Mit dem Schlafwagen ruhig durch die Nacht

Worum es in dieser Einschlafgeschichte geht
In dieser Einschlafgeschichte steigst du am Abend in einen Nachtzug und beziehst ein kleines Abteil im Schlafwagen. Fridolin erzählt ruhig vom liegenden Reisen, vom gleichmäßigen Klopfen der Räder und von einer langen Fahrt, die du einfach verschlafen darfst. In Gedanken geht es von Zürich nach Wien oder nach Berlin, ohne Eile und ohne Fahrplan.
Du erfährst, dass Schlafwagenabteile für eine bis vier Personen gedacht sind und die Betten zumeist am Tag zu Sitzplätzen werden. In der Regel hat jedes Abteil eine Waschgelegenheit, und das Frühstück wird meistens ins Abteil gebracht. Weiter hinten im Zug fährt der Liegewagen mit, in der Schweiz Couchette genannt, meist mit neun bis elf Abteilen und bis zu sechs Liegen.
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Der ganze Text dieser Einschlafgeschichte
Abend am Bahnhof
Stell dir einen Bahnhof vor … am Abend. Ein langer Bahnsteig liegt da … aus grauem Beton … und an seinem Rand verlaufen zwei Schienen. Es ist spät geworden. Der Himmel über dem Bahnhof ist schon dunkel. Auf den Schienen steht ein Zug. Seine Wagen reihen sich aneinander … einer nach dem anderen. Hinter den Fenstern brennt gelbes Licht. Du gehst langsam am Zug entlang … bis zu einer offenen Tür. Dann steigst du ein. Drinnen ist ein schmaler Gang … und an diesem Gang liegen Türen, eine neben der anderen. Hinter einer dieser Türen ist dein Abteil. Du schiebst die Tür auf … und trittst ein. Der Raum ist klein. Und er gehört für diese Nacht dir.
Was ein Schlafwagen ist
Der Wagen, in dem du jetzt stehst … ist ein Schlafwagen. Ein Schlafwagen ist ein Reisezugwagen … also ein Wagen, in dem Menschen reisen … und nicht Waren. Das Besondere an ihm ist eine Kleinigkeit … die doch alles verändert. Ein Schlafwagen ermöglicht liegendes Reisen. Du sitzt nicht aufrecht … mit dem Kopf an der Scheibe … und wartest auf den Morgen. Du liegst. Ausgestreckt … mit einer Decke über dir … und einem Kissen unter dem Kopf. Und während du liegst … fährt der Zug. Du reist … und du schläfst. Beides zur gleichen Zeit. Das ist ein freundlicher Gedanke. Die Strecke wird kürzer … ohne dass du etwas dafür tun musst. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Stell dir vor, wie viele Menschen in diesem Augenblick so liegen wie du. In deinem Wagen … hinter den anderen Türen am Gang … in den anderen Abteilen. Jeder in seinem Bett. Jeder ausgestreckt. Sie alle reisen … und keiner von ihnen muss dabei sitzen. Das ist es, was ein Schlafwagen möglich macht. Das liegende Reisen. Ein einfacher Gedanke … und doch ein besonderer, wenn man ihn langsam bedenkt. Draußen vergeht die Strecke. Drinnen vergeht die Nacht. Und beides geschieht, ohne dass jemand darauf achten muss.
Einschlafgeschichte weiterlesenDie restlichen 4.243 Wörter, Wort für Wort wie Fridolin es erzählt
Abteile und Betten
Schau dich ein wenig um in deinem Abteil. Ein Abteil ist ein abgeschlossener Raum im Wagen … mit einer eigenen Tür zum Gang. In einem Schlafwagen sind diese Abteile für eine bis vier Personen gedacht. Eine Person … das heißt: Du bist allein. Nur du … das Bett … und das Fenster. Zwei Personen … vielleicht reist du mit jemandem, den du gern hast. Drei oder vier Personen … dann wird es etwas enger. Aber es bleibt ein eigener Raum. Mehr als vier werden es in einem Schlafwagenabteil nicht. Das ist das Maß dieses Wagens. Eine kleine Zahl von Menschen … hinter einer Tür. Heute Abend stell dir vor, du bist allein. Das Abteil gehört nur dir. Draußen auf dem Gang hörst du Schritte … dann werden sie weniger … und dann ist es still.
