Gute Nacht mit Fridolin – zur Startseite

Folge 33 · 25. August 2026 · 41 Minuten

Die Briefmarke und ihr gezackter Rand

Fridolin sitzt über den Wolken und hält eine alte rotbraune Briefmarke mit gezacktem Rand in beiden Händen.

Worum es in dieser Einschlafgeschichte geht

Ein Tisch am Abend, eine Lampe, ein Umschlag – und daneben ein Bogen mit vielen kleinen Bildern, zwischen denen Reihen winziger Löcher laufen. Diese Einschlafgeschichte für Erwachsene geht der Briefmarke nach und beginnt mit dem, was sie im Kern ist: eine Quittung. Der amtliche deutsche Name sagt genau das – Postwertzeichen. Alles andere kam erst später dazu.

Vor der Briefmarke zahlte der Empfänger an der Tür. Die One Penny Black drehte das 1840 um. Der gezackte Rand kam noch später: Henry Archer baute eine Maschine, die den Bogen lochte, statt ihn zu zerschneiden. Dazu Marken aus Holz, aus Stoff und aus Kunstleder, Schallplatten aus Bhutan, Pfefferminz auf der Rückseite – und eine Weihnachtsmarke, die eine Melodie spielt.

Einschlafgeschichten in deiner Lieblings-App hören

In deiner Podcast-App liegt sie am Abend schon bereit – auch offline.

Der ganze Text dieser Einschlafgeschichte

4.240 Wörter · rund 21 Minuten zum Lesen, Mitlesen oder Vorlesen

Ein Bogen und eine gezackte Kante

Stell dir einen Tisch vor … in einem Zimmer, in dem sonst niemand mehr ist. Die Platte ist aus Holz, ein wenig abgegriffen, mit ein paar hellen Stellen. Es ist Abend. Draußen ist es dunkel, und auf dem Tisch steht eine Lampe. Vor dir liegt ein Umschlag. Und daneben ein Bogen Papier. Auf diesem Bogen sind viele kleine Bilder gedruckt, in Reihen, dicht nebeneinander. Zwischen ihnen laufen Reihen von winzigen Löchern. Du nimmst eines dieser Bilder ab. Es reißt sauber ab, den Löchern entlang. Und was zurückbleibt, ist eine gezackte Kante. Das ist eine Briefmarke. Und im Grunde ist sie eine Quittung. Sie bestätigt, dass jemand bezahlt hat. Nicht mehr und nicht weniger. In Deutschland sagt der amtliche Name fast dasselbe. Postwertzeichen. Ein Zeichen dafür, dass ein Wert bezahlt wurde. Alles andere, was auf ihr zu sehen ist, kam erst später dazu.

Wer zahlt, und wann

Bevor es Briefmarken gab, lief es umgekehrt. Bezahlt wurde nicht beim Abschicken, sondern beim Ankommen. Der Bote brachte den Brief. Und erst an der Tür wurde kassiert. Die Grundidee der Briefmarke war, das umzudrehen. Der Absender zahlt. Vorher. Und zwar überall, nicht nur in einer einzelnen Stadt. Und das war mehr als nur eine andere Reihenfolge. Mit dieser Umstellung fiel eine Menge Arbeit weg. Niemand musste mehr an der Tür kassieren. Und weil die Sache einfacher wurde, wurde sie auch billiger. Vorher war das Briefporto so teuer, dass ein regelmäßiger Briefwechsel den Reichen vorbehalten war. Danach nicht mehr. Ein kleines Stück Papier. Und der Brief kommt an. Vorläufer gab es schon lange vorher. Im Jahr sechzehnhundertdreiundfünfzig führte der Pächter der Pariser Stadtpost etwas ein … das er Billet de port payé nannte. Also: Zettel, Porto bezahlt. Es war ein Streifen Papier. Und er hatte ein Problem, das man heute kaum noch bedenkt. Er klebte nicht. Man musste ihn mit einer Klammer oder einem Faden am Brief befestigen. Von diesen Zetteln ist übrigens kein einziger erhalten. Man weiß aus alten Akten, dass es sie gab. Zu sehen ist heute keiner mehr.

