Gute Nacht mit Fridolin – zur Startseite

Folge 17 · 9. August 2026 · 41 Minuten

Die Windmühle und ihre drehenden Flügel

Fridolin sitzt auf Wolken und hält eine kleine hölzerne Windmühle mit Flügeln in den Händen.

Worum es in dieser Einschlafgeschichte geht

Ein hoher Turm aus Holz auf einem stillen Hügel, über den der Wind streicht. Diese Einschlafgeschichte für Erwachsene führt zu den langsam drehenden Flügeln, zu den schweren Steinen, die das Korn zu Mehl mahlen, und zum gleichmäßigen Knarren des alten Holzes.

Der Hausbaum steht aufrecht in der Mitte – bei den alten Mühlen dreht sich das ganze Haus in den Wind. Die Königswelle führt die Kraft von oben nach unten zu den Mahlsteinen. Bei stärkerem Wind nahm der Müller Tuch von den Flügeln, bei sanftem spannte er mehr aus, und die Windrose dreht die Kappe von selbst. In den Niederlanden pumpten Mühlen Wasser, statt Korn zu mahlen.

Einschlafgeschichten in deiner Lieblings-App hören

In deiner Podcast-App liegt sie am Abend schon bereit – auch offline.

Der ganze Text dieser Einschlafgeschichte

4.518 Wörter · rund 23 Minuten zum Lesen, Mitlesen oder Vorlesen

Stell dir einen weiten, offenen Himmel vor. Der Abend kommt langsam über das Land. Ein Feld, das sich sanft nach oben wölbt … und ganz oben auf dem Hügel steht sie. Eine Windmühle. Ruhig … und geduldig. Sie steht dort schon lange. Sie hat es nicht eilig. Der Wind kommt über das Land gezogen … und legt sich in ihre großen Flügel. Und die Flügel drehen sich … langsam … im Wind. Sie drehen sich, so wie der Wind es mag. Mal ein wenig schneller … mal ganz gemächlich. Und immer weiter. Schon von weitem sieht man eine Windmühle. Sie ragt über die Felder hinaus … höher als die Bäume … höher als die Häuser.

Für die Menschen von früher … war sie ein vertrautes Zeichen. Wer über Land ging … und die Mühle am Horizont sah … der wusste, das Dorf war nah. Sie stand da wie ein ruhiger Wächter. Ein Turm mit einem drehenden Kreuz … weithin sichtbar. Und wenn sich die Flügel drehten … dann wusste man … hier ist Leben, hier wird gearbeitet. Und wenn sie still standen … dann ruhte auch die Mühle … und wartete auf den Wind. Vielleicht hast du so eine Mühle schon einmal gesehen. Am Wegrand … auf einem Hügel … am Rand eines Dorfes. Ein hoher Turm aus Holz … oder aus altem, grauem Stein.

Und oben, ganz oben … das große Kreuz der Flügel. Es dreht sich vor dem Himmel … langsam und ruhig. Eine Windmühle ist ein altes Bauwerk. Ein Bauwerk aus Holz und aus Stein … in dem der Wind zur Arbeit wird. Ein Bauwerk, das dem Wind zuhört … und sich nach ihm richtet. Es steht ganz für sich … oben auf seinem Hügel … und wartet auf den Wind. Im Grunde ist eine Windmühle etwas ganz Einfaches. Der Wind dreht die Flügel … und die drehenden Flügel treiben ein Werk im Inneren an. Mehr ist es zunächst nicht. Wind … und Räder … und Steine. Man könnte sagen … die Mühle nimmt sich ein wenig von der Kraft des Windes. Nur ein wenig.