Der Zug setzt sich in Bewegung. Zuerst merkst du es kaum. Nur ein leichtes Ziehen … ein sanftes Rucken. Dann gleitet der Bahnsteig am Fenster vorbei. Erst langsam … dann etwas schneller. Die Lampen des Bahnhofs ziehen fort … eine nach der anderen. Dann ist da nur noch die Dunkelheit hinter der Scheibe. Und in der Scheibe siehst du dein eigenes Abteil … gespiegelt … mit dem gelben Licht. Unter dir rollen die Räder über die Schienen. Es ist ein gleichmäßiges Geräusch. Ein Klopfen … und noch ein Klopfen … in einem festen Takt. Du musst nichts tun. Du musst auf nichts achten. Der Zug weiß, wohin er fährt. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Vielleicht fällt dir jetzt auf, wo du gerade sitzt. Du sitzt auf deinem Bett. Im Schlafwagen ist das kein Widerspruch. Denn die Betten können zumeist umgewandelt werden … in Sitzplätze. Das ist für den Tagesverkehr gedacht. Tagesverkehr … so nennt man die Fahrten am Tag, bei denen niemand schläft. Dann wird aus dem Bett ein Sitzplatz. Man sitzt … man schaut hinaus … man liest vielleicht ein Buch. Und wenn der Abend kommt … wird aus dem Sitzplatz wieder ein Bett. Derselbe Raum … zwei Gestalten. Am Tag ein kleines Zimmer zum Sitzen. In der Nacht ein kleines Zimmer zum Schlafen. Das Wort zumeist ist dabei wichtig. Es heißt: Meistens geht das … nicht in jedem Wagen … aber in den meisten. Heute Abend ist dein Bett schon bereit. Du brauchst nichts umzubauen.
Stell dir vor, wie dein Abteil heute am Nachmittag aussah … noch bevor die Nacht kam. Vielleicht saß dort jemand am Fenster … auf einem Sitzplatz … und schaute hinaus auf die Felder. Das Licht des Tages lag auf dem Boden des Abteils. Dann wurde es Abend. Und aus dem Sitzplatz wurde wieder ein Bett. Die Decke wurde ausgebreitet … das Kissen zurechtgelegt. Nun liegt alles bereit … für dich. So wechselt ein Schlafwagenabteil zwischen Tag und Nacht. Nicht in jedem Wagen … aber in den meisten. Derselbe Platz dient am Tag dem Sitzen … und in der Nacht dem Liegen. Das ist eine kluge Einrichtung. Und eine freundliche.
Du ziehst die Schuhe aus … und stellst sie neben die Tür. Dann legst du dich hin. Deine Füße finden ihren Platz … dein Kopf findet das Kissen. Jetzt spürst du den Zug mit dem ganzen Körper. Ein leichtes Schaukeln … von einer Seite zur anderen … und wieder zurück. Es ist ein Schaukeln, das nichts von dir will. Es ist nur da … so wie das Klopfen der Räder da ist. Manchmal wird der Takt ein wenig schneller. Manchmal wird er langsamer. Und dann bleibt er wieder gleich … für eine lange Zeit. Du schließt die Augen … und hörst zu. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Nachtzug und Liegewagen
Der Zug, in dem dein Schlafwagen mitfährt, hat einen eigenen Namen. Man nennt ihn einen Nachtzug. Ein Nachtzug ist ein Zug, der nachts verkehrt … und zwar im Personenverkehr. Er bringt also Menschen von einem Ort zum anderen. Manchmal sagt man auch Nachtreisezug. Dieses längere Wort hat einen Grund. Denn in der Nacht fahren auch andere Züge … Güterzüge. Sie tragen Waren … keine Reisenden. Das Wort Nachtreisezug grenzt den einen Zug vom anderen ab. Stell dir vor, irgendwo auf einem Nachbargleis fährt in dieser Stunde ein Güterzug. Er hat seine Ladung … und du hast deine Decke. Beide Züge sind unterwegs. Beide fahren durch dieselbe Dunkelheit. Aber nur in einem von ihnen liegt jemand und schläft.
