Gute Nacht mit Fridolin – zur Startseite

Folge 16 · 8. August 2026 · 40 Minuten

Die Honigbiene und ihr warmer Bienenstock

Auf Fridolins offener Hand sitzt eine Honigbiene auf einem Stück Wabe.

Worum es in dieser Einschlafgeschichte geht

Ein warmer, dunkler Bienenstock, in dem es ganz leise summt. In dieser Einschlafgeschichte bauen die Bienen ihre Waben aus Wachs, das sie selbst machen, an der Unterseite ihres Körpers – und aus Nektar wird am Ende Honig.

Ein Bienenvolk ist kein einzelnes Tier, sondern ein Wesen aus vielen Tausend. Eine Arbeiterin misst kaum mehr als einen Zentimeter, die Königin lebt drei bis vier Jahre. Mit dem Schwänzeltanz sagt eine Biene, in welcher Richtung eine gute Blüte liegt; die Sonne ist der Wegweiser. Und im Winter bleibt das Volk dicht beisammen und hält sich mit leisem Summen warm.

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Der ganze Text dieser Einschlafgeschichte

4.260 Wörter · rund 21 Minuten zum Lesen, Mitlesen oder Vorlesen

Stell dir einen alten Baum vor. Es ist Nacht … und in seinem Stamm ist ein Hohlraum. Dort wohnen die Bienen. Von außen siehst du nichts. Nur ein kleines Loch in der Rinde … durch das am Tag die Bienen kommen und gehen. Doch jetzt ist es still. Kein Kommen … kein Gehen … nur die Nacht rundherum. Und innen … da ist es warm. Es ist warm im Stock … und ganz leise summt es. Ein gleichmäßiges, sanftes Summen … das nie ganz aufhört. Tausende kleine Körper … dicht beieinander … im Dunkeln. Und du darfst dir das ruhig vorstellen … ohne Eile. Nur das warme Dunkel … und dieses leise Summen.

Ein Bienenvolk ist kein einzelnes Tier

Wir schauen einfach zu. Ganz von außen … ganz in Ruhe. Ein Bienenvolk ist kein einzelnes Tier. Es sind viele … sehr viele … die zusammen wie ein Wesen wirken. Die Imker haben dafür ein altes Wort. Sie sagen … der Bien. Nur eine Silbe … für das ganze Volk. Denn alle gehören zusammen. Keine Biene lebt für sich allein. Jede tut ihren Teil … und das Ganze trägt sich selbst. Das ist ein ruhiger Gedanke … finde ich. Niemand befiehlt … niemand ordnet an. Und doch fügt sich alles … wie von selbst … zu einem Ganzen. Im Hochsommer … zur Zeit der längsten Tage … leben in einem starken Volk vierzigtausend bis sechzigtausend Bienen.

So viele … dass du sie nicht zählen könntest. Und doch bewegt sich alles ruhig … wie ein einziger, langsamer Atem. In der Mitte des Stocks hängen die Waben. Vielleicht kennst du sie … diese Platten aus lauter kleinen Zellen. Jede Zelle hat sechs Wände … ein feines Sechseck. Und eine neben der anderen … Reihe um Reihe … ergeben sie die Wabe. Ein Muster … so gleichmäßig … dass man ruhig wird beim Hinsehen. Kein Sechseck ist zu groß … keines zu klein. Alle fügen sich aneinander … ohne Lücke … ohne Rand. Es ist, als hätte jemand mit großer Geduld gezeichnet. Doch niemand hat gezeichnet. Die Bienen bauen es einfach … so, wie sie es immer tun.

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Wachs aus dem eigenen Körper – und die sechseckigen Waben

Das Baumaterial ist Wachs. Und das Wachs … das machen die Bienen selbst. An der Unterseite ihres Körpers … an den Bauchringen … sitzen kleine Drüsen. Aus ihnen schwitzen die Bienen das Wachs aus … in Form winziger, heller Schuppen. Diese Schuppen kneten sie weich … und setzen sie an … Stück für Stück. So wächst die Wabe … ganz langsam … aus dem Körper der Bienen heraus. Stell dir das vor. Ein Haus … gebaut aus dem eigenen Wachs … im warmen Dunkel. Die Zellen der Wabe haben verschiedene Aufgaben. In manchen wächst der Nachwuchs heran. In anderen lagern die Bienen ihren Vorrat. Da ist der Honig … die süße Reserve für kühle Tage. Und da ist der Pollen … der Blütenstaub … das Eiweiß für die Jungen.