Einschlafgeschichte weiterlesenDie restlichen 4.170 Wörter, Wort für Wort wie Fridolin es erzählt

Aus Wind wird Mehl

Und aus dieser Kraft entsteht etwas. Meistens Mehl. Aus dem Wind … wird das Mehl für das Brot. Ein schöner Gedanke, wenn man ihn bedenkt. Der Wind, den man nicht fassen kann … mahlt am Ende das Korn. Und aus dem Korn … wird das tägliche Brot. Der Wind selbst hat keine Gestalt. Man kann ihn nicht sehen … nur spüren, wenn er über die Wange streicht. Er kommt über die Felder … über die Wiesen … über die Dächer. Er zieht durch die Gräser … und lässt sie sich neigen. Und wenn er auf die Mühle trifft … dann findet er ihre Flügel. Vier große Flügel … wie ein Kreuz, das sich am Himmel dreht.

Sie stehen hoch oben … dort, wo der Wind am freiesten weht. Darum baute man die Mühlen gern auf Hügel. Oder auf kleine, aufgeschüttete Wälle aus Erde. Damit der Wind sie gut erreichen konnte … von allen Seiten. Die Flügel selbst waren keine glatten Flächen. Sie bestanden aus einem Gitter aus Latten … aus schmalem, leichtem Holz … über das man Segeltuch spannte. So wie die Segel eines Schiffes. Nur eben am Himmel … und immer im Kreis. Ein weißes Tuch … das sich im Wind ein wenig bauscht. Und die Flügel drehen sich … langsam … im Wind. Wenn der Wind kräftiger wurde … dann nahm man ein wenig Tuch zurück.

Und wenn er sanfter wehte … dann spannte man mehr Tuch aus. So konnte die Mühle immer ruhig weiterlaufen. Nicht zu schnell … nicht zu langsam. Einfach gleichmäßig. Manche Mühlen hatten auch andere Flügel. Flügel mit kleinen Klappen aus Holz … die sich öffnen und schließen ließen. Fast wie die Lamellen an einem Fensterladen. Standen die Klappen offen … dann strich der Wind hindurch. Standen sie geschlossen … dann fing der Flügel den Wind ein. So konnte der Müller die Mühle einstellen … ohne jedes Mal die Segel zu richten. Und weiter im Süden … spannte man dreieckige Segel auf. Weiße, spitze Segel … so wie an kleinen Booten. Jede Gegend hatte ihre eigene Art. Aber alle fingen den Wind. Alle drehten sich.

Wie groß die Flügel sind – und wohin der Wind weht

Und wenn man ganz nah herantritt … dann sieht man, wie groß diese Flügel sind. Viel größer, als man von weitem denkt. Höher als ein Haus … wenn sie nach oben zeigen. Ein langes Gerüst aus Holz … mit Sprossen und Latten … Feld an Feld. Und darüber das helle Tuch … das leise im Wind knattert. Wenn ein Flügel nach unten kommt … dann streicht er dicht am Boden vorbei. Langsam … und schwer. Und dann hebt er sich wieder … hinauf in den Himmel. Einer nach dem anderen. Immer im Kreis. Immer im selben ruhigen Takt. Nun war der Wind eine wunderbare Kraft … aber auch eine launische.

Denn der Wind kommt nicht immer aus derselben Richtung. Mal weht er von Westen … mal von Norden … mal von der Seite. Am Morgen so … am Abend anders. Und die Flügel müssen dem Wind zugewandt sein. Nur dann drehen sie sich gut. Darum musste sich die Mühle drehen können. Nicht ganz … aber ein Stück weit. Immer dem Wind entgegen. Und die Baumeister von früher fanden dafür verschiedene Wege. Ruhige, kluge Wege. Wege aus Holz und Balken … über viele Jahrhunderte erdacht. Der älteste Weg ist die Bockwindmühle. Bei ihr dreht sich das ganze Haus. Stell dir das einen Augenblick vor. Das ganze hölzerne Gebäude … mit allem, was darin steht … ruht auf einem einzigen, dicken Balken.