Wozu gibt es Nachtzüge. Das lässt sich leicht sagen. Im Fernverkehr … also auf den langen Strecken zwischen weit entfernten Orten … nutzen Nachtzüge die Schlafenszeit der Reisenden. Sie legen über Nacht lange Strecken zurück. Und sie halten dabei nur selten. Wenig Zwischenhalte … das heißt: Der Zug bleibt in Bewegung. Er fährt … und fährt … und hält nur dann und wann. Die Stunden, in denen du sowieso schlafen würdest … werden zu Stunden der Reise. Du legst dich an einem Ort hin. Und du wachst an einem anderen Ort auf. Dazwischen liegt eine lange Strecke … und du hast sie verschlafen. Das ist der Gedanke des Nachtzugs. Und es ist ein schöner Gedanke.
Ein Nachtzug besteht aus mehreren Wagen. Diese Züge sind meistens mit Schlafwagen ausgestattet … oder mit Liegewagen. Den Schlafwagen kennst du jetzt schon ein wenig. Du liegst ja gerade in einem. Der Liegewagen ist sein naher Verwandter. Auch im Liegewagen kann man sich zum Schlafen hinlegen. Auch dort fährt man liegend durch die Nacht. Aber es gibt Unterschiede. Kleine Unterschiede … die man bemerkt, wenn man genauer hinsieht. Lass uns gleich ein paar Schritte durch den Zug gehen … nur in Gedanken … und einen Blick hineinwerfen. Du bleibst dabei liegen. Deine Gedanken können allein gehen. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Ein Liegewagen ist ebenfalls ein Reisezugwagen. Er hat Sitzabteile. Das sind Abteile mit Sitzen … so wie in vielen anderen Zügen auch. Aber diese Sitze lassen sich umwandeln. Zum Schlafen werden sie zu einer Art Pritsche. Eine Pritsche … das ist ein einfaches Bett. Eine Liegefläche … ohne viel darum herum. Am Abend wird aus dem Sitz eine Liege. Am Morgen wird aus der Liege wieder ein Sitz. In der Schweiz hat dieser Wagen noch einen anderen Namen. Dort sagt man Couchette. Couchette … das Wort klingt weich, wenn man es langsam ausspricht. Couchette. Liegewagen. Zwei Namen für denselben Wagen. Und beide meinen dasselbe: einen Wagen, in dem man sich für die Nacht hinlegen darf.
Stell dir vor, du gehst durch einen solchen Liegewagen. Der Gang ist lang. Und an ihm liegen viele Türen. Die meisten Liegewagen haben heute neun bis elf Abteile. Neun … zehn … elf. So viele Türen zählst du, wenn du einmal von einem Ende zum anderen gehst. In jedem dieser Abteile gibt es bis zu sechs Liegen. Sechs Menschen können dort also in einem Raum schlafen. Am Tag lassen sich diese Liegen in Sitzbänke umwandeln. Oder man klappt sie weg. Dann ist aus dem Schlafraum wieder ein Abteil zum Sitzen geworden. Und es gibt in einem solchen Liegewagen noch einen besonderen Raum. Das ist das Begleiterabteil. Dort hat der Mensch seinen Platz, der den Wagen begleitet … der Mensch, der sich um die Reisenden kümmert. Eine Tür unter vielen … und doch eine besondere.