Einschlafgeschichte weiterlesenDie restlichen 3.908 Wörter, Wort für Wort wie Fridolin es erzählt

Der dreieckige Stempel aus London

In London gab es ebenfalls einen frühen Versuch. Ab sechzehnhundertachtzig richteten zwei Kaufleute einen eigenen Postdienst ein. Ihre Idee war ein einheitlicher Preis für alle Briefe innerhalb der Stadt. Bezahlt wurde im Voraus, und bestätigt wurde es mit einem Stempel. Dieser Stempel hatte die Form eines Dreiecks. Der Dienst lief gut. Trotzdem gab es ihn nach zwei Jahren nicht mehr. Er wurde in die große staatliche Post eingegliedert. Einige Briefe mit diesem Stempel liegen heute in Archiven. Und vier solche Briefe sollen noch in privatem Besitz sein. Anfang des neunzehnten Jahrhunderts kamen weitere Zwischenformen. Im Königreich Sardinien gab es achtzehnhundertachtzehn ein Briefpapier mit einem Stempel darauf. Dort ging es allerdings nicht um das Porto, sondern um eine Steuer. Und in Griechenland gab es im Mai achtzehnhunderteinunddreißig eine Gebührenmarke … für den Weg von Athen nach Piräus. Für diese eine Strecke. Es lag also in der Luft. Mehrere Menschen, an mehreren Orten, dachten in dieselbe Richtung.

Es gab auch schon Papier, auf dem das Porto bereits bezahlt war. Und zwar noch vor all dem. Um achtzehnhunderteinundzwanzig lag britischen Zeitungen etwas bei. Karten für die Rückantwort, deren Porto schon entrichtet war. Und achtzehnhundertachtunddreißig gab man im australischen Sydney Briefbogen aus … auf denen das Porto schon aufgedruckt war. Man schrieb also direkt auf das, was zugleich die Quittung war. Solche Stücke nennen Sammler heute Ganzsachen. Papier und Porto in einem. Da muss nichts mehr aufgeklebt werden. Zwei Vorschläge sind überliefert. Achtzehnhundertsechsunddreißig schlug ein Mann aus Laibach der österreichischen Regierung vor … Briefmarken einzuführen, um das Postwesen zu vereinfachen. Zwei Jahre später reichte ein schottischer Buchhändler einen ähnlichen Vorschlag ein. Aufgegriffen hat die Sache dann wahrscheinlich ein Dritter. Er hieß Rowland Hill. Die britische Regierung hatte ihn schon einige Jahre zuvor beauftragt, achtzehnhundertfünfunddreißig … das Postwesen zu reformieren. Er gilt bis heute als der Urheber der Briefmarke.

Die One Penny Black

Am ersten Mai achtzehnhundertvierzig kam die erste aufklebbare Briefmarke der Welt an die Schalter. Gelten sollte sie erst fünf Tage später. Erst ab dem sechsten Mai durfte man Briefe damit freimachen. Aber einer hat nicht gewartet. Von einem Brief weiß man, dass die Marke schon am zweiten Mai daraufklebte. Vier Tage zu früh. Sie kostete einen Penny, und gedruckt war sie auf schwarzem Untergrund. Bei Sammlern heißt sie darum die One Penny Black. Das Motiv ist eine Geschichte für sich. Für die Gestaltung wurden mehrere tausend Entwürfe eingereicht. Rowland Hill lehnte sie ab. Alle. Ausnahmslos. Stattdessen nahm er eine Zeichnung, die ihm gefiel … und die stammte von einer Gedenkmünze aus dem Jahr achtzehnhundertsiebenunddreißig. So kam es, dass die erste Briefmarke der Welt das Porträt der Königin Victoria trug. Die zweite Marke zeigte dasselbe Bild, für zwei Pence, auf blauem Untergrund.