Der Hausbaum: das ganze Haus dreht sich

Diesen Balken nennt man den Hausbaum. Er steht aufrecht in der Mitte … und trägt die ganze Mühle. Ein starker Baum aus Holz … der die schwere Last hält. Unten aber steht er fest. Er ruht auf einem kräftigen Gestell. Man nennt es den Bock. Daher der Name … Bockwindmühle. Der Bock steht still am Boden … und über ihm dreht sich das ganze Haus. Und weil das Haus auf diesem Baum gelagert ist … kann man es drehen. Langsam … Stück für Stück. Das ganze Gebäude wendet sich dem Wind zu. Ein schweres Haus aus Holz … das sich sacht auf seinem Balken dreht. Mit den Mühlsteinen darin … mit den Rädern … mit allem.

Das ganze Haus dreht sich. Langsam … dem Wind entgegen. Man muss es sich vorstellen. Ein Haus, das sich dreht. Ganz ruhig … und ohne Hast. Und niemand im Dorf wundert sich darüber. Denn so war es immer. Damit man das Haus drehen konnte … gab es hinten einen langen Balken. Man nennt ihn den Steert. Ein hübsches, altes Wort. Der Steert reicht schräg hinunter … bis fast zum Boden. Und zu beiden Seiten hat er stützende Balken … die man Schwerter nennt. Sie geben ihm Halt. Wer die Mühle drehen wollte … der stemmte sich gegen diesen Balken … und schob. Langsam gab das Haus nach. Ganz allmählich … drehte es sich dem Wind entgegen.

Und wenn die Flügel wieder voll im Wind standen … dann war es gut. Dann konnte die Arbeit beginnen. Aus der Bockwindmühle entwickelte sich mit der Zeit noch eine weitere. Man nennt sie die Kokerwindmühle. Sie ist ihr sehr ähnlich. Auch bei ihr dreht sich das Haus. Aber der große Balken in der Mitte … ist hier nicht voll. Er ist innen hohl. Und durch ihn hindurch … läuft eine Welle nach unten. So konnte die Kraft der Flügel … durch den Balken hindurch … nach ganz unten geleitet werden. Ein kluger Gedanke. Ein Balken, der trägt … und zugleich die Kraft weiterreicht. Komm, wir gehen ein Stück näher heran. Den sanften Hang hinauf … durch das hohe Gras.

Mit jedem Schritt … wird die Mühle größer. Und über dir … ziehen die großen Flügel vorbei. Einer nach dem anderen. Du hörst das leise Knarren … und das Rauschen des Tuchs im Wind. Ein alter, warmer Klang. Die Tür der Mühle steht offen. Ein wenig Mehlstaub liegt in der Luft. Und drinnen … ist es ruhig und schummrig. Nun schauen wir einmal ins Innere. Dorthin, wo die Kraft des Windes ankommt. Oben, wo die Flügel sitzen … gibt es eine dicke, liegende Welle aus Holz. Die Flügel drehen sich … und die Welle dreht sich mit ihnen. Langsam … und schwer … Runde um Runde. Auf dieser Welle sitzt ein großes Rad … ein Rad mit hölzernen Zähnen … das man ein Kammrad nennt.

Räder und die Königswelle

Und dieses Rad greift in ein kleineres Rad. Zahn um Zahn … langsam und stetig. So wird die Kraft von oben … nach unten geleitet. Dorthin, wo das Korn wartet. Und alles im Inneren griff ineinander. Ein Rad drehte das nächste … und das nächste wieder ein weiteres. Groß und klein … Zahn um Zahn. Keines hatte es eilig. Jedes drehte sich in seinem Takt. Es war wie ein ruhiges Uhrwerk aus Holz. Langsam … und geduldig. Und ganz oben … gaben die Flügel die Kraft dazu. Bei den großen Mühlen … läuft von oben nach unten ein langer, stehender Balken. Er dreht sich Tag und Nacht … wenn der Wind weht.

Man nennt ihn die Königswelle. Ein schöner Name für ein ruhiges Ding. Die Königswelle führt die Kraft der Flügel … von ganz oben … bis hinunter in das Herz der Mühle. Und überall im Holz knarrt und knarzt es leise. Ein gleichmäßiges Knarren. Es ist kein lautes Geräusch. Eher ein ruhiges Arbeiten … ein Atmen aus Holz. Ein Knarren, das kommt und geht … im Takt der drehenden Flügel. Man könnte diesem Knarren lange zuhören. Ganz ruhig. Es wiederholt sich … immer wieder. Und es beruhigt. Im Spätsommer war das Korn reif. Dann wurde es von den Feldern geholt … und zur Mühle gebracht. Aus den Dörfern ringsum … kamen die Menschen mit ihrem Korn.