Jetzt kannst du die beiden Wagen nebeneinanderlegen … in Gedanken. Hier der Schlafwagen. Dort der Liegewagen. Vom Schlafwagen unterscheiden sich Liegewagen durch zwei Dinge. Da ist zum einen der Komfort. Im Liegewagen ist er geringer. Eine Pritsche ist eben ein einfaches Bett … und ein Bett im Schlafwagen ist etwas mehr. Und da ist die Zahl der Liegen. Im Liegewagen sind es mehr pro Wagen. Das passt gut zusammen. In einem Schlafwagenabteil schlafen eine bis vier Personen. In einem Liegewagenabteil bis zu sechs. Mehr Menschen in einem Wagen … mit etwas weniger Komfort. Weniger Menschen in einem Wagen … mit etwas mehr Komfort. Beides hat seinen Sinn. Und beides fährt durch dieselbe Nacht. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Stell dir nun ein anderes Abteil im Schlafwagen vor … eines, in dem vier Menschen reisen. Mehr Personen fasst ein Schlafwagenabteil nicht. Die vier haben sich am Abend eingerichtet. Jeder hat sein Bett … jeder seine Decke. Einer liest noch ein paar Zeilen. Dann legt er das Buch zur Seite. Eine andere hat schon die Augen geschlossen. Zwei unterhalten sich noch ein wenig … mit gedämpften Stimmen … und dann schweigen auch sie. Vier Menschen … ein Raum … eine Tür zum Gang. Und nebenan … hinter der Wand … ein Abteil mit nur einem Menschen darin. Eine bis vier Personen. So ist ein Schlafwagen eingeteilt. Kleine Räume … aneinandergereiht wie Zimmer an einem langen Flur. Und alle fahren sie gemeinsam in dieselbe Richtung. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Deine Gedanken kehren zurück … in dein eigenes Abteil. Du liegst wieder in deinem Bett im Schlafwagen. Draußen ist jetzt tiefe Nacht. Manchmal huscht ein Licht vorbei. Eine Lampe an einem Weg … ein helles Fenster in einem Haus … dann wieder nichts. Der Zug hält nicht an diesen Orten. Er fährt an ihnen vorüber. Du weißt ja schon: Ein Nachtzug hält nur selten. Die Orte da draußen schlafen. Und du schläfst bald auch. Du hörst das Klopfen der Räder … und das sanfte Schaukeln trägt dich. Es gibt nichts, das du dir merken musst. Es gibt nichts, das du verpassen könntest. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Von Zürich nach Wien und Berlin
Wohin fährt dieser Zug eigentlich. Das darfst du dir aussuchen. Wenn man über Nachtzüge liest, begegnet man Linien zwischen großen Bahnhöfen. Drei Städte wollen wir uns heute Nacht herausgreifen. Die erste Stadt heißt Zürich. Sie liegt in der Schweiz. Die zweite Stadt heißt Wien. Sie liegt in Österreich. Die dritte Stadt heißt Berlin. Sie liegt in Deutschland. Zürich ist dabei die Stadt in der Mitte. In den Beschreibungen der Nachtzüge wird eine Linie genannt, die von Zürich nach Wien führt … und eine andere, die Zürich und Berlin verbindet. Drei Länder … drei Städte … und dazwischen die Schienen. Heute Nacht reisen wir in Gedanken zu allen dreien. Ohne Eile … eine Stadt nach der anderen.
Stell dir zuerst Zürich vor. Einen großen Bahnhof in Zürich … am Abend. Die Bahnsteige sind lang. Auf ihnen stehen Menschen mit Taschen und Koffern. Ein Nachtzug wartet an einem der Gleise. Seine Fenster sind hell. Hinter manchen sieht man schon Betten … hinter anderen noch Sitzplätze. Die Reisenden steigen ein. Einer nach dem anderen. Sie suchen ihr Abteil … sie schieben die Tür auf … und stellen ihr Gepäck ab. Dann ruckt der Zug an … und Zürich bleibt zurück. Die Lichter der Stadt werden kleiner. Erst sind es viele … dann wenige … dann keine mehr. Der Zug ist jetzt nur noch ein langes helles Band in der Dunkelheit. Und in diesem Band liegst du … in deinem Abteil … und atmest langsam ein und aus.