Alles hat seinen Platz. Alles ist gut verstaut … in den kleinen sechseckigen Kammern. Oben und an den Rändern … da liegt meist der Vorrat. In der Mitte … dort, wo es am wärmsten ist … da wächst die Brut heran. Es ist warm im Stock … und ganz leise summt es. Und während wir zusehen … wollen wir die Bewohner ein wenig kennenlernen. Denn in einem Volk … da leben drei Arten von Bienen … Seite an Seite. Da ist zuerst die Königin. Sie ist die Mutter des ganzen Stocks. Aus ihr … geht das ganze Volk hervor. Sie ist größer als die anderen … ein wenig länger … ein wenig schwerer. Und sie lebt sehr viel länger als ihre Töchter.

Die Königin und die Arbeiterin

Drei Jahre … vier Jahre lang. Während die anderen kommen und gehen … bleibt sie. Ihre Aufgabe ist das Eierlegen. An einem guten Sommertag legt sie bis zu zweitausend Eier … eines nach dem anderen. Zelle um Zelle geht sie ab … und legt in jede ein kleines Ei. So füllt sich der Stock … immer wieder neu. Und rund um sie herum … da ist es ruhig … und geschäftig zugleich. Ein paar Bienen begleiten sie immer … und pflegen sie … wohin sie auch geht. Dann sind da die Arbeiterinnen. Sie sind die große Menge im Volk. Zigtausende … alle Töchter der Königin … alle etwas kleiner als sie.

Eine einzelne Arbeiterin misst kaum mehr als einen Zentimeter. Ein kleines, braunes Tier … leicht wie fast nichts. Und doch tun diese Kleinen alles, was das Volk am Leben hält. Sie bauen die Waben. Sie pflegen die Jungen. Sie sammeln Nektar und Pollen. Im Sommer lebt eine Arbeiterin nur wenige Wochen. Im Winter … wenn alles ruhiger wird … lebt sie mehrere Monate. Ihr Leben ist kurz … und ganz und gar dem Ganzen gewidmet. Auch das ist ein ruhiger Gedanke. Und eine Arbeiterin tut nicht immer dasselbe. Ihr Leben hat seine Ordnung … von innen nach außen. Ganz jung … da bleibt sie im Stock. Sie putzt die Zellen … sie füttert die Larven … sie baut an den Waben. Es sind die stillen Arbeiten … im warmen Dunkel.

Von der Stockbiene zur Sammlerin – und die Larve in ihrer Zelle

Erst später … wenn sie ein wenig älter ist … fliegt sie hinaus. Dann wird sie zur Sammlerin … und trägt Nektar und Pollen heim. So wandert jede Biene … in ihrem kurzen Leben … einmal von innen nach draußen. Vom Dunkel des Stocks … ins Licht der Wiese. Und dann sind da die Drohnen. Das sind die Männchen im Volk. Sie sind etwas größer als die Arbeiterinnen … plumper … gedrungener. Und sie haben große Augen … richtig große Augen … die fast den ganzen Kopf bedecken. Zehntausend kleine Einzelaugen hat so ein Drohnenauge … doppelt so viele wie eine Arbeiterin. Die Drohnen sammeln keinen Nektar. Sie bauen keine Waben.

Sie sind die ruhigen Gäste des Sommers. Sie fliegen aus … und lassen sich durch die Luft tragen. Und wenn der Sommer geht … dann werden es im Stock wieder weniger. Der Bien macht sich still … und bereitet sich auf die kühle Zeit vor. Aus jedem kleinen Ei wird nach und nach eine Biene. Zuerst schlüpft aus dem Ei eine winzige Larve. Ein kleines, weißes Wesen … das in seiner Zelle liegt … und wächst. Die jungen Bienen füttern sie … immer und immer wieder. Sie sorgen dafür, dass es der Larve an nichts fehlt. Eine Larve, aus der eine Königin werden soll … die bekommt eine besondere Nahrung. Ein Futtersaft … so reichhaltig … dass aus ihr die große, lang lebende Königin wird.

