Gute Nacht mit Fridolin – zur Startseite

Folge 15 · 7. August 2026 · 39 Minuten

Der Gletscher – der langsame Strom aus Eis

Fridolin sitzt auf Wolken und hält einen kleinen weißblauen Gletscher aus Eis auf beiden Händen.

Worum es in dieser Einschlafgeschichte geht

Hoch hinauf in die stillen Berge, zu einem Gletscher – einem weiten, langsamen Strom aus Eis. In dieser Einschlafgeschichte wird aus Schnee über Jahre dichtes, blaues Eis: Der Druck presst die Luft heraus.

Eis ist hart, und trotzdem fließt der Gletscher talwärts, unendlich langsam. Das Gestein, das er an seinem Grund zerreibt, wird so fein wie Mehl – die Gletschermilch. Am unteren Ende schiebt das Eis alles vor sich her, daraus werden die Moränen. Und das Eis tief unten ist sehr alt: Sein Schnee fiel vor Hunderten von Jahren.

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Der ganze Text dieser Einschlafgeschichte

3.896 Wörter · rund 19 Minuten zum Lesen, Mitlesen oder Vorlesen

Stell dir hohe Berge vor. Weit oben … wo die Luft dünn und kühl ist. Über den Gipfeln liegt ein tiefblauer Himmel. Und zwischen den Felsen … in einem weiten Tal … liegt ein Gletscher. Ein riesiger Strom aus Eis und Schnee. Ganz weiß leuchtet er in der Höhe … und weiter unten schimmert er bläulich. Es ist ganz still hier oben. Kein Vogel … kein Wind … nur diese große, weiße Ruhe. Und wenn du ganz genau hinhörst … hörst du vielleicht ganz leise … irgendwo tief im Eis … ein feines Tropfen und Rieseln. Ein Gletscher ist wie ein Fluss. Nur … dass er nicht aus Wasser besteht … sondern aus Eis. Und er fließt nicht schnell … sondern unendlich langsam. So langsam, dass man es mit bloßem Auge nicht sieht. Ein Fluss aus Eis … der sich ganz sacht … Jahr um Jahr … den Berg hinabschiebt. Immer weiter … immer abwärts … ganz ohne Eile.

Wie ein Gletscher entsteht: aus Schnee wird blaues Eis

Aber wie entsteht so ein Gletscher. Ganz oben in den Bergen … fällt viel Schnee. Im Winter fällt er … und im Frühling … und selbst im Sommer bleibt dort oben viel liegen. Es fällt mehr Schnee, als je wegschmelzen kann. Und so bleibt der Schnee liegen … Jahr für Jahr. Die neue Schneedecke legt sich auf die alte … und drückt sie langsam zusammen. Frisch gefallener Schnee ist ganz leicht und locker. Er besteht fast nur aus Luft. Doch unter dem Gewicht des neuen Schnees … wird der alte Schnee zusammengepresst. Die feinen Flocken zerbrechen … und werden zu kleinen, runden Körnern. Man nennt diesen körnigen Schnee … den Firn. Er ist schon dichter … und schwerer … als frischer Schnee.

Und Jahr um Jahr geht das weiter. Immer mehr Schnee legt sich darüber. Der Druck wird immer größer … und presst die letzte Luft aus dem Firn. Ganz langsam … wird aus dem lockeren Schnee … festes, dichtes Eis. Es dauert viele Jahre … bis aus Schnee ein Gletscher wird. Aus einer hohen Schicht Neuschnee … wird am Ende nur ein schmales Band aus Eis. Damit das gelingt … muss es hoch genug … und kalt genug sein. So hoch, dass auch im Sommer … nicht aller Schnee wegschmilzt. Darum liegen die Gletscher … immer weit oben in den Bergen … oder hoch im kalten Norden. Dort, wo der Winter lang ist … und der Sommer kurz und kühl. Es gibt eine Grenze am Berg … oberhalb derer der Schnee liegen bleibt … und unterhalb derer er schmilzt. Man nennt sie die Schneegrenze. Über ihr … sammelt sich der Schnee zu einem Gletscher.