Stell dir vor, du hast die Linie nach Wien gewählt. Das ist eine lange Strecke. Eine Strecke, wie gemacht für einen Nachtzug. Der Zug fährt nach Osten … durch die Nacht … mit wenigen Halten. Du merkst nicht viel davon. Du liegst … und der Wagen schaukelt. Ab und zu wird der Zug langsamer. Dann hält er an einem Bahnsteig … irgendwo unterwegs. Ein paar Lampen leuchten draußen. Eine Tür geht auf … eine Tür geht zu. Dann fährt der Zug wieder an. Du hast vielleicht kurz die Augen geöffnet. Nun schließt du sie wieder. Der Halt ist schon vorbei. Und der nächste ist noch weit. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Stell dir vor, wie der Zug am Ende seiner Fahrt in Wien einfährt. Zuerst kommen die Häuser am Rand der Stadt. Dann mehr Gleise … nebeneinander … dann Weichen. Der Zug wird langsamer. Er rollt jetzt nur noch. Wien ist der Endpunkt dieser Linie. Hier endet die Fahrt, die in Zürich begonnen hat. Der Zug kommt zum Stehen. Das Schaukeln hört auf. Das Klopfen der Räder ist fort. Der Wagen steht. Draußen auf dem Bahnsteig gehen die ersten Menschen vorbei. Die Reisenden in den Abteilen strecken sich. Sie stehen auf … sie sammeln ihre Sachen. Eine ganze Nacht liegt hinter ihnen … und sie haben sie verschlafen. Doch für dich ist es noch nicht Morgen. Für dich ist es noch tiefe Nacht. Und der Zug fährt in Gedanken weiter.
Kehr noch einmal zurück nach Zürich. Dort beginnt auch die andere Linie. Sie führt nicht nach Osten … sondern nach Norden. Bis nach Berlin. Auch dieser Zug verlässt Zürich am Abend … so wie der erste. Wieder werden die Lichter der Stadt kleiner. Wieder bleibt der Bahnsteig zurück. Und wieder liegen die Reisenden in ihren Abteilen … in Schlafwagen und in Liegewagen. Im Schlafwagen sind es eine bis vier Personen in jedem Abteil. Im Liegewagen bis zu sechs. Alle zusammen fahren sie durch dieselbe Dunkelheit. Keiner von ihnen muss wach bleiben. Der Zug kennt seinen Weg. Er fährt an Orten vorbei, deren Namen du nicht kennst … und die du auch nicht kennen musst. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Stell dir vor, wie der Zug am Morgen in Berlin einrollt. Auch hier werden die Gleise zahlreicher. Auch hier wird der Zug langsamer … und langsamer. Die Nacht ist vorüber. Draußen wird es grau … dann hell. Berlin ist die dritte Stadt in unserer Reihe. Nach Zürich in der Schweiz und Wien in Österreich nun Berlin in Deutschland. Drei Städte … drei Länder … verbunden durch Schienen und durch die Nacht. Die Türen öffnen sich. Menschen steigen aus … mit verschlafenen Gesichtern … und doch ausgeruht. Sie haben eine lange Strecke zurückgelegt. Und sie haben dabei geschlafen. Das ist es, was ein Nachtzug kann. Er nimmt dir den Weg ab … während du träumst.
Zürich … Wien … Berlin. Du kannst dir die drei Namen wie Perlen an zwei Schnüren vorstellen. Zürich in der Mitte … von dort eine Schnur nach Wien … und eine nach Berlin. Und auf diesen Schnüren gleiten die Züge dahin. Am Abend hinaus … am Morgen hinein. Abend für Abend, so kannst du es dir vorstellen. Du musst dir keinen Fahrplan merken. Keine Uhrzeit … kein Gleis. Es genügt dir ein Bild: Irgendwo fährt ein Zug durch die Dunkelheit. Und in ihm liegt jemand … und schläft. Vielleicht bist du das. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Mitten in der Nacht
Die Nacht ist jetzt tief. In deinem Abteil brennt nur noch ein kleines Licht … oder gar keines mehr. Deine Augen gewöhnen sich an das Dunkel. Du erkennst die Umrisse des Raumes. Die Tür zum Gang. Das Fenster. Die Wand neben dir. Alles ist nah. Alles ist an seinem Platz. Ein kleiner Raum hat etwas Beruhigendes. Er umgibt dich … so wie eine Hand, die sich um etwas legt. Morgen, wenn es hell ist, wird aus deinem Bett vielleicht wieder ein Sitzplatz. Dann sitzt du dort, wo du jetzt liegst … und schaust hinaus. Aber das ist morgen. Jetzt ist Nacht. Jetzt ist das Bett ein Bett … und du darfst darin liegen bleiben. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Weiter hinten im Zug … vielleicht ein paar Wagen entfernt … läuft ein Liegewagen mit. Stell dir eines seiner Abteile vor. Bis zu sechs Liegen sind dort bereit. Auf jeder liegt ein Mensch. Sechs Menschen … die sich vielleicht nicht kennen … und doch dieselbe Nacht teilen. Jeder auf seiner Pritsche. Jeder mit seinem eigenen Atem. Einer schläft schon. Ein anderer schaut noch nach oben. Ein dritter dreht sich auf die Seite. Und im Begleiterabteil sitzt der Mensch, der sich um diesen Wagen kümmert. Neun bis elf Abteile liegen an seinem Gang. In jedem schlafen Reisende. Der Gang ist jetzt leer. Die Türen sind zu. Im ganzen Wagen schlafen die Menschen … im Takt der Räder.