Ist die Larve satt und rund … dann wird ihre Zelle mit Wachs verschlossen. Und darin … ganz geschützt … wandelt sie sich langsam zur fertigen Biene. Bis sie eines Tages den Deckel öffnet … und selbst hinauskrabbelt … ins Summen des Stocks. Und jede Biene hat für diesen Weg ihre eigene Zeit. Eine Königin braucht vom Ei bis zum Schlüpfen etwa sechzehn Tage. Eine Arbeiterin … einundzwanzig Tage. Und ein Drohn … der lässt sich am meisten Zeit … vierundzwanzig Tage. Sechzehn … einundzwanzig … vierundzwanzig. Es ist ein ruhiger Takt … der sich immer wiederholt. Ei um Ei … Zelle um Zelle … Tag um Tag. Und so bleibt das Volk am Leben … Sommer für Sommer … Jahr um Jahr.

Die Wärme im Stock, und wie das Volk durch den Winter kommt

Es ist warm im Stock … und ganz leise summt es. Und über allem liegt die Wärme. Denn ein Bienenvolk hält seinen Stock warm … ganz von selbst. Solange Junge heranwachsen … halten die Bienen dort eine Wärme von etwa fünfunddreißig Grad. Immer gleich … Tag und Nacht … Sommer wie Frühling. Dazu wärmen sie mit ihren Muskeln … und zittern ganz fein … ohne die Flügel zu bewegen. Und wenn draußen der Winter liegt … dann rücken sie zusammen. Sie bilden eine dichte Kugel … eine Traube aus lauter Bienen. Man nennt sie die Wintertraube. Innen ist es angenehm warm … außen sitzen die Bienen dichter. Und langsam … ganz langsam … tauschen sie die Plätze. Wer außen saß … darf nach innen … dorthin, wo es warm ist.

So kommt das ganze Volk durch den Winter. Dicht beisammen … geduldig … im leisen Summen. Das Volk lebt mit den Jahreszeiten. Im Frühling erwacht es … langsam … wenn die ersten Blüten kommen. Die Königin legt wieder mehr Eier … und das Volk wächst heran. Im Hochsommer … zur längsten Zeit des Jahres … ist es am größten und stärksten. Dann ist am meisten los … am meisten Summen … am meisten Kommen und Gehen. Und wenn der Sommer sich neigt … dann wird alles ruhiger. Weniger Blüten … weniger Ausflüge … weniger Bienen. Das Volk zieht sich zusammen … und lebt von dem, was es gesammelt hat. Ein großer, langsamer Kreis … Jahr für Jahr … immer der gleiche.

Und mitten in diesem Jahr … an einem warmen Tag … steht das Flugloch offen. Es ist der einzige Eingang … das kleine Tor zwischen drinnen und draußen. Dort ist immer Bewegung. Manche Bienen fliegen aus … hinaus zum Sammeln. Andere kommen heim … schwer beladen … mit vollen Höschen und vollem Honigmagen. Am Eingang stehen ein paar Bienen … und fächeln mit ihren Flügeln. So halten sie die Luft im Stock frisch … und lassen das Wasser aus dem Honig verdunsten. Ein leises, stetiges Fächeln … den ganzen warmen Tag. Und wenn der Abend kommt … dann wird es am Flugloch still. Denn auch die Bienen kommen zur Ruhe.

Wenn die Sonne sinkt … dann fliegt keine mehr hinaus. Die letzten Sammlerinnen kehren heim … und bleiben im warmen Stock. Draußen wird es kühl … und dunkel … und still. Doch drinnen bleibt es warm … dicht … und geborgen. Die Bienen rücken enger zusammen … und das Summen wird leiser. Ein müdes, sanftes Summen … das langsam zur Ruhe kommt. Auch das kleine Volk … macht in der Nacht seinen Frieden. Genau wie du … jetzt … in diesem Augenblick. Schauen wir uns eine einzelne Biene einmal genauer an. Sie ist klein … kaum länger als dein Fingernagel. Ihre Grundfarbe ist braun … ein warmes, weiches Braun. Und über den hinteren Teil des Körpers zieht sich eine helle Haarbinde … fein und fast filzig. Das ist die Streifung, die du kennst. Sie kommt von den Härchen … nicht von grellen Farben.

