden. Ein Ofen. Acht Räume. Luft, die durch die Wände geht. Luft-Hypokausten-Anlagen sind eine Sonderform des Warmluft-Kachelofens. Mit einem geschlossenen Luftumwälzungssystem werden entferntere Bauteile beheizt. Zum Beispiel die Sitzbank eines Kachelkamins. Oder die Wände eines Zimmers. Das System funktioniert durch Schwerkraft … oder mit Gebläse. Die eingeschlossene Systemluft wird bis zu zweihundert Grad Celsius heiß. Sie kommt dabei nicht mit der Raumluft in Berührung. Dieses System wurde im Jahr neunzehnhundertdreiundachtzig entwickelt und bekannt gemacht. Die Wärme wandert innen. Draußen bleibt die Luft des Zimmers ruhig.

Bei einem konventionellen Kachelofen findet neben der Wärmeabgabe an die umgebende Luft auch eine Wärme-Konvektion statt. Die Menge hängt von der Oberflächentemperatur des Ofens ab. Je kühler die Fläche, desto geringer die Konvektion. Die Bereiche der Außenfläche, die mit den heißen Rauchgaszügen in engerer Verbindung stehen, erwärmen sich stärker. Das führt zu einer höheren Konvektion. Infolge der ungleichmäßigen Wärmeverteilung kann es zusätzlich auch zu Spannungen im Ofen kommen. Um das zu vermeiden, wurde das Hypokausten-Bausystem für den Kachelofen entwickelt. Hier bestehen die Züge entsprechend der gewünschten Heizleistung aus Keramik-Modul-Speichersteinen. Man nennt sie K-M-S-Steine. Den Speicherkern. Zwischen den Schamotteplatten und dem Speicherkern verbleibt ein Luftraum. Dieser Luftraum gibt die entstehende Wärme dann nicht durch Wärmeleitung wie bei der herkömmlichen Bauweise an den Raum ab … sondern durch Strahlung. Im Inneren des Systems kommt es, da die Außenhülle geschlossen ist, zu einem konvektiven Wärmetransport von heißeren Oberflächen hin zu kälteren Bereichen. Die kälteren Bereiche werden ebenfalls erwärmt. Die effektiv zur Verfügung stehende wärmende Fläche wird größer. Die in der Feuerung erzeugte nutzbare Wärmemenge ist nach dem ersten thermodynamischen Hauptsatz für jeden Kachelofentyp identisch. Der erste Hauptsatz sagt in einfachen Worten: Energie geht nicht verloren. Sie ändert nur ihren Ort und ihre Form. Die auf eine größere Fläche verteilte Wärmemenge führt deshalb zu geringeren Oberflächentemperaturen des Ofens. Und erzeugt, physiologisch betrachtet, ein angenehmeres, behagliches Raumklima. Physiologisch heißt: so, wie der Körper Wärme empfindet.

Hypokauste unter dem Boden

Das Wort Hypokauste ist älter als der Kachelofen. Ein Hypokaustum ist eine Flächenheizung. Warme Luft zirkuliert in geschlossenen Schächten oder Röhren und gibt Wärme an die Oberfläche ab. Als massive Wärmeträger werden vor allem Fußböden oder Wände eingesetzt. Aber auch massive Sitzbänke oder andere Bauteile. Die Wärmeabgabe erfolgt durch Strahlung. Die warme Luft wird in Öfen außerhalb der zu beheizenden Räume erzeugt. Und im Gegensatz zur Warmluftheizung gelangt sie nicht in den Raum. Diese Form der Heißluftheizung stammt aus der römischen Antike. Zuerst in Bädern. Später dann in römischen Häusern. Heute werden Hypokausten nach den technischen Regeln des Ofen- und Luftheizungsbaus gebaut.