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Und dieses Eis … ist ganz anders als das Eis, das du kennst. Kein klares Eis … wie aus dem Gefrierfach. Im Gletschereis ist fast keine Luft mehr. Die vielen kleinen Luftbläschen … sind unter dem Druck herausgepresst worden. Nur noch ganz wenig Luft ist übrig. Und darum … schimmert dieses dichte Eis … blau. Ein tiefes, ruhiges Blau … das aus dem Innern des Eises zu kommen scheint. Schaut man in eine Gletscherspalte hinein … leuchtet es dort unten … in sattem Blau. Ganz langsam … fließt das Eis. So langsam, dass man es nicht sieht. Ein Gletscher hat zwei Teile. Ganz oben … das Nährgebiet. Dort sammelt sich der Schnee … und der Gletscher bekommt immer Neues dazu. Es ist die weite, weiße Fläche … hoch oben unter den Gipfeln. Und weiter unten … das Zehrgebiet. Dorthin schiebt sich das Eis langsam hinab … in wärmere Höhen. Und dort … schmilzt der Gletscher am Ende wieder. Oben kommt immer Neues dazu … und unten geht ganz langsam etwas weg. Zwischen den beiden … liegt eine unsichtbare Linie. Über ihr wächst der Gletscher … und unter ihr zehrt er.

Warum hartes Eis fließt

Doch das Wunderbarste an einem Gletscher … ist sein langsames Fließen. Eis ist doch hart … magst du denken. Und wenn man mit dem Hammer draufschlägt … zerspringt es. Aber unter seinem eigenen, riesigen Gewicht … verhält sich das Gletschereis ganz anders. Da wird es weich … und formbar … fast wie ein sehr, sehr zäher Honig. Und ganz langsam … beginnt die ganze Masse zu fließen. Tief im Innern … verschieben sich die winzigen Eiskristalle … Schicht um Schicht … gegeneinander. Und so schiebt sich der ganze Gletscher … ganz allmählich talwärts. Und unten am Boden … geschieht noch etwas. Dort, wo das Eis auf den Fels drückt … bildet sich ein hauchdünner Film aus Schmelzwasser. Auf diesem feinen, nassen Film … gleitet der Gletscher ganz sacht dahin. Wie auf einer unsichtbaren, glatten Bahn. So kommt die Bewegung zustande … aus dem langsamen Fließen des Eises … und aus dem sanften Gleiten am Grund.

Wie schnell ein Gletscher fließt … das ist von Gletscher zu Gletscher verschieden. Ein Gletscher in den Alpen … schiebt sich vielleicht hundert Meter im Jahr vorwärts. Das klingt nach viel … aber verteilt über ein ganzes Jahr … ist es an einem einzigen Tag nur ein kleines Stück. Man sieht es nicht. Man müsste sehr lange … sehr geduldig hinsehen. Steckt man einen Stab ins Eis … und kommt ein Jahr später wieder … dann ist er ein Stück weit talwärts gewandert. Ganz langsam … ganz stetig … zieht der Gletscher seine Bahn. Ganz langsam … fließt das Eis. So langsam, dass man es nicht sieht. Weil der Gletscher fließt … bekommt seine Oberfläche Risse. Dort, wo er über eine Kante geht … oder wo er sich verbreitert … zieht das Eis auseinander. Und dann reißt es auf … zu tiefen Spalten. Man nennt sie die Gletscherspalten. Von oben sieht man nur einen schmalen Riss. Doch schaut man hinein … öffnet sich eine tiefe, blaue Kluft. Die Wände schimmern in immer tieferem Blau … je weiter es hinabgeht. Ein stilles, kühles Leuchten … tief im Eis.