Ein zartes, behaartes Tier – und woher das Summen kommt

Überhaupt ist die Biene ein zartes, behaartes Tier. Sogar ihre großen Augen sind mit feinen Härchen überzogen. Ein weiches, pelziges Tier … kleiner als eine Erbse … und leicht wie eine Feder. Und die Biene hat vier Flügel … nicht zwei. Zwei größere vorn … zwei kleinere hinten. Man sieht das kaum … so fein sind sie. Wenn die Biene fliegt … dann hakt sie die Flügel jeder Seite aneinander. Aus vier Flügeln werden so zwei große … die zusammen tragen. Winzige Häkchen halten sie fest … Seite an Seite. Und landet die Biene … dann lösen sie sich wieder … und legen sich sanft zusammen. So ein kleines Wunder … an einem so kleinen Tier.

Und von diesen Flügeln kommt das leise Summen. Wenn eine Biene fliegt … dann schlagen ihre Flügel sehr schnell. So schnell, dass du sie kaum siehst. Und dieses schnelle Schlagen … das macht den feinen Ton. Eine einzelne Biene summt nur leise … kaum hörbar. Doch im Stock sind es viele tausend zugleich. Und all die kleinen Töne … die fließen zusammen … zu einem einzigen, weichen Summen. Es ist nie laut … nie schrill … immer gleichmäßig. Ein Summen, bei dem man ruhig wird … ganz von selbst. Und diese Augen … die sind etwas Besonderes. Die Biene hat keine Augen wie wir. Sie hat zwei große Facettenaugen … zusammengesetzt aus tausenden winzigen Einzelaugen.

Bei einer Arbeiterin sind es um die fünftausend … auf jeder Seite. Sitzt die Biene still … dann sieht sie damit eher unscharf. Doch im Flug … da fügt sich alles zusammen … Bild um Bild … zu einem klaren Ganzen. Und die Biene sieht die Welt in anderen Farben als du. Das tiefe Rot … das kann sie nicht erkennen. Dafür sieht sie ein Licht, das für uns unsichtbar bleibt … das ultraviolette. Für die Biene leuchten manche Blüten also ganz anders … als für uns. Und sie sieht noch etwas … das Licht des Himmels ist für sie geordnet. So findet sie sich zurecht … auch über weite Wege … und immer wieder zurück nach Haus.

Der Geruchssinn: ein Volk, das sich am Duft erkennt

Doch im Nahen … dicht an der Blüte … da führt vor allem der Geruch. Der Geruchssinn der Biene ist sehr fein. Sie riecht mit ihren Fühlern … den zwei zarten Antennen am Kopf. Damit ertastet und erschnuppert sie die Welt. Den Duft einer Blüte … den Duft ihrer Schwestern … den Duft des eigenen Stocks. Jedes Volk hat seinen eigenen Duft. Daran erkennen sich die Bienen … und wissen … du gehörst zu uns. Im Stock hält ein feiner Duft alle zusammen. Die Königin gibt einen sanften Botenstoff ab … und dieser Duft geht durch das ganze Volk. Er sagt jeder Biene … alles ist in Ordnung … wir gehören zusammen. Wo dieser Duft ist … da bleibt das Volk friedlich … und ruhig.

Ein Volk, das sich am Duft erkennt. Das ist ein schönes Bild für die Nacht. Denn drinnen im Stock … da ist es dunkel. Kein Licht dringt in die Waben … kein Sonnenstrahl. Und doch finden sich die Bienen zurecht … ganz ohne zu sehen. Sie tasten mit ihren Fühlern … sie riechen … sie spüren einander. Jede weiß, wo sie ist … und was zu tun ist … auch im tiefsten Dunkel. Sie bauen die feinen Sechsecke … im Finstern. Sie pflegen die Jungen … im Finstern. Sie füllen die Zellen … im Finstern. Ein ganzes Leben … in warmer Dunkelheit … voller sanfter Berührung. Stell dir das vor … während du liegst … mit geschlossenen Augen.

Der Rüssel – und wie im Stock geteilt wird

Am Mund trägt die Biene einen langen Rüssel. Er ist wie ein feiner Halm … mit dem sie den Nektar aus der Blüte saugt. Der Nektar fließt hinein … und wird in einem kleinen Behälter gesammelt. Diesen Behälter nennt man den Honigmagen. Er liegt vor dem eigentlichen Magen … und dient nur zum Tragen. So trägt die Biene ihre süße Fracht nach Hause … ohne sie selbst zu essen. Ein winziger Krug … gefüllt mit Nektar … auf dem Weg zum Stock. Und ist sie daheim … dann gibt sie den Nektar weiter … an eine andere Biene. Von Mund zu Mund … ganz behutsam … wandert die süße Last.