Zürich vier, Doppelgenf und die Basler Taube

Danach ging es schnell. Schon achtzehnhunderteinundvierzig und zweiundvierzig erschienen in den Vereinigten Staaten erste Lokalmarken. Achtzehnhundertdreiundvierzig kam Brasilien dazu. Und im selben Jahr zwei Schweizer Kantone. Zürich gab zwei Marken heraus. Man nennt sie heute die Zürich vier und die Zürich sechs. Und Genf gab eine heraus, die unter Sammlern die Doppelgenf heißt. Achtzehnhundertfünfundvierzig, zwei Jahre danach, kam aus Basel eine Marke, die bis heute berühmt ist. Die Basler Taube. Die ersten deutschen Briefmarken kamen aus Bayern. Drei Stück, alle am ersten November achtzehnhundertneunundvierzig. Die mit der schwarzen Eins darauf nennt man bis heute den Schwarzen Einser. Und auch hier gibt es jemanden, der nicht gewartet hat. Von einer der drei ist ein Exemplar bekannt, das schon einen Tag früher verwendet wurde. Auf einem Brief aus Deggendorf.

In der bayerischen Verordnung von damals steht eine Anweisung, die uns heute seltsam vorkommt. Die Marken seien auf den Briefen links oben anzubringen. Links oben. Nicht rechts. Es gab damals eben noch keine Gewohnheit. Man musste erst festlegen, wo so etwas hingehört. Und jemand hat sich hingesetzt und diese Frage entschieden. In den Jahren danach zogen die übrigen deutschen Staaten nach. Achtzehnhundertfünfzig kamen Hannover, Preußen und Sachsen. Und die Herzogtümer Schleswig und Holstein. Achtzehnhunderteinundfünfzig folgte Baden. Im selben Jahr, achtzehnhundertfünfzig, erschienen auch die ersten österreichischen Briefmarken. Am ersten Juni. Und sie galten nicht nur in Österreich. Auch in Liechtenstein konnte man mit ihnen frankieren. Denn dort wurde die Post bis neunzehnhundertzwanzig von Österreich betrieben. Siebzig Jahre lang klebten also österreichische Marken auf liechtensteinischen Briefen.

Eines merkte man dabei schnell. Schwarze Marken sind ein Problem. Denn auf Schwarz sieht man einen Stempel kaum. Und wenn man den Stempel nicht sieht, kann man eine Marke ein zweites Mal verwenden. Also ließ man das Schwarz wieder sein. Nicht weil es hässlich gewesen wäre. Sondern weil man den Stempel sehen muss. Ein kleines Stück Papier. Und der Brief kommt an. Die ersten Briefmarken der Welt hatten noch keinen gezackten Rand. Keine Zähnung, wie Sammler sagen. Der Bogen war einfach ein Bogen. Der Postbeamte musste jede Marke mit der Schere herausschneiden. Bei jedem einzelnen Brief. Man muss sich das einen Moment vorstellen. Eine Schlange am Schalter. Und vorn schneidet jemand mit der Schere ein Rechteck aus einem Bogen. Und danach das nächste.

Henry Archer und die Lochmaschine

Ein Brite namens Henry Archer fand, das müsse besser gehen. Also baute er eine Maschine. Die erste arbeitete mit kleinen Messern. Sie standen eng nebeneinander und ritzten in regelmäßigen Abständen kleine Schnitte ins Papier. Achtzehnhundertachtundvierzig lagen die ersten so eingeschnittenen Marken versuchsweise am Schalter. Aber Archer war damit nicht zufrieden. Er verbesserte die Maschine weiter … und ersetzte die feinen Messer irgendwann durch Lochstifte. Und damit war die Lösung gefunden. Nicht mehr schneiden, sondern lochen. Und dann reißen. In Britannien probierte man die Lochmaschine achtzehnhundertfünfzig zum ersten Mal richtig aus. Und vier Jahre später wurde jede Marke gelocht. Was dabei entsteht, ist genau die Kante, die eine Briefmarke ausmacht. Der Zahnrand. Es ist merkwürdig. Diese Zacken sind gar kein Schmuck. Sie sind der Rest von Löchern. Und trotzdem erkennt man an ihnen sofort, was man in der Hand hält.

