Gute Nacht mit Fridolin – zur Startseite

Über Fridolin

Fridolin erzählt dir jeden Abend eine Einschlafgeschichte für Erwachsene, die nirgendwo hin will. Kein Höhepunkt, keine Wendung, kein Cliffhanger. Nur ein Gegenstand, ein Ort oder ein Lebewesen – und alles, was daran ruhig und interessant ist.

Darum wirst du diesen Einschlafpodcast lieben:

Wer Fridolin ist

Fridolin hat sein Leben lang schon gerne erzählt. Als Kind war er der, der wissen wollte, warum eine Standseilbahn zwei Wagen braucht, wieso Trockenmauern in der Nacht noch warm sind und wohin der Schatten am Abend geht. In der Schule war er der, dem man solche Fragen stellte. Ein Buch hat er nie geschrieben und einen Vortrag nie gehalten. Er hat einfach immer Geschichten weitererzählt: am Küchentisch, auf Spaziergängen, an Bahnhöfen, wenn der Zug Verspätung hatte.

Fridolin als Junge im alten Klassenzimmer: braunes Wuschelhaar, runde Brille, die Hand weit oben, um ihn andere Kinder an Holzpulten.
Der Beste war er nie. Aber keiner wollte so genau wissen, warum.

Was er weiß, hat er sich nicht angelesen, um recht zu haben. Er sammelt es, weil ihn fast alles interessiert, sobald man lange genug hinschaut – das Moos auf einer Mauer, die Mechanik einer Armbanduhr, die Reihenfolge, in der die Sterne aufgehen. Nichts ist ihm zu klein, um davon zu erzählen. Das ist vielleicht seine wichtigste Eigenschaft.

Sein Berufsleben lang war Fridolin Uhrmacher. Als junger Geselle zog er von Werkstatt zu Werkstatt, durch Deutschland, Österreich und die Schweiz – daher kennt er von überall her Geschichten. Später hatte er eine eigene kleine Werkstatt, in der er Uhren nicht verkaufte, sondern rettete. Als die Quarzuhren kamen, musste er sie schließen. Er sagt darüber: «Die Zeit hat mich überholt. Das ist in Ordnung. Sie war schon immer schneller als ich.» Die Werkbank steht heute in seiner Stube, und wer ihm eine stehen gebliebene Uhr vorbeibringt, bekommt sie zurück, wenn sie wieder tickt.

Fridolin sitzt über eine offene Taschenuhr gebeugt an der Werkbank, ein Uhrmachermonokel am Auge, die Brille ins Haar geschoben; am anderen Ende schläft ein grauer Kater.
Sein Leben lang hat er kleine Dinge wieder in Gang gebracht.

Über fünfzig Jahre war Fridolin mit Martha verheiratet, einer Buchbinderin. Kennengelernt haben sie sich über eine geerbte Taschenuhr, die er ihr wieder zum Laufen brachte; heute trägt er sie bei sich. Er flickte Uhren, sie flickte Bücher – beide haben ihr Leben lang Dinge gerettet, die andere weggeworfen hätten. Kinder blieben ihnen verwehrt; die Zuwendung, die übrig war, bekamen die Nachbarskinder und die Lehrlinge in der Werkstatt. Vor kurzem ist Martha gestorben. Seither weiß Fridolin selbst, wie lang eine Nacht sein kann – und genau darum erzählt er jetzt jeden Abend.

Fridolin und Martha sitzen nebeneinander in einer alten Straßenbahn; sie zeigt aus dem Fenster, draußen ziehen Altstadthäuser vorbei.
Mit Martha, über fünfzig Jahre lang. Gereist sind die beiden immer mit der Bahn.

Heute ist Fridolin ein alter Mann mit weißem Haar und seinem Lieblings-Wollpullover, der schon bessere Tage gesehen hat. Fridolin hat ein Leben gelebt, das von Hochs und Tiefs geprägt war, von schönen Momenten und von Zeiten tiefer Trauer. Die Freude am Erzählen hat er dabei nie verloren.

Abends setzt er sich in seinen Geschichtensessel, einen alten Ohrensessel mit einer Wolldecke über der Lehne. Auf dem Fensterbrett steht eine Schachtel voller Postkarten – Martha hat sie ein Leben lang gesammelt. Jeden Abend zieht Fridolin eine Karte heraus, zieht die Taschenuhr auf und erzählt von dem, was auf der Karte zu sehen ist. Dazu springt ihm Elbart auf den Schoß oder legt sich auf seine Füße: ein junger grauer Kater, der ihnen vor drei Jahren zugelaufen ist. Den Namen hat Martha ihm gegeben, und warum er ausgerechnet Elbart heißt, wusste nur sie.

Fridolin liest im Sessel in einem dicken Buch, unter seinem Arm schläft eng angeschmiegt ein junger grauer Kater.
Elbart, beim Vorlesen. Das leiseste Metronom der Welt.

Er erzählt ohne Absicht. Keine Pointe, keine Lehre am Schluss, keine Frage, die dich danach beschäftigen soll. Er hat es nicht eilig. Wenn du dabei einschläfst, ist ihm das recht – er nimmt es als Kompliment.

Er bewertet nicht, er weckt dich nicht mit einer schlechten Nachricht, und er fragt nicht, was dich gerade umtreibt. Er sitzt da und erzählt dir von Sachen, die wir im Alltag meist übersehen. Langsam und ruhig, bis du weg bist.

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