So wird im Stock fast alles geteilt. Eine Biene reicht der nächsten einen Tropfen … und diese wieder der nächsten. Von Mund zu Mund … geht die Nahrung durch das ganze Volk. Die Sammlerinnen bringen sie herein … und die jungen Bienen tragen sie weiter. So bekommt jede etwas ab … keine bleibt hungrig. Es ist, als flösse ein feiner Strom durch den Stock … von Biene zu Biene. Ein Strom aus Nahrung … und aus Duft … der alle miteinander verbindet. Vielleicht ist es das … was ein Volk zu einem Ganzen macht. Dieses stille Teilen … immer weiter … Tag und Nacht. Und nun … stell dir eine Sommerwiese vor.

Über die Sommerwiese, von Blüte zu Blüte

Es ist ein warmer Tag. Das Gras steht hoch … und überall sind Blüten. Klee … Löwenzahn … und tausend kleine Sterne dazwischen. Und über all dem … das leise Summen der Bienen. Eine Sammlerin fliegt aus … hinaus aus dem warmen Stock … in das helle Licht. Sie lässt sich auf eine Blüte nieder. Ganz leicht … so leicht, dass die Blüte kaum wippt. Und dann trinkt sie … mit ihrem feinen Rüssel … den süßen Nektar. Von Blüte zu Blüte geht sie … in Ruhe … wieder und wieder. Es ist warm … die Luft steht … und die Wiese duftet. Ein Nachmittag … der kein Ende zu nehmen scheint. Nur Sonne … nur Blüten … nur das leise Summen.

Und das ganze Jahr über gibt es etwas zu finden. Im Frühling blühen die Bäume … weiß und zartrosa … über den Wiesen. Die Bienen finden dann ihre erste reiche Tracht. Im Sommer steht das Land voller Blumen … Klee und Wiesenblumen … so weit du siehst. Und die großen Bäume blühen … und duften … und ziehen die Bienen an. Jede Blüte gibt ein wenig … ein Tropfen Nektar … ein wenig Staub. Und die Biene sammelt es ein … Blüte für Blüte … Tag für Tag. So trägt sie den ganzen Sommer nach Hause … einen Tropfen nach dem anderen. Beim Trinken passiert noch etwas anderes. An den Blüten liegt der Blütenstaub … der Pollen … fein wie Mehl. Und er bleibt an den vielen Härchen der Biene hängen.

Pollen an den Hinterbeinen – und wie aus Nektar Honig wird

Mit ihren Beinen kämmt die Biene ihn zusammen. An den Hinterbeinen hat sie dafür kleine Bürstchen … und flache Körbchen. Dort presst sie den Pollen hinein … zu zwei kleinen Päckchen. Man nennt sie die Höschen … weil es aussieht, als trüge die Biene sie an den Beinen. Gelb … orange … manchmal fast rot … je nach Blüte. So fliegt sie nach Hause … mit vollen Beinchen … schwer und zufrieden. Und daheim streift sie den Pollen ab … in eine Zelle … als Vorrat für die Jungen. Und weil die Biene von Blüte zu Blüte geht … trägt sie den Staub von einer zur nächsten. So hilft sie den Pflanzen … ganz nebenbei … beim Blühen und Fruchten. Ohne es zu wissen … verbindet sie die ganze Wiese miteinander.

Jede Blüte, die sie besucht … gibt ihr etwas … und bekommt etwas zurück. Ein stilles Geben und Nehmen … den ganzen langen Sommer hindurch. Zurück im Stock … wird aus dem Nektar nach und nach Honig. Der Nektar ist zuerst noch dünn und wässrig. Die Bienen geben ihn weiter … von Mund zu Mund … und lagern ihn in die Zellen. Dann lassen sie das Wasser verdunsten … langsam … in der warmen Luft des Stocks. Der Nektar wird dicker … und süßer … und schwerer. Am Ende ist er sirupartig … goldgelb … und lange haltbar. Das ist der Honig … die Reserve für die kühle Zeit. Ist eine Zelle voll … dann verschließen die Bienen sie mit einem feinen Deckel aus Wachs. Wie ein kleiner Vorratstopf … gut verschlossen … für später.