Rollenmarken, Blocks und Markenheftchen

Nicht jede Marke kommt heute noch aus einem Bogen. Viele Länder gehen zu Rollenmarken über. Die sind dann in einer langen Reihe hintereinander aufgewickelt, wie ein Klebeband. Und bei ihnen braucht es an den Seiten nicht unbedingt eine Zähnung. Daneben gibt es Marken, die man einzeln in einem eigenen kleinen Bogen herausgibt. Man nennt so etwas einen Block. Und es gibt Markenheftchen, in denen mehrere Marken zusammengeheftet sind. Der gezackte Rand war das eine. Auf der Rückseite liegt das andere, was eine Briefmarke ausmacht. Die Gummierung. Also die Schicht, die klebt, wenn man sie anfeuchtet. Am Anfang wurde sie erst nach dem Druck aufgetragen. Und solange es dafür keine Maschinen gab, tat man das von Hand. Mit einem Pinsel. Heute geschieht es umgekehrt. Erst wird der leere Bogen gummiert, dann wird gedruckt. Und zwar maschinell.

Pfefferminz und Waldmeister

Woraus diese Schicht besteht, hat sich mehrfach geändert. Zuerst nahm man tierische Leime. Etwas später pflanzliche Stoffe … Dextrin zum Beispiel, oder Gummi arabicum. Heute ist es meistens ein Kunststoff. Und weil Menschen diese Rückseite nun einmal ablecken … hat man sich tatsächlich Gedanken über den Geschmack gemacht. Die Deutsche Bundespost hat mehrfach damit experimentiert. Das finde ich eine hübsche Vorstellung. Irgendwo saßen Leute zusammen und berieten, wie eine Briefmarke schmecken soll. In den Jahren neunzehnhundertfünfundfünfzig und sechsundfünfzig probierte man Pfefferminz. Und Anfang der achtziger Jahre noch einmal. Später wurde auch Waldmeister erprobt. Durchgesetzt hat sich beides nicht. Heute nimmt man eine Mischung, die weniger Feuchtigkeit aufsaugt. Damit das Papier nicht wellig wird.

Manche Länder haben das Anfeuchten inzwischen ganz abgeschafft. Ihre Marken kleben von selbst. Der Klebstoff ist eine dünne Schicht aus Kunststoff. In den Vereinigten Staaten gibt es heute ausschließlich solche Marken. Man zieht sie von einem Trägerpapier ab und drückt sie auf. In den meisten anderen Ländern bleibt es dagegen bei der Gummierung. Bei der Schicht also, die erst nass werden muss, bevor sie hält. Gedruckt wird auf ein Papier, das eigens dafür hergestellt wird. Es muss viel aushalten. Und es muss über die ganze Auflage hinweg genau gleich aussehen. Meistens sind darin Stoffe enthalten, die unter bestimmtem Licht leuchten. Sie haben zwei Aufgaben zugleich. Die eine ist der Schutz vor Nachahmung. Die andere ist ganz praktisch. Die Stempelmaschine erkennt daran, wo auf dem Brief die Marke klebt. Es gibt auch Papiere, die im Dunkeln nachleuchten. Das ist selten. Bei finnischen Briefmarken ist es allerdings die Regel.