Draußen begegnet euch ein anderer Zug. Er kommt euch entgegen … ein kurzes Rauschen … ein Lichtstreifen am Fenster … dann ist er vorbei. Vielleicht war es ein Güterzug. Einer von denen, die nachts Waren durchs Land tragen. Vielleicht war es auch ein anderer Nachtzug … auf dem Weg in die Gegenrichtung. Mit eigenen Schlafwagen … eigenen Liegewagen … eigenen Reisenden, die schlafen. Du wirst es nicht erfahren. Und das macht nichts. Der andere Zug fährt seinen Weg. Und dein Zug fährt den seinen. Zwischen euch liegt nur ein kurzer Moment … ein Aufleuchten … und dann wieder Dunkelheit. Dein Wagen schaukelt weiter. Das Klopfen kehrt zurück … gleichmäßig … wie vorher. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Es ist eine besondere Art, Zeit zu verbringen. Die Stunden der Nacht sind ja ohnehin für den Schlaf gedacht. Ein Nachtzug nimmt diese Stunden … und macht aus ihnen zusätzlich eine Reise. Am Abend bist du hier. Am Morgen bist du dort. Und dazwischen hast du nichts anderes getan als geschlafen. Kein Warten auf einem Bahnsteig. Kein Sitzen mit müden Augen. Nur liegen … nur atmen … nur hören, wie die Räder ihren Takt schlagen. Wenig Zwischenhalte … lange Strecken … und die Schlafenszeit der Reisenden. Das sind die drei Dinge, aus denen eine Nachtfahrt besteht. Du musst sie dir nicht merken. Sie sind sowieso da … um dich herum … in diesem Wagen. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Es ist ein schöner Gedanke, dass die Dinge in diesem Zug zwei Leben haben. Ein Bett im Schlafwagen kann am Tag zum Sitzplatz werden. Eine Liege im Liegewagen wird am Tag zur Sitzbank … oder sie wird weggeklappt. Und ein Sitz im Liegewagen wird am Abend zur Pritsche … zu einem einfachen Bett. Am Tag aufrecht … in der Nacht ausgestreckt. So geht es auch dem Menschen, der in diesem Zug reist. Am Tag sitzt du … du schaust … du denkst an dies und das. In der Nacht legst du dich hin … und die Gedanken werden weniger. Einer nach dem anderen ziehen sie fort … so wie die Lichter am Fenster. Bis nur noch das Klopfen der Räder bleibt. Und das Schaukeln. Und die Dunkelheit hinter der Scheibe. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Weit hinter dir liegt jetzt Zürich. Weit vor dir liegt Wien … oder Berlin. Je nachdem, welchen Zug du dir ausgesucht hast. Und du bist irgendwo dazwischen. Das ist ein guter Ort … die Mitte einer Nachtfahrt. Der Abschied liegt hinter dir. Die Ankunft liegt noch vor dir. Und jetzt gibt es nichts zu tun. Die Stadt, aus der du kommst, schläft. Die Stadt, in die du fährst, schläft auch. Und dazwischen rollt der Zug … und trägt dich. In der Schweiz hat die Fahrt begonnen. In Österreich oder in Deutschland wird sie enden. Drei Länder … und eine einzige Nacht, die sie verbindet. Du liegst mitten in dieser Nacht. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Langsam … sehr langsam … verändert sich etwas hinter dem Fenster. Der Himmel ist nicht mehr schwarz. Er wird dunkelblau … dann grau. Die Nacht geht zu Ende. Noch schläfst du. Noch hörst du die Räder. Aber der Zug nähert sich seinem Ziel. Draußen tauchen Umrisse auf. Ein Baum. Ein Dach. Ein Feld mit Nebel darüber. Du musst noch nicht aufstehen. Der Morgen kommt ohne Eile. Er kommt Stück für Stück … so wie der Zug Stück für Stück seiner Strecke folgt. Und irgendwann klopft es an deiner Tür. Der Zug fährt durch den Morgen … Und fährt weiter.