Die Mühle gehörte zum Dorf

Sie brachten es zum Müller … und der Müller mahlte es zu Mehl. So gehörte die Mühle zum Dorf. Sie war ein Ort, an dem man sich traf. Ein Ort, an dem aus Korn … das Mehl für alle wurde. Das Korn kam in schweren Säcken zur Mühle. Volle Säcke … prall und rund. Man trug sie hinauf … in das obere Geschoss der Mühle. Dort schüttete man das Korn … in einen hölzernen Trichter. Und aus diesem Trichter … rann es langsam nach unten. Ein feiner, stetiger Strom von Körnern. Immer neues Korn … rann von oben herab. Genau dorthin … wo die Steine warteten. Und die ganze Mühle hat ihren eigenen Klang. Ein leises Rauschen der Steine … ein Rieseln des Korns … ein Knarren des Holzes.

Alles zusammen ergibt einen ruhigen Takt. Immer derselbe … immer gleichmäßig. Es ist ein Klang, der einen trägt. Wie ein sanftes Summen … das nie ganz aufhört. Der Müller hörte ihn den ganzen Tag. Er kannte ihn genau. Und wenn der Klang sich änderte … dann wusste er, es war etwas zu tun. Doch meistens … lief alles ruhig und gleich. Stunde um Stunde. Und nun kommen wir zum Herzstück. Zu den Mühlsteinen. Es sind zwei schwere, runde Steine. Sie liegen flach übereinander. Große, graue Scheiben aus Stein … schwer und geduldig. Der untere Stein liegt still. Er rührt sich nicht. Man nennt ihn den Bodenstein. Der obere Stein aber dreht sich. Langsam … Runde um Runde. Man nennt ihn den Läufer.

Die Steine, die das Korn zerreiben

Und zwischen diesen beiden Steinen … kommt das Korn. Es wird zwischen ihnen zerrieben. Ganz fein … bis es zu Mehl wird. Und die Flügel drehen sich … langsam … im Wind. Es ist ein ruhiger Vorgang. Das Korn rinnt von oben herab … zwischen die Steine. Der obere Stein dreht sich darüber … und die Körner werden feiner und feiner. Aus harten kleinen Körnern … wird weiches, helles Mehl. Und dieses Mehl rieselt am Rand hervor. Ganz sacht … wie feiner Staub. Man kann es sich vorstellen. Das Mehl fällt leise herab … und sammelt sich. Fein und weich … und ein wenig warm von den Steinen. In der Luft liegt ein sanfter Duft. Der Duft von frischem Mehl … und von altem Holz.

Ein feiner Staub liegt in der ganzen Mühle. Auf den Balken … auf den Rädern … auf jedem Ding. Und wenn ein Sonnenstrahl durchs Fenster fällt … dann sieht man ihn tanzen. Feine, helle Flöckchen … die langsam durch die Luft schweben. Das fertige Mehl aber … füllte man wieder in Säcke. Volle, weiche Säcke … bereit für den Weg ins Dorf. Und dann begann alles von vorn. Neues Korn nach oben … neues Mehl nach unten. Wenn der Wind stärker weht … drehen sich die Steine ein wenig schneller. Wenn er nachlässt … werden sie wieder langsamer. Und so mahlt die Mühle … im Takt des Windes. Und manchmal ruhte die Mühle ganz. Wenn kein Wind ging … und die Luft ganz still war.