Und Wabe um Wabe füllt sich so … mit stiller, süßer Vorsorge. Ein ganzer Sommer … eingelagert … Zelle um Zelle. Und dieser Vorrat trägt das Volk durch den Winter. Wenn draußen kein Nektar mehr blüht … dann öffnen die Bienen ihre Zellen. Sie zehren von dem Honig … den sie im Sommer gesammelt haben. Ein wenig … Tag für Tag … die ganze kalte Zeit hindurch. Der Sommer ist längst vorbei … und doch ist er noch da … in den Waben. Als hätten die Bienen sich das warme Licht aufgehoben … für die dunklen Monate. Das ist ein schöner Gedanke … für einen Winterabend. Es ist warm im Stock … und ganz leise summt es.

Der Schwänzeltanz: wie eine Biene den Weg sagt

Nun bleibt noch eine Frage. Wenn eine Biene draußen eine gute Blüte gefunden hat … wie sagt sie es den anderen. Die Biene kann ja nicht sprechen. Und doch findet sie einen Weg … einen sehr schönen Weg. Sie tanzt. Man nennt es den Schwänzeltanz. Ein Forscher hat ihn vor langer Zeit entschlüsselt … ein geduldiger Mann namens Karl von Frisch. Er saß viele Stunden an den Bienen … und verstand am Ende, was ihr Tanz bedeutet. Die Sammlerin läuft dabei ein kleines Muster … immer wieder … über die Wabe. Und in diesem Tanz steckt eine Botschaft. Er verrät den anderen die Richtung … und die Entfernung … zur Futterquelle.

Die Biene nimmt die Sonne als Wegweiser. So sagt sie … dort draußen … in jener Richtung … wartet etwas Gutes. Und je besser die Quelle ist … desto eifriger tanzt sie. Die anderen spüren das … und verstehen sie … und fliegen los. Eine Sprache ohne Worte … nur aus Bewegung … im leisen Summen des Stocks. Manchmal … an einem Tag im Frühsommer … wird das Volk zu groß für seinen Stock. Dann teilt es sich. Ein Teil der Bienen zieht aus … um sich ein neues Zuhause zu suchen. Das nennt man das Schwärmen. Viele tausend Bienen fliegen zusammen los … und hängen sich erst einmal als Traube an einen Ast.

Der Schwarm sucht ein neues Zuhause – und eine neue Königin

Von dort schwärmen einzelne Kundschafterinnen aus. Sie suchen einen guten Platz … eine Höhle … einen hohlen Baum. Sie prüfen ihn sorgfältig … ist er hoch genug … ist er trocken … ist er groß genug. Und haben sie etwas Gutes gefunden … dann tanzen sie es den anderen vor. Je besser der Platz … desto eifriger der Tanz. Nach und nach einigt sich der Schwarm … ganz ohne Streit. Und dann ziehen alle gemeinsam weiter … in ihr neues, warmes Dunkel. Ein neuer Stock … ein neues Summen … an einem neuen Ort. Und im alten Stock … da bleibt nicht Leere zurück. Denn bevor das Volk sich teilt … zieht es eine junge Königin heran. In einer besonderen, größeren Zelle wächst sie auf.

Reich gefüttert … gut umsorgt … wird aus der Larve die neue Königin. Und wenn der alte Teil des Volkes fortgezogen ist … dann übernimmt sie den Stock. So geht das Leben weiter … an beiden Orten … im alten und im neuen Zuhause. Aus einem Volk sind zwei geworden … und beide summen ruhig vor sich hin. Die Honigbiene lebt schon sehr lange unter uns. In Deutschland … in Österreich … in der Schweiz … und weit darüber hinaus. Ursprünglich stammt sie aus Europa … aus Afrika … und dem Vorderen Orient. Heute lebt sie auf fast der ganzen Welt. Der Mensch hat sie überallhin mitgenommen … über alle Meere.

Die Kärntner Biene, die Imme und der Imker

In den kühleren Ländern kennt man vor allem die Kärntner Biene. Und früher lebte hier die Dunkle Biene … die zu unserem kühleren Wetter passt. Ihr wissenschaftlicher Name ist alt und schön. Er lautet … die honigtragende Biene. Und der Name Biene … der ist uralt. Er hängt zusammen mit einem Wort für bauen. Die bauende … die tragende … die honigtragende Biene. Namen … so ruhig wie das Tier selbst. Es gibt viele Arten der Honigbiene … an die fünfundzwanzig. Jede passt zu ihrer Gegend … zu ihrem Wetter … zu ihrem Land. Manche sind dunkel … manche etwas heller … manche eher gelblich. In alten Zeiten gab es für die Biene noch ein anderes Wort. Im Süden des deutschen Sprachraums nannte man sie … die Imme.