Morgen, Frühstück und Ankunft
Bevor du die Tür öffnest, schau dich noch einmal in deinem Abteil um. In deinem Abteil gibt es eine Waschgelegenheit. In der Regel enthält jedes Abteil eines Schlafwagens eine solche Waschgelegenheit. Eine Waschgelegenheit … das ist ein Ort, an dem man sich waschen kann. Ein kleines Becken … Wasser … ein wenig Platz. Du stehst auf … gehst die zwei Schritte … und lässt das Wasser über deine Hände laufen. Es ist kühl. Du benetzt dein Gesicht. Draußen zieht die Landschaft vorbei. Und hier drinnen wäschst du dir den Schlaf aus den Augen. Du musst dafür nicht hinaus auf den Gang. Alles, was du brauchst, ist hier … in deinem kleinen Raum. Ein Bett … ein Fenster … eine Waschgelegenheit. Mehr braucht es nicht für eine Nacht auf Schienen.
Dann öffnest du die Tür. Draußen im Gang steht jemand … mit einem Tablett in den Händen. Es ist dein Frühstück. Im Schlafwagen ist das oft so. In der Gebühr für die Schlafwagennutzung ist oft ein Frühstück enthalten. Das Frühstück gehört dann zu deinem Platz im Schlafwagen dazu. Und meistens wird dieses Frühstück ins Abteil gebracht. Du musst nicht suchen … nicht anstehen … nicht durch den Zug laufen. Das Frühstück kommt zu dir. Du nimmst das Tablett entgegen … bedankst dich … und schließt die Tür wieder. Jetzt sitzt du auf deinem Bett, das am Tag ein Sitzplatz sein kann. Neben dir das Tablett. Vor dir das Fenster. Und draußen der Morgen.
Stell dir vor, was auf deinem Tablett steht. Eine Tasse mit etwas Warmem … Tee vielleicht … oder Kaffee. Daneben ein wenig Brot. Ein kleines Stück Butter. Du hältst die Tasse mit beiden Händen. Sie wärmt deine Finger. Der Zug schaukelt, und in der Tasse schaukelt der Tee ein klein wenig mit. Du trinkst einen Schluck. Dann noch einen. Draußen zieht die Landschaft vorbei … Felder … Häuser … ein Weg mit Bäumen. Es ist ein langsames Frühstück. Niemand drängt dich. Der Zug hat noch eine Weile zu fahren … und du hast noch eine Weile Zeit. Ein Frühstück im eigenen Abteil … mit dem Fenster als einzigem Nachbarn. Das ist ein freundlicher Beginn für einen Tag. Der Zug fährt durch den Morgen … Und fährt weiter.
Dann wird der Zug langsamer. Draußen werden die Häuser dichter. Gleise laufen neben eurem Gleis her … dann noch mehr Gleise. Ein großer Bahnhof kommt näher. Vielleicht ist es Wien. Vielleicht ist es Berlin. Es ist der Ort, den du dir am Abend ausgesucht hast. Der Zug rollt an einem langen Bahnsteig entlang … immer langsamer … und dann steht er. Das Klopfen der Räder ist fort. Das Schaukeln ist fort. Für einen Moment ist es sehr ruhig im Abteil. Du sitzt noch da … mit der leeren Tasse in der Hand … und schaust hinaus. Eine lange Strecke liegt hinter dir. Du hast sie im Liegen zurückgelegt … im Schlaf … mit wenigen Halten. Und jetzt bist du angekommen.