Spalten, Eistürme und gebogene Bänder

Besonders viele Spalten entstehen dort … wo der Gletscher über eine steile Stufe fließt. Dann bricht das Eis auf … in alle Richtungen. Man nennt so eine Stelle … einen Eisbruch. Ein wildes Durcheinander aus Rissen und Blöcken … und doch bewegt sich alles ganz langsam. Und wo sich mehrere Spalten kreuzen … zerfällt das Eis in große Blöcke und Türme. Man nennt sie … Séracs. Weiße, glänzende Eistürme … die schief und still am Hang stehen. Wie eine stille, gefrorene Stadt aus Eis. In der Abendsonne … schimmern sie an den Kanten golden … und in ihren Schatten … tiefblau. Ganz still stehen sie da … und rühren sich kaum … über Wochen und Monate. Das Schönste am Gletschereis … ist dieses tiefe Blau. Ganz oben, im lockeren Schnee … ist alles noch weiß. Doch je dichter das Eis wird … je mehr Luft aus ihm gepresst ist … desto blauer schimmert es. Ein tiefes, ruhiges Blau … das aus dem Innern des Eises zu kommen scheint. Und darum leuchtet es … tief unten in den Spalten … in einem Blau, das man sonst nirgends sieht. Ein Blau … so rein und so ruhig … als käme es aus dem Herzen des Berges.

Auf manchen Gletschern … sieht man auch feine, gebogene Bänder. Helle und dunkle Streifen … quer über das Eis. Sie entstehen, weil im Sommer … ein wenig Staub und Blütenpollen auf das Eis fällt … und im Winter frischer, heller Schnee. So legt jedes Jahr ein Band dazu … ein helles … und ein dunkles. Und wenn der Gletscher weiterfließt … biegen sich diese Bänder zu sanften Bögen. Wie feine Linien … in einem großen, weißen Blatt.

Schmelzwasser auf der Oberfläche

Auf der Oberfläche des Gletschers … im Sommer … schmilzt tagsüber ein wenig Eis. Und das Wasser sucht sich seinen Weg. Es rinnt in feinen Rinnen über das Eis … sammelt sich zu kleinen Bächen … und plätschert ganz leise dahin. Hier und da … bildet sich ein kleiner, blauer Teich. Und manchmal … stürzt so ein Bach in ein rundes Loch im Eis … und verschwindet in der Tiefe. Ein leises Rauschen … und dann wieder Stille. Die Oberfläche eines Gletschers … ist gar nicht glatt. Sie ist rau … und weiß … und körnig. An manchen Stellen liegt weicher Schnee … an anderen blankes, hartes Eis. Und mittendrin … kleine Rinnen und Mulden … in denen das klare Wasser steht. Ginge man darüber … knirschte es leise unter jedem Schritt. Und überall … dieses feine, ruhige Rieseln des Schmelzwassers.

Ganz langsam … fließt das Eis. So langsam, dass man es nicht sieht. Ein Gletscher trägt aber nicht nur Eis. Er trägt auch Steine. Auf seinem langen Weg … nimmt er alles mit, was von den Bergen herabfällt. Feinen Staub … und Sand … und Kies. Und große Felsbrocken … mehrere Meter groß. All dieses Gestein … wandert mit dem Eis langsam talwärts. Man nennt es die Moräne. An den Rändern des Gletschers … liegen die Seitenmoränen … lange Wälle aus Geröll. Und wenn zwei Gletscher zusammenfließen … schieben sich ihre Ränder zusammen … zu einem dunklen Streifen mitten auf dem Eis. Das ist die Mittelmoräne. Ein dunkles Band aus Steinen … das mit dem Gletscher hinabzieht.

Moränen und Gletschermilch

Und ganz vorne … am unteren Ende des Gletschers … schiebt das Eis alles Gestein vor sich her. Über viele, viele Jahre … türmt sich dort ein Wall auf. Man nennt ihn die Endmoräne. Sie zeigt an, wie weit der Gletscher einmal gereicht hat. Manchmal trägt der Gletscher … einen einzelnen, riesigen Felsblock mit sich. Über viele Jahre … und über weite Strecken. Und dort, wo das Eis endlich schmilzt … lässt er ihn einfach liegen. So ein großer, einsamer Stein … den ein Gletscher weit fortgetragen hat … heißt ein Findling. Über weite Strecken … hat ihn das Eis mitgenommen … langsam … Jahr um Jahr. Und dort, wo der Gletscher endete … hat er ihn sanft abgesetzt … und einfach liegen lassen.