Holz, Stoff und gestickte Marken

Nicht jede Briefmarke ist aus Papier. Manche Postverwaltungen haben andere Materialien ausprobiert. Die Schweizer Post hat eine Marke aus Holz herausgegeben, im Jahr zweitausendvier. Und eine aus Stoff. In Italien erschien zweitausenddrei eine Briefmarke, die auf Jeansstoff gedruckt war. Und seit den frühen zweitausender Jahren gibt es gestickte Briefmarken. Hergestellt haben sie die italienische, die schweizerische und die österreichische Post. Also wirklich gestickt. Mit Faden. Am weitesten ging ein kleines Land im Himalaja. Bhutan gibt seit neunzehnhundertfünfundfünfzig eigene Briefmarken heraus. Und später erschienen dort Marken, die man abspielen kann. Kleine Schallplatten. Rund, knapp sieben bis zehn Zentimeter im Durchmesser, einseitig bespielt. Eine Briefmarke, die man auf einen Plattenteller legen kann. Ich weiß nicht, ob je eine davon auf einem Brief gelandet ist. Aber allein die Vorstellung gefällt mir sehr.

Aluminium, Hologramm und Prägedruck

Es gab noch andere Versuche mit dem Material. In der Sowjetunion wurden neunzehnhundertfünfundsechzig zwei Marken mit Motiven aus der Raumfahrt … auf Aluminium gedruckt. Die Deutsche Bundespost brachte neunzehnhundertneunundneunzig zwei Marken heraus … auf die eine Folie mit einem Hologramm geklebt war. Und zweitausendvier erschien eine Marke zu einem besonderen Anlass, in einem aufwendigen Prägedruck. Das Bild ist dabei nicht nur gedruckt, sondern ins Papier hineingedrückt. Bei allem Ausprobieren bleibt der Normalfall aber das gewöhnliche Briefmarkenpapier. Alles andere ist die Ausnahme. Und ein paar dieser Ausnahmen sind zu schön, um sie auszulassen. Österreich hat zweitausendacht noch zwei besondere Marken herausgebracht. Die eine war rund und bestand aus dem Kunstleder, aus dem man auch Fußbälle macht. Die andere zeigte die Venus von Willendorf … eine kleine Figur aus sehr früher Zeit. Und zwar als Wackelbild aus Kunststoff, mit einem räumlichen Eindruck. Ein Land, das eine steinzeitliche Figur auf eine Briefmarke bringt, die man kippen kann. Das gefällt mir.

Mit Händen sehen

Und es gibt eine Marke, die man nicht ansehen muss. Im März zweitausendsechs gab die Deutsche Post eine Briefmarke heraus … mit einem geprägten Schriftzug, den man mit den Fingern lesen kann. Darauf stand «Mit Händen sehen». Und der Wert stand daneben, in Blindenschrift. Eine Briefmarke, die man ertasten kann. Auf so etwas muss man erst einmal kommen. Bei den Formen ist über die Jahre einiges passiert. Am Anfang war alles rechteckig, meistens hochkant. Das hat einen einfachen Grund. Rechtecke lassen sich auf einem Bogen lückenlos anordnen. Da bleibt nichts übrig. Quadrate würden auch lückenlos passen. Seltener sind sie trotzdem geblieben. Die ungarische Post hat oft welche herausgegeben, die auf einer Ecke stehen. Wie eine Raute.

Dreiecke gab es schon früh. Die bekanntesten stammen vom Kap der Guten Hoffnung. Runde Marken kommen in letzter Zeit häufiger vor, oft mit Fußballmotiven. Nur sind sie schwieriger zu zähnen und schwieriger aus dem Bogen zu lösen. Darum gibt man sie meistens einzeln heraus, in einem eigenen kleinen Block. Und dann gibt es Länder, die es ganz weit treiben. Von Sierra Leone und von den Tonga-Inseln kennen Sammler Marken in Form von Wappen … von Obst, von Vögeln, von Landkarten, von Pergamentrollen. Und von Kokosnüssen. Die französische Post hat mehrere Marken in Herzform herausgegeben. Ein kleines Stück Papier. Und der Brief kommt an. Nicht jede Briefmarke ist für dasselbe da. Die älteste und häufigste Form heißt Freimarke. Mit ihr ist die Beförderung bezahlt. Mehr soll sie nicht. Innerhalb der Freimarken gibt es wieder Unterschiede. Da sind zuerst die Dauermarken. Die gibt die Post über einen langen Zeitraum heraus, in unbegrenzter Zahl … und immer für alle wichtigen Preise zugleich. Zusammen ergeben sie einen Satz. Dauermarken sind meistens etwas schlichter gehalten. Weniger bunt. Sie sollen ja jahrelang funktionieren und nicht auffallen.