In der Antike gab es Anlagen mit Fußbodenheizung … und zusätzlich in den Wänden senkrecht verbaute Hohlziegel. Diese Hohlziegel ähnelten einem Rauchrohr. Man nannte sie Tubuli. Sie waren mit dem Hypokaustum direkt verbunden. Diese sogenannte Tubulation der Wände sorgte für eine gleichmäßigere Erwärmung der Räume. Die Konstruktion bestand aus einem Feuerraum. Davor lag der Heizerstand. Durch ein Feuerloch führte ein backofenähnlich gewölbter Heizkanal zu einem Heizraum unter dem aufgehängten Fußboden. Der aufgehängte Fußboden heißt Suspensura. Darunter standen Ziegel- oder Steintürmchen. Im Abstand von etwa dreißig bis vierzig Zentimetern. Etwa dreißig bis sechzig Zentimeter hoch. Sie trugen zuerst eine größere Deckplatte. Darauf die große Tragplatte. Darauf der Estrich. Die gesamte Konstruktion des Fußbodens war etwa zehn bis zwölf Zentimeter dick. Sie benötigte mindestens mehrere Stunden zur völligen Durchwärmung. Manchmal einen Tag. Manchmal zwei. Von dem Heizraum unter dem Boden strömte die heiße Luft in die Wandkanäle. So wurden auch die Wände beheizt.

Im Römerkastell Saalburg ist ein Hypokaustum sehr gut erhalten geblieben. Untersuchungen zeigten, dass die Wärmezufuhr in die Räume vermutlich erst eingeleitet wurde, nachdem die Innenwände und Pfeiler aufgeheizt waren … das Feuer abgebrannt war … und Luftzufuhr sowie Feuerloch verschlossen wurden. Der zwanzig Zentimeter dicke Fußboden konnte sich nur leicht erwärmen. Die Wärmezufuhr erfolgte hauptsächlich über die Tubuli in den Wänden. Das Hypokaustum diente so als Wärmespeicher. Eine Rekonstruktion gibt es zum Beispiel in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Eine weitere im römischen Freilichtmuseum Hechingen-Stein. Und eine Rekonstruktion des Bades in Carnuntum. Deutschland. Österreich. Derselbe ruhige Gedanke unter dem Boden. Archäologisch lässt sich nachweisen, dass die Bäder in Gortys in Arkadien bereits im dritten Jahrhundert vor Christus unterirdische Raumheizungssysteme aufwiesen. Ein römischer Architekt hinterließ im ersten Jahrhundert vor Christus die Beschreibung einer Hypokaustenheizung für Bäder.

Heute versteht man unter einer Hypokaustenheizung immer noch dasselbe Prinzip. Die Luft wird dabei nicht immer durch einen Ofen erwärmt … manchmal auch durch Sonnenwärme. Moderne Hypokausten werden beispielsweise als Rohre in Decken einbetoniert … oder direkt als Kalksandsteinwände gemauert. Sie haben eine größere Oberfläche als ein Stand-Heizkörper. Dadurch benötigen sie für die gleiche Raumtemperatur eine geringere Oberflächentemperatur. Ungefähr dreißig Grad Celsius. Das erzeugt weniger Konvektion. Dieses ruhigere Wärmeklima wird als angenehmer wahrgenommen. Und es trocknet die Raumluft weniger aus. Seit alters her gibt es in Korea eine ähnliche Art von Fußbodenheizung. Man nennt sie Ondol. Wärme unter dem Boden. Wärme in der Wand. Wärme, die man nicht sieht.