Das feine Gestein … das der Gletscher an seinem Grund zerreibt … wird so fein wie Mehl. Und dieses Steinmehl … mischt sich in das Schmelzwasser. Darum ist das Wasser, das aus dem Gletscher kommt … nicht klar … sondern trüb und milchig. Man nennt es die Gletschermilch. Sie schimmert in einem hellen, milchigen Türkis … ganz zart … fast wie Milch mit einem Tropfen Blau. Am unteren Ende des Gletschers … liegt die Gletscherzunge. Dort ist das Eis am dünnsten … und schmilzt am stärksten. Und mitten aus dem Eis … tritt ein Bach hervor. Er kommt aus einer Öffnung im Eis … tief … und blau. Man nennt sie das Gletschertor. Dort verlässt das geschmolzene Eis den Gletscher … und wird zu einem Bach … und dann zu einem Fluss.

Arten von Gletschern – und wie viel Eis es auf der Welt gibt

Ganz langsam … fließt das Eis. So langsam, dass man es nicht sieht. Es gibt viele Arten von Gletschern. Die meisten, die wir kennen … sind Talgletscher. Sie fließen wie breite, weiße Ströme … durch die Täler der Berge. Der größte in den Alpen … ist der Aletschgletscher in der Schweiz. Er ist über zwanzig Kilometer lang … ein gewaltiger, ruhiger Strom aus Eis. Auch in Österreich gibt es große Gletscher … etwa die Pasterze … am Fuß des Großglockners. Und in Deutschland … liegt hoch in den Alpen ein kleiner Gletscher … mit Namen Höllentalferner … gut geschützt in einer schattigen Mulde.

Es gibt auch kleine Gletscher … die in schattigen Felskesseln liegen. Man nennt sie Kargletscher. Und es gibt riesige Eiskappen … die ganze Hochflächen bedecken. Wie eine dicke, weiße Decke … über dem Land. Auf der Insel Island … liegt so eine gewaltige Eiskappe. An manchen Stellen … ist das Eis dort fast tausend Meter dick. Eine unvorstellbare Menge Eis … still und schwer … über dem Fels. Und es gibt Gletscher … die an steilen Felswänden hängen … hoch oben, wie ein weißes Tuch am Berg. Man nennt sie Hängegletscher. Von unten sieht man sie … als glänzende Eisflecken … weit oben in der Wand. Still … und unerreichbar … im hohen Licht. So verschieden sie alle sind … sie tun doch alle dasselbe. Sie sammeln oben den Schnee … verwandeln ihn in Eis … und tragen ihn ganz langsam hinab. Steht man unten im Tal … und blickt zu so einem Gletscher hinauf … dann wirkt er ganz still und mächtig. Ein weiter, weißer Strom … der reglos zwischen den Felsen liegt. Am Morgen … wenn die erste Sonne ihn trifft … leuchtet er rosig … und golden. Am Mittag … strahlt er blendend weiß im hohen Licht. Und am Abend … wenn die Sonne hinter die Gipfel sinkt … färbt er sich sanft … von rosa … zu blau. Und wenn das letzte Licht vergangen ist … liegt er still und blass … in der Dämmerung. So ändert der Gletscher seine Farben … mit dem Licht des Tages … und bleibt doch immer derselbe. Ruhig … und geduldig … und weit.

Und wenn man an alle Gletscher der Welt denkt … dann ist das eine riesige Fläche. Ungefähr ein Zehntel des ganzen festen Landes … ist von Eis bedeckt. Vor sehr langer Zeit … in einer kalten Zeit … war es noch viel mehr. Da lag das Eis über weiten Teilen der Erde. Und ganz langsam … zog es sich wieder in die Berge zurück … und ließ die Täler frei, die wir heute kennen.