Ankommen darf langsam gehen. Du musst nicht sofort aufspringen. Die anderen Reisenden steigen schon aus … du lässt ihnen Zeit. Draußen auf dem Gang hörst du Schritte. Koffer rollen. Türen gehen auf. Stell dir vor, aus deinem Bett ist inzwischen wieder ein Sitzplatz geworden. So ist es gedacht: Für den Tag wird das Bett zum Sitz. Für die Nacht wird der Sitz zum Bett. Und der kleine Raum wartet auf die nächste Reise. Du nimmst deine Tasche. Du schaust noch einmal zurück in dein kleines Zimmer. Das Fenster … die Waschgelegenheit … der Sitzplatz, der heute Nacht dein Bett war. Dann trittst du hinaus auf den Bahnsteig. Und hinter dir steht der Schlafwagen … ein Reisezugwagen, der liegendes Reisen ermöglicht.
Zurück in die Nacht
Aber vielleicht ist es noch gar nicht Morgen. Vielleicht war das Frühstück nur ein Gedanke … und die Ankunft nur ein Bild. Vielleicht liegst du noch immer in deinem Abteil … in der Nacht … und der Zug fährt. Dann ist das gut so. Dann lass den Morgen noch eine Weile warten. Stell dir wieder dein Abteil vor. Den kleinen Raum mit der Tür zum Gang. Das Fenster ist dunkel. Das Licht ist aus. Du liegst ausgestreckt in deinem Bett. Unter dir rollen die Räder. Gleichmäßig … Klopfen um Klopfen. Der Wagen schaukelt sanft von einer Seite zur anderen. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter. Zürich liegt weit hinter dir. Wien … oder Berlin … liegt noch weit vor dir. Und du bist dazwischen. Im Schlafwagen. In deinem Abteil. In deinem Bett. Draußen schlafen die Orte. Drinnen schläfst du. Weiter hinten im Zug schlafen die Menschen im Liegewagen … jeder auf seiner Pritsche. Der Gang ist leer. Niemand muss wach bleiben. Der Zug kennt seinen Weg. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Lass die Bilder dieser Nacht noch einmal vorüberziehen … eines nach dem anderen … wie Lichter hinter dem Fenster. Der Schlafwagen … ein Reisezugwagen, in dem man liegend reist. Die Abteile darin … für eine bis vier Personen. Das Bett … das am Tag zu einem Sitzplatz werden kann. Die Waschgelegenheit … in der Regel in jedem Abteil. Das Frühstück … das meistens ins Abteil gebracht wird. Und weiter hinten der Liegewagen … mit seinen Sitzabteilen, aus denen in der Nacht einfache Betten werden. Die Couchette, wie man in der Schweiz sagt. In den meisten Liegewagen neun bis elf Abteile … und in jedem bis zu sechs Liegen. Und um all das herum der Nachtzug … der lange Strecken zurücklegt, während die Reisenden schlafen. Eines nach dem anderen ziehen die Bilder vorbei. Und eines nach dem anderen werden sie blasser. Der Zug fährt durch die Nacht … Und fährt weiter.
Du musst nichts mehr wissen. Nicht, wie viele Abteile ein Wagen hat. Nicht, wie viele Liegen. Nicht, wohin die Linie führt. Es genügt das Klopfen. Und das Schaukeln. Und die Dunkelheit hinter dem Fenster. Lange Strecken … wenige Halte … und die Zeit des Schlafes. Das ist alles. Der Zug fährt. Und fährt weiter. Und du darfst jetzt schlafen. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.
Quelle und Lizenz
Dieser Text beruht auf den Wikipedia-Artikeln «Schlafwagen», «Nachtzug», «Liegewagen» und «Compagnie Internationale des Wagons-Lits». Die Artikel stehen unter CC BY-SA 4.0; dieser bearbeitete Text steht unter derselben Lizenz.
Verwendete Fassungen: «Schlafwagen» Version 270265689, abgerufen am 24. Oktober 2026, «Nachtzug» Version 270977335, abgerufen am 24. Oktober 2026, «Liegewagen» Version 267468464, abgerufen am 24. Oktober 2026 und «Compagnie Internationale des Wagons-Lits» Version 270522640, abgerufen am 24. Oktober 2026.
Der Text wurde automatisch erstellt, gegen die Quelle geprüft und von einer computergenerierten Stimme vorgetragen – deshalb gibt es jeden Abend eine neue Folge. Verantwortlich für Themenauswahl und Stichproben ist Michael Feer. Mehr dazu unter Über Fridolin und Lizenz & Quellen.