Wenn die Flügel stillstehen

Dann standen die Flügel fest. Reglos vor dem Himmel. Kein Knarren … kein Drehen … nur Stille. Die Mühle wartete. Geduldig … wie immer. Bis irgendwann … der Wind wieder kam. Der Mensch, der in der Mühle arbeitet … ist der Müller. Der Müller kannte keine festen Zeiten. Er arbeitete dann … wenn der Wind kam. Am Tag … in der Nacht … am frühen Morgen. Wenn ein guter Wind über das Land zog … dann setzte er die Mühle in Gang. Und wenn der Wind schlief … dann ruhte auch die Mühle. Es war eine geduldige Arbeit. Ein Warten auf den Wind … und ein Arbeiten mit dem Wind.

Der Müller richtete sich nach dem Wetter … so wie sich die Mühle nach dem Wind richtete. Er schaute zum Himmel … und wusste, wann es Zeit war. Oft wohnte der Müller ganz nah bei seiner Mühle. Manchmal sogar in ihr. Sein ganzes Leben … war auf den Wind gestimmt. Er kannte jeden Balken … jedes Rad … jeden Ton. Und er kannte den Himmel. Er sah die Wolken ziehen … und wusste, was der Wind vorhatte. Es war ein ruhiges Leben. Ein Leben im Takt des Windes. Mahlen, wenn der Wind kam … und ruhen, wenn er ging. Im Sommer war diese Arbeit angenehm. Wenn ein milder Wind über die Felder strich … und die Sonne warm auf dem Holz lag.

Der Müller richtet die Segel

Dann trat der Müller nach draußen … und richtete die Segel an den Flügeln. Er nahm ein wenig Tuch zurück … oder spannte etwas mehr aus. Je nachdem, wie der Wind wehte. Es war eine ruhige, vertraute Arbeit. Und wenn alles gerichtet war … dann drehten sich die Flügel wieder. Gleichmäßig und still. Der Müller stand in seiner Mühle … lauschte dem Knarren des Holzes … und schaute, dass alles ruhig lief. Das Korn rann herab … das Mehl rieselte hervor … und die Flügel drehten sich. Und in der Nacht … wenn der Wind noch immer wehte … brannte in der Mühle ein kleines Licht. Ein warmer, gelber Schein … mitten in der Dunkelheit.

Draußen war es still und weit. Nur der Wind … und das ruhige Drehen der Flügel. Und drinnen mahlte die Mühle … leise vor sich hin. Das Holz knarrte … das Mehl rieselte … und die Nacht war ruhig. Nun gibt es nicht nur eine Art von Windmühle. Es gibt viele. Wir haben schon die Bockwindmühle kennengelernt … bei der sich das ganze Haus dreht. Aber es gibt noch eine andere. Eine große, ruhige Mühle … die man die Holländerwindmühle nennt. Sie kam vor langer Zeit aus den Niederlanden. Aus dem flachen Land am Meer … wo der Wind gut und stetig weht. Bei ihr dreht sich nicht das ganze Haus. Nur der obere Teil bewegt sich.

Die Kappe, die sich in den Wind dreht

Man nennt ihn die Kappe. Sie sitzt oben auf dem Turm … wie ein Hut auf einem Kopf. Und diese Kappe kann sich drehen. Nur die Kappe … mit den Flügeln daran. Der Turm darunter bleibt fest stehen. Groß und ruhig … oft aus Stein oder aus Holz. Und oben dreht sich die Kappe … immer dem Wind entgegen. Das hatte einen Vorteil. Der schwere Turm musste sich nicht bewegen. Nur der leichte Hut oben. So konnte man die Mühlen viel größer bauen. Höher … und kräftiger. Und manche dieser Mühlen hatten außen einen Umgang. Eine hölzerne Galerie … die rund um den Turm lief. Dort ging der Müller herum … und richtete die Segel … hoch über dem Land.

Manche Mühlen standen auf einem Wall aus Erde. Auf einem kleinen, aufgeschütteten Berg … damit sie höher in den Wind ragten. Andere standen einfach auf dem Boden … mitten in der weiten Ebene. Und in den Niederlanden … standen sie einst zu Tausenden. Rund zehntausend Mühlen … verteilt über das flache Land. Und die Flügel drehen sich … langsam … im Wind. Es gab noch eine andere, seltsame Art. Die Paltrockmühle. Bei ihr dreht sich ebenfalls das ganze Gebäude … so wie bei der Bockwindmühle. Aber sie steht nicht auf einem hohen Balken. Sie ruht ganz unten … auf einem runden Kranz von Rollen. Fast so, als säße das ganze Haus … auf einem großen, hölzernen Ring.