Wie alt das Eis tief unten ist

Das Eis tief unten im Gletscher … ist sehr, sehr alt. Der Schnee, aus dem es entstanden ist … fiel vor langer Zeit. In den größten Eismassen der Welt … ist das Eis am Grund … viele Hunderttausend Jahre alt. Es ist gefallen … lange, lange bevor es Städte gab. Forscher bohren feine Stangen aus dem Eis heraus … tief hinunter … Schicht um Schicht. Und in jeder Schicht … steckt ein Stück einer längst vergangenen Zeit. Manchmal findet sich sogar altes Holz im Eis … das der Gletscher einmal eingeschlossen hat. Und in diesem Holz … kann man die feinen Jahresringe lesen … wie in einem alten Baumstamm. So erzählt der Gletscher … von den Jahren, die längst vorbei sind. Er ist wie ein großes, ruhiges Gedächtnis … das die Zeit in sich bewahrt.

Ganz langsam … fließt das Eis. So langsam, dass man es nicht sieht. Manchmal … gibt der Gletscher etwas frei … das lange in ihm verborgen war. Hoch oben an einem alten Pass … haben Menschen vor vielen Tausend Jahren … Dinge verloren oder liegen gelassen. Ein Stück Leder … ein hölzernes Gerät … ein Pfeil aus alter Zeit. Das Eis hat sie aufgenommen … und über Jahrtausende bewahrt. Und wenn das Eis sie wieder hergibt … sind sie noch fast so … wie an dem Tag … als sie verloren gingen. So ist der Gletscher auch ein stiller Hüter … der die Zeit bewahrt. Und obwohl es so kalt ist … lebt auf dem Gletscher sogar ein wenig. Winzige Algen … wachsen auf dem Schnee und dem Eis. Kleine, dunkle Gletscherflöhe … hüpfen über das Eis. Und in kleinen, mit Wasser gefüllten Löchern im Eis … leben winzige Wesen … die man kaum sehen kann. Selbst hier oben … in dieser weißen, kalten Welt … ist ein wenig stilles Leben.

Wie ein Gletscher das Land formt – und was er speichert

Ein Gletscher formt auch das Land … über das er zieht. Mit dem Gestein, das er unter sich trägt … schleift er den Fels blank … wie mit grobem Schmirgelpapier. Er hobelt die Täler breit und rund … und lässt weiche, gerundete Felsbuckel zurück. Wo ein Fluss ein schmales, spitzes Tal gräbt … formt ein Gletscher ein weites, sanftes Tal … mit runden Flanken. Viele der schönen, breiten Bergtäler … in denen heute Dörfer und Wiesen liegen … hat einst ein Gletscher geformt. Ganz langsam … über sehr lange Zeit. Und dort, wo das Eis über festen Fels zog … schliff es ihn zu sanften, runden Buckeln. Glatt … und gerundet … wie von einer riesigen, geduldigen Hand geformt. Große, mächtige Eisströme … haben einst tiefe, weite Täler in die Berge gehobelt. Sie brauchten dafür sehr, sehr lange. Und wo heute ein Fluss durch ein enges, spitzes Tal fließt … da hat ein Gletscher ein breites, rundes Tal hinterlassen … mit weichen, geschwungenen Flanken.

Und all das Eis der Welt … ist auch ein großer, stiller Speicher. Denn im Eis der Gletscher … ist der größte Teil des Süßwassers der Erde gebunden. Im Sommer … wenn wenig Regen fällt … schmilzt oben am Gletscher ein wenig Eis. Und dieses Wasser … speist die Bäche und Flüsse im Tal. So gibt der Gletscher … das Wasser vieler alter Winter … langsam wieder ab … Tropfen für Tropfen … Sommer für Sommer. Aus manchem Gletscherbach … wird mit der Zeit ein großer Fluss. Viele Bäche fließen zusammen … und ziehen durch die Täler hinab … weit hinaus ins Land. So beginnt manch großer Strom … ganz oben … als ein Tropfen Schmelzwasser … am Fuß eines stillen Gletschers. Und trägt dieses uralte Wasser … über Hunderte von Kilometern … bis ans ferne Meer.