Ein weiches, altes Wort … das man kaum noch hört. Die Imme … die Biene … das kleine, fleißige Tier. Und wie sie auch heißen mag … überall tut sie dasselbe. Sie sammelt … sie baut … sie sorgt für ihr Volk. Und Menschen begleiten die Bienen schon seit sehr langer Zeit. An alten Felswänden gibt es Bilder … viele tausend Jahre alt … von Menschen, die Honig ernten. Einer klettert an einer Wand empor … zu einem Nest voller wilder Bienen. Vor rund viertausend Jahren gab es im alten Ägypten schon eine sorgsame Bienenhaltung. Man hielt die Bienen in einfachen Röhren … aus Rohr und Lehm … oder aus gebranntem Ton.

Und bis heute stellt ein Imker den Bienen einfach einen Kasten hin. Eine Beute … ein Zuhause aus Holz … mit Waben darin. Zähmen kann man die Biene nicht. Sie bleibt ein wildes, freies Tier … das nur bleibt, weil es sich wohlfühlt. Der Imker schaut nur nach … ganz behutsam … und lässt den Bienen ihre Ruhe. Ein leises Miteinander … über tausende Jahre. Und ein wenig von diesem Honig … das kommt am Ende zu uns. Der Imker nimmt nur einen Teil … und lässt den Bienen genug für den Winter. Den Rest füllt er ab … in ein Glas … golden und still. Vielleicht steht so ein Glas bei dir in der Küche. Und wenn du es aufmachst … dann riechst du ein wenig von der Sommerwiese.

Den Klee … die Blumen … die warmen Nachmittage. All die kleinen Flüge … all die Tropfen Nektar … zusammengetragen in einem Glas. Es ist ein schöner Gedanke … dass in einem Löffel Honig ein ganzer Sommer steckt. Gesammelt von tausenden kleinen Bienen … Blüte für Blüte. Und noch etwas trägt den Sommer in sich … das Wachs. Die feinen Waben duften mild und warm. Ein sanfter Duft … nach Honig … und nach Sonne. Manche Menschen machen aus dem Wachs eine Kerze. Und wenn sie brennt … dann liegt derselbe warme Duft im Raum. Ein wenig Sommer … ein wenig Stock … ein wenig von dem leisen Summen. Und nun kehren wir noch einmal zurück.

Zurück zu dem alten Baum … in der Nacht. Zurück zu dem kleinen Loch in der Rinde … durch das jetzt keine Biene mehr fliegt. Denn jetzt ist es Nacht … und alle sind daheim. Die Sammlerinnen ruhen. Die Waben sind gefüllt. Der Honig ist verschlossen … der Pollen verstaut … die Jungen gut gewärmt. Und über allem liegt die stille, gleichmäßige Wärme. Es ist warm im Stock. Und ganz leise summt es. Ein Summen … so gleichmäßig … dass es dich trägt. Tausende kleine Körper … dicht beieinander … im warmen Dunkel. Alles ist getan. Alles ist verstaut. Alles ruht. Es ist warm im Stock … und ganz leise summt es.

Ganz … leise. Nichts musst du jetzt mehr tun. Nichts mehr denken … nichts mehr festhalten. Nur liegen … und atmen … und ruhen. So warm und geborgen … wie das kleine Volk in seinem Stock. Und du darfst jetzt schlafen. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.

Quelle und Lizenz

Dieser Text beruht auf dem Wikipedia-Artikel «Westliche Honigbiene». Die Artikel stehen unter CC BY-SA 4.0; dieser bearbeitete Text steht unter derselben Lizenz.

Der Text wurde automatisch erstellt, gegen die Quelle geprüft und von einer computergenerierten Stimme vorgetragen – deshalb gibt es jeden Abend eine neue Folge. Verantwortlich für Themenauswahl und Stichproben ist Michael Feer. Mehr dazu unter Über Fridolin und Lizenz & Quellen.