Mühlen auf einem Wall – und was sie sonst noch antrieben

Und auf diesem Ring dreht sie sich. Ganz langsam … dem Wind entgegen. Ein schweres Haus … das sich auf Rollen wendet. Es ist erstaunlich, was die alten Baumeister ersonnen haben. Immer nur mit Holz … und immer für den Wind. Und wenn man drinnen stand … dann spürte man die Mühle arbeiten. Ein leichtes Zittern lief durch das Holz. Ein sanftes Beben … im Takt der drehenden Flügel. Man konnte die Hand auf einen Balken legen … und die Kraft des Windes fühlen. Nicht heftig … nicht wild. Nur ein ruhiges, gleichmäßiges Arbeiten. Ein Beben, so sanft … dass es einen fast müde machte. Interessant ist … was diese Mühlen alles konnten.

Viele mahlten Korn zu Mehl. Aber nicht alle. In den Niederlanden pumpten die Mühlen Wasser. Sie schöpften das Wasser aus dem tiefen Land … und hoben es nach oben. Denn dort liegt das Land oft tief … tiefer als das Meer. Und ohne die Mühlen … stünde vieles unter Wasser. So blieb das Land trocken … und man konnte darauf leben und säen. Die Mühlen drehten sich … und das Wasser floss dorthin, wo es sollte. Tag für Tag … Nacht für Nacht … solange der Wind wehte. Andere Mühlen taten wieder andere Arbeit. Manche sägten Holz … langsam und stetig. Manche pressten Öl aus Samen … und manche mahlten Gewürze zu feinem Pulver.

Der Wind konnte vieles. Er tat all diese Arbeit … ganz still … und ohne müde zu werden. Er drehte die Flügel … und die Flügel taten den Rest. Ein geduldiger, unsichtbarer Helfer … der über das Land kam … und Arbeit brachte. Über der Mühle zogen die Wolken. Langsam … am weiten Himmel. Mal ein heller Tag … mal graue, tiefe Wolken. Und immer der Wind … der sie vor sich her trieb. Die Mühle aber stand ruhig … und ließ den Wind zu sich kommen. Sie musste ihm nicht nachlaufen. Sie wartete einfach … und drehte sich, wenn er da war. So war der Wind ein alter Begleiter der Menschen. Schon immer … zog er über das Land.

Mit dem Wind leben lernen

Mal sanft … mal kräftig … mal kaum zu spüren. Und die Menschen lernten, mit ihm zu leben. Sie bauten ihre Mühlen … und ließen den Wind für sich arbeiten. Sie konnten ihn nicht fangen … und nicht festhalten. Aber sie konnten ihm ihre Flügel hinhalten. Und warten … bis er kam. Und wenn er kam … dann drehten sich die Flügel … und die Arbeit begann. Und weiter im Süden … gab es noch eine andere Art. Dort baute man Türme aus Stein. Feste, runde Türme. Man nennt sie Turmwindmühlen. Bei ihnen bewegte sich nur wenig … oft blieb die Kappe an ihrem Platz. Und ihre Flügel waren manchmal mit Segeln bespannt. Mit weißen, dreieckigen Segeln … so wie kleine Schiffe am Himmel.

So hatte jede Gegend ihre eigene Mühle. Im Norden die drehbaren Häuser aus Holz. Im Süden die festen Türme aus Stein. Alle aber taten dasselbe. Sie fingen den Wind … und machten ihn zur Arbeit. Und über allen … drehten sich die Flügel. Rings um die Mühle … liegt das weite, offene Land. Felder, so weit man sehen kann. Ein paar Bäume … ein schmaler Weg … ein stiller Himmel. Und mittendrin die Mühle … mit ihren drehenden Flügeln. Es ist ein friedliches Bild. Ein Bild, das zur Ruhe kommen lässt. Der Wind … das Korn … das Holz … das Mehl. Alles hat seinen Platz. Alles geht seinen ruhigen Gang.