Der Weg einer einzigen Schneeflocke

Denk einmal an eine einzige Schneeflocke. An einem Wintertag … fällt sie hoch oben auf den Gletscher. Ganz leicht … ganz federig … legt sie sich auf den weißen Schnee. Und dann kommt neuer Schnee darüber. Und noch mehr. Und noch mehr. Langsam wird unsere Flocke begraben … tiefer und tiefer … unter all dem neuen Schnee. Sie verliert ihre feine Form … wird zu einem runden Körnchen … und dann … zu festem, blauem Eis. Und nun beginnt ihre lange Reise. Ganz langsam … mit dem ganzen Gletscher … schiebt sie sich den Berg hinab. Jahr um Jahr … ein kleines Stück. Vorbei an Felsen … unter Spalten … tief im Innern des Eises. Es dauert sehr, sehr lange. Vielleicht Hunderte von Jahren … für diese eine, stille Reise. Und ganz am Ende … weit unten an der Gletscherzunge … kommt sie wieder ans Licht. Das Eis schmilzt … und aus unserer Flocke wird ein Tropfen Wasser. Er tritt aus dem blauen Gletschertor … und macht sich auf den Weg … als kleiner Bach … talwärts. So schließt sich der lange, ruhige Kreis … vom Schnee … zum Eis … zum Wasser.

Oben auf dem Gletscher stehen

Nun stell dir noch einmal vor … du stehst ganz oben auf dem Gletscher. Rings um dich … nur Eis und Schnee und Fels. Über dir … der weite, tiefblaue Himmel. Und unter deinen Füßen … das uralte, ruhige Eis. Es ist ganz still. So still, wie es nur hoch oben in den Bergen sein kann. Nur ganz selten … ein leises Knacken tief im Eis … wenn der Gletscher sich um ein Haar weiterschiebt. Und dann … wieder diese große, weiße Stille. Am frühen Morgen … wenn es noch kalt ist … liegt alles fest und reglos. Das Schmelzwasser ist zu feinem Eis erstarrt … und der Gletscher ruht ganz still. Wenn dann die Sonne höher steigt … erwacht ein leises Leben. Überall beginnt es zu tropfen … und zu rieseln … und die kleinen Bäche fließen wieder. Und am Abend … wenn die Kälte zurückkehrt … wird es wieder still. Ein Tag am Gletscher … so ruhig … und so gleichmäßig.

Unter dir … fließt das Eis ganz langsam dahin. So langsam, dass du es nicht spürst. Und doch … ist es unentwegt in Bewegung. Seit Hunderten von Jahren … zieht dieser Gletscher seine ruhige Bahn. Er hat es nicht eilig. Er kennt keine Hast. Er fließt einfach weiter … ganz gleichmäßig … ganz geduldig … Tag und Nacht … Jahr um Jahr. Nichts, was heute geschieht … bringt ihn aus seiner Ruhe. Er hat schon so viele Winter gesehen … und so viele Sommer. Er misst die Zeit nicht in Stunden … sondern in langen, langsamen Jahren. Und gerade das … macht ihn so unendlich ruhig. Wenn man an so einen Gletscher denkt … werden die eigenen Sorgen ganz klein. All das Eilige … all das Laute … verliert hier oben seine Bedeutung. Es bleibt nur … die große, weiße Ruhe … und das langsame, gleichmäßige Fließen.