Holzfeuer und Speicher

Holz verbrennt zum größten Teil gasförmig. In langen Flammen. Und mit hoher momentaner Heizleistung. Die Umwandlung des Holzes zu Gas beginnt schon bei ungefähr achtzig Grad Celsius. Und sie kann nicht unterbrochen werden. Das Gas muss bei der Entstehung auch abgebrannt werden. Ein gestreckter Abbrand ist bei Scheitholzfeuerungen in Öfen nicht möglich. Dauerbrand, wie man ihn von der Kohle kennt, geht mit Holzscheiten so nicht. Der Kachelofen ist traditionell und heute wieder verstärkt ein Speicherofen. Er puffert die momentane sehr hohe Heizleistung eines Holzfeuers. Und gibt sie verzögert an die Räume ab. Aber nur, wenn er die erforderlichen Speichermassen auch hat. Beim Grundofen. Beim Kombi-Kachelofen. Bei der Kachelofen-Kunst. Erst das Feuer. Dann die Steine. Dann der Raum.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich das Design des Kachelofens grundlegend gewandelt. Bis in die siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts waren Kachelöfen dem Namen entsprechend noch vollständig verkachelt. In den achtziger und neunziger Jahren folgte immer mehr die Abkehr von der klassischen Ofenkachel. Verputzte Flächen mit Gesimskacheln und einigen Zierelementen aus Keramik dominierten. Es gab einen Trend zu möglichst vielen Abstufungen und versetzten Ebenen. Seit Beginn des neuen Jahrtausends halten hingegen immer mehr schlichte, puristisch gestaltete Anlagen Einzug in die Wohnzimmer. Klare Linien. Gerade, verputzte Flächen. Große Sichtscheiben. Viele Hersteller klassischer Ofenkacheln haben auf diesen Trend reagiert. Sie bieten großformatige Keramik als Alternative zum Naturstein für Feuertische und Bänke an. Granit. Schiefer. Sandstein. Die klassische grüne Ofenkachel scheint jedenfalls ausgedient zu haben. Heute bestimmen in Kombination mit weiß verputzten Flächen häufig satte Braun- oder Schwarztöne als Kontrast das Bild. Der Ofen ist stiller geworden. Flacher. Schlichter. Aber die Arbeit darunter ist geblieben. Masse. Züge. Wärme, die wartet.

Die Stiländerungen kann man auch an einem Heiligen sehen. Er heißt Epimachus. Als sein Erkennungsmerkmal hält er einen Kachelofen in der Hand. Auf Bildern wurde dieser Ofen der Zeit und Mode entsprechend im Lauf der Geschichte ständig angepasst. Derselbe Heilige. Ein anderer Ofen. Immer die Kachel.

Die Stube am Abend

Stell dir die Stube wieder vor. Die niedrigen Deckenbalken. Den Holzboden. Es ist immer noch Abend. An der Wand steht der große Ofen. Die Kacheln sind glatt. Ein wenig glänzend. Vor dem Ofen die Bank. Warm. Gleichmäßig. Das Feuer ist heruntergebrannt. Die Türen sind geschlossen. Irgendwo im Haus ist es stiller geworden. In der Küche ist der Rauch längst fort. Hier in der Stube bleibt nur die Wärme. Sie kommt aus dem Lehm. Aus der Schamotte. Aus den Kacheln. Sie kommt aus Winterthur. Aus Nürnberg. Aus dem Schwarzwald. Aus Sölden. Aus einer Burg am Bodensee. Aus einer Bank mit Sandsteinplatte. Aus Zügen, die hochgehen und wieder fallen. Aus einem Feuer, das kurz war. Und aus einer Masse, die Zeit hat.

Die Masse nimmt die Wärme auf. Und gibt sie langsam wieder ab. Die Masse nimmt die Wärme auf … und gibt sie langsam wieder ab. Der Ofen steht. Die Bank bleibt warm. Die Stube hält die Abendluft. Und du darfst jetzt schlafen. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.

Quelle und Lizenz

Dieser Text beruht auf den Wikipedia-Artikeln «Kachelofen», «Grundofen», «Ofenkachel» und «Hypokaustum». Die Artikel stehen unter CC BY-SA 4.0; dieser bearbeitete Text steht unter derselben Lizenz.

Verwendete Fassungen: «Kachelofen» Version 261435423, abgerufen am 27. August 2026, «Grundofen» Version 263459852, abgerufen am 27. August 2026, «Ofenkachel» Version 267195666, abgerufen am 27. August 2026 und «Hypokaustum» Version 266995201, abgerufen am 27. August 2026.

Der Text wurde automatisch erstellt, gegen die Quelle geprüft und von einer computergenerierten Stimme vorgetragen – deshalb gibt es jeden Abend eine neue Folge. Verantwortlich für Themenauswahl und Stichproben ist Michael Feer. Mehr dazu unter Über Fridolin und Lizenz & Quellen.