Die Windrose: die Mühle stellt sich selbst in den Wind

Es gab noch eine besondere Erfindung. Eine kleine … und sehr kluge. Denn das Drehen der Mühle war Mühe. Immer musste jemand nachschauen … woher der Wind gerade kam. Und dann drehte man die Kappe … oder das ganze Haus … dem Wind entgegen. Manchmal half dabei eine Winde. Eine Kurbel mit einer Kette … mit der man die schwere Kappe drehte. Langsam … Glied um Glied … zog man die Mühle in den Wind. Doch eines Tages fand man einen noch besseren Weg. Man setzte ein kleines Windrad … hinten an die Kappe. Man nennt es die Windrose. Ein kleines Rad … neben den großen Flügeln. Wenn der Wind sich drehte … dann drehte sich das kleine Rad. Und das kleine Rad drehte die Kappe nach … ganz von allein.

So stand die Mühle immer richtig im Wind. Ohne dass jemand schieben musste. Ganz von selbst … folgte sie dem Wind. Manchmal begann die Arbeit früh am Morgen. Wenn der erste Wind aufkam … und der Himmel gerade hell wurde. Dann trat der Müller hinaus … und spürte den Wind auf der Haut. Er drehte die Flügel in den Wind … und ließ sie langsam anlaufen. Erst ganz sacht … dann ein wenig gleichmäßiger. Und bald … drehte sich das große Kreuz wieder … ruhig vor dem Morgenhimmel. So drehte sich die Mühle durch das ganze Jahr. Im Frühling … wenn der Wind mild über die jungen Felder zog. Im Sommer … wenn die Ähren reif und golden standen.

Im Herbst … wenn das Korn gemahlen wurde … und die Säcke sich füllten. Und selbst im Winter … wenn der Wind kalt über den Schnee kam. Immer war da der Wind. Und immer war da die Mühle. Sie drehte sich durch die Jahreszeiten … ruhig und geduldig. Und am Ende … wurde aus all dem etwas ganz Einfaches. Aus dem Wind … und aus dem Korn … wurde Mehl. Und aus dem Mehl … wurde Brot auf den Tischen der Menschen. Der Wind, der über das Land zog … war am Ende im täglichen Brot. Ein stiller, alter Kreislauf. Wind … Korn … Mehl … Brot. Weißt du … die Windmühle ist sehr alt.

Woher die Windmühlen kommen

Schon vor sehr langer Zeit … gab es Mühlen, die der Wind antrieb. Man erzählt von Mühlen im fernen Osten … im alten Persien … vor vielen hundert Jahren. Dort drehten sich Flügel im Wind … und mahlten das Korn. In Europa kamen die Windmühlen später. Vor rund achthundert Jahren … tauchten die ersten auf. Im flachen Land am Meer … wo der Wind gut und stetig wehte. Und von dort … verbreiteten sie sich immer weiter. Über die Felder … über die Länder … über viele Jahrhunderte. Und immer war es dieselbe einfache Sache. Der Wind kam … und die Flügel drehten sich. Ob die Mühle groß war oder klein … ob sie aus Holz war oder aus Stein … immer ging es um den Wind.

Und immer um das Korn. Es gab eine Zeit … da standen die Mühlen überall. In den Niederlanden … zu Tausenden. Und auch in Deutschland … drehten sich viele tausend Flügel im Wind. Vor gut hundert Jahren … zählte man im deutschen Land … mehr als achtzehntausend Windmühlen. Achtzehntausend Mühlen … die den Wind zur Arbeit machten. Stell dir vor, wie das ausgesehen haben mag. Über das ganze Land verteilt … auf Hügeln und Wällen … drehten sich unzählige Flügel. Alle im selben Wind. Alle ganz ruhig … Runde um Runde. Und die Flügel drehen sich … langsam … im Wind. Und wenn der Abend kam … dann wurde das Land ganz still.