Stell dir vor … wie klein ein Mensch hier oben ist. Rundherum … diese gewaltigen Berge … und dieser weite, weiße Strom aus Eis. Alles ist so groß … und so ruhig … und so alt. Und doch fühlt man sich nicht verloren … sondern seltsam geborgen. Als wäre man ein winziger Teil … von etwas sehr Großem … und sehr Friedlichem. Der Berg trägt den Gletscher … der Gletscher trägt den Schnee … und über allem … der weite Himmel. Alles ruht ineinander … und alles hat seinen Platz. Das Licht wird nun weniger. Die Sonne ist längst hinter die Gipfel gesunken. Der Schnee wird blau … und dann grau … und dann ganz sanft dunkel. Die Kälte legt sich still über das Eis. Und der Gletscher … der den ganzen Tag ganz leise gearbeitet hat … wird nun noch stiller. Das Tropfen versiegt. Die kleinen Bäche werden langsamer … und schlafen ein. Bald ist es ganz still auf dem Eis. Nur die Sterne … und der weite, weiße Gletscher … und die tiefe Ruhe der Berge.

Nichts hat es hier oben eilig

Nichts hat es hier oben eilig. Der Schnee hat Zeit, zu Eis zu werden. Das Eis hat Zeit, den Berg hinabzufließen. Alles geschieht in seinem eigenen, ruhigen Maß … über Jahre … über Jahrhunderte. Und niemand muss es antreiben. Es ist ein guter Gedanke für die Nacht. Dass manche Dinge einfach ihre Zeit brauchen … und ganz von selbst geschehen. Auch der Schlaf … kommt ganz von selbst. Man muss ihn nicht suchen … und nicht festhalten. Man darf sich einfach treiben lassen … ganz langsam … wie das Eis auf seiner stillen Bahn.

Und so … wie der Gletscher ganz ruhig dahinfließt … darfst auch du jetzt ganz ruhig werden. Du musst nichts mehr tun. Nichts mehr denken … nichts mehr wissen. Lass die Gedanken einfach ziehen … ganz langsam … wie das Eis den Berg hinab. Ohne Eile … ohne Ziel. Und mit jedem Atemzug … wirst du ein wenig ruhiger … und ein wenig schwerer. Ein … und wieder aus. Ganz langsam … ganz sacht. Vielleicht spürst du … wie dein Körper immer schwerer wird. Wie er ganz weich in die Unterlage sinkt. Die Schultern werden schwer … die Arme … die Hände. Die Beine werden schwer … und ganz warm. Alles darf jetzt loslassen … und ruhen. So still … wie das Eis hoch oben in den Bergen. Nichts musst du festhalten. Nichts musst du tun. Nur atmen … und schwer werden … und sinken.

Das blaue Eis leuchtet leise. Der Himmel wird dunkel. Die Sterne kommen heraus … über dem stillen Gletscher. Und wenn der Mond aufgeht … legt er ein sanftes, silbernes Licht über das Eis. Der ganze Gletscher schimmert dann … ganz blass … und ruhig … in der Nacht. Die Séracs stehen wie stille Wächter. Die Spalten schlafen in ihrem tiefen Blau. Und über allem … die weite, sternklare Stille. Es ist kalt hier oben … doch du liegst warm und sicher in deinem Bett. Du darfst dem Gletscher einfach nur zusehen … in Gedanken … von ferne … ganz geborgen. Und tief im Eis … ganz weit unten … tropft und rieselt es ganz leise … immer weiter. Ein feines, ruhiges Geräusch … das dich in den Schlaf begleitet.

Ganz langsam … fließt das Eis. So langsam, dass man es nicht sieht. Alles hier ist ruhig. Alles hat seine Zeit. Und alles darf jetzt schlafen. Und du darfst jetzt schlafen. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.

Quelle und Lizenz

Dieser Text beruht auf dem Wikipedia-Artikel «Gletscher». Die Artikel stehen unter CC BY-SA 4.0; dieser bearbeitete Text steht unter derselben Lizenz.

Der Text wurde automatisch erstellt, gegen die Quelle geprüft und von einer computergenerierten Stimme vorgetragen – deshalb gibt es jeden Abend eine neue Folge. Verantwortlich für Themenauswahl und Stichproben ist Michael Feer. Mehr dazu unter Über Fridolin und Lizenz & Quellen.