Die Farben wurden weicher. Der Himmel färbte sich rot und grau. Und die Mühle stand dunkel auf ihrem Hügel … mit ihren langsam drehenden Flügeln. Ein ruhiges Bild gegen den Abendhimmel. Der Wind wurde sanfter … und die Flügel drehten sich langsamer. Und alles kam zur Ruhe. Ganz von selbst. Später wurden es dann weniger. Neue Maschinen kamen … und die Mühlen wurden stiller. Manche standen still … und die Flügel ruhten. Doch viele Menschen hatten die alten Mühlen lieb. Und so blieben manche erhalten. Man kümmerte sich um sie. Man besserte das alte Holz aus … und ölte die Balken. Man spannte neue Segel auf … und ließ die Flügel wieder laufen.

Wie viele es heute noch gibt

Heute gibt es sie noch. Wind- und Wassermühlen … etwa eintausendvierhundert im deutschen Land. Sie stehen auf ihren Hügeln … und erzählen von einer ruhigen Zeit. Und wenn der Wind kommt … dann drehen sich ihre Flügel … noch immer. Manche dieser alten Mühlen kann man heute besuchen. Sie stehen offen für die Menschen … so wie früher. Man kann hineingehen … und die schweren Steine sehen. Man kann das alte Holz berühren … und den Mehlstaub riechen. Und wenn der Wind weht … dann drehen sich die Flügel wieder. Ganz so wie damals. Vielleicht kommst du einmal an einer solchen Mühle vorbei. An einem stillen Tag … irgendwo auf dem Land.

Dann bleib einen Augenblick stehen. Und schau nach oben. Zu dem großen Kreuz der Flügel … das sich vor dem Himmel dreht. Ganz langsam … Runde um Runde. Und wenn du still bist … dann hörst du vielleicht das Knarren des Holzes. Ein ruhiges, altes Geräusch. Das Geräusch einer Mühle … die mit dem Wind arbeitet. Aber jetzt musst du nirgends hingehen. Du darfst einfach liegen bleiben … und dir die Mühle vorstellen. Den Hügel … den Wind … und die großen, drehenden Flügel. Alles ist ruhig. Alles ist an seinem Platz. Es gibt nichts zu tun. Nichts zu bedenken. Nur der Wind … und die Flügel … und du.

Und jetzt, ganz zum Schluss … kehren wir noch einmal zu ihr zurück. Zu der Mühle auf dem Hügel. Zu dem hohen Turm aus Holz … über den der Wind streicht. Die Steine im Inneren mahlen … ganz sacht. Das Korn rinnt herab … das Mehl rieselt hervor. Das Holz knarrt leise … gleichmäßig und ruhig. Und der Müller steht in seiner Mühle … und lauscht … und alles läuft still dahin. Und die Flügel drehen sich … langsam … im Wind. Es ist ganz still geworden. Nur die Mühle … und der Wind … und das leise Drehen der Flügel. Alles wird langsamer. Alles wird weicher. Runde um Runde. Ganz ohne Eile.

Der Wind kommt über das Land … und legt sich in die Flügel. Und die Flügel drehen sich. Langsam. Im Wind. Immer weiter … immer ruhiger. Und langsamer. Und leiser. Die Flügel drehen sich … im Wind. Und du darfst jetzt schlafen. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.

Quelle und Lizenz

Dieser Text beruht auf dem Wikipedia-Artikel «Windmühle». Die Artikel stehen unter CC BY-SA 4.0; dieser bearbeitete Text steht unter derselben Lizenz.

Der Text wurde automatisch erstellt, gegen die Quelle geprüft und von einer computergenerierten Stimme vorgetragen – deshalb gibt es jeden Abend eine neue Folge. Verantwortlich für Themenauswahl und Stichproben ist Michael Feer. Mehr dazu unter Über Fridolin und Lizenz & Quellen.