Sondermarken und der Zuschlag

Daneben stehen die Sondermarken. Man nennt sie auch Gedenkmarken. Sie erscheinen zu einem bestimmten Anlass, einmal, und dann nicht mehr. Die erste der Welt kam aus Peru, im Jahr achtzehnhunderteinundsiebzig. Anlass war die Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke des Landes. Danach zogen viele Staaten nach. Denn eine Sondermarke ist eine sehr bequeme Art, auf etwas hinzuweisen. Postalisch braucht man sie eigentlich nicht. Und darum findet man echte Briefe mit Sondermarken viel seltener als solche mit Dauermarken. Die meisten Sondermarken sind nie auf einem Umschlag gelandet. Manchmal kostet eine Sondermarke mehr, als auf ihr steht. Man zahlt also mehr, als das Porto kostet. Diesen Unterschied nennen Sammler den Zuschlag. Und er geht meistens an einen guten Zweck. In Deutschland heißen solche Marken darum Wohlfahrtsmarken. Man frankiert damit einen Brief und gibt zugleich etwas ab. Beides in einer Bewegung, ohne dass man weiter darüber nachdenken muss.

Eine Quittung für einen Brief, den es nicht gibt

Für manche Länder sind Sondermarken sogar eine Einnahmequelle. Vor allem sehr kleine Staaten geben Marken mit beliebten Motiven heraus … und was Sammler dafür bezahlen, geht in die Staatskasse. Die Marken werden gekauft, aber nie verklebt. Die Post muss dafür also nie einen Brief befördern. Bezahlt wird also für etwas, das nie stattfindet. Eine Quittung für einen Brief, den es nicht gibt. Es gibt auch Marken, die niemand am Schalter kaufen kann. Die Dienstmarken. Mit ihnen frankieren Behörden und Ämter ihre eigene Post. Im normalen Postverkehr sind sie nicht zugelassen. Und dann gibt es Marken, die aus einem Automaten kommen. Solche Automaten standen früher oft vor dem Postamt. Man konnte dort den Betrag wählen, und die Marke wurde in dem Moment gedruckt.

Flugpostmarken

Als das Fliegen neu war, bekam die Post in der Luft eigene Marken. Man nennt sie Flugpostmarken. Oder Luftpostmarken. In Deutschland gab es die ersten schon neunzehnhundertzwölf. Sie waren damals nur halbamtlich … herausgegeben von privaten Stellen, mit Genehmigung der Post. Die Schweiz gab neunzehnhundertdreizehn ebenfalls solche halbamtlichen Marken heraus. Diese ersten Jahre, bis neunzehnhundertvierzehn, nennt man die Pionierflugperiode. Amtliche Flugpostmarken kamen dann später. In Österreich neunzehnhundertachtzehn. In Deutschland und in der Schweiz neunzehnhundertneunzehn. Es gibt sogar Marken für den Fall, dass jemand zu wenig frankiert hat. Sie heißen Portomarken. Kommt ein Brief mit zu wenig Porto an, klebt ein Postbeamter eine solche Marke dazu. Und der Empfänger zahlt den Rest bei der Zustellung. In der Schweiz gab es sie ab achtzehnhundertachtundsiebzig, gut siebzig Jahre lang. In Österreich ab achtzehnhundertvierundneunzig, bis der Euro kam. Die deutsche Post hat nie eigene Portomarken herausgegeben. Nur Baden und Bayern taten es, damals, als sie noch eine eigene Post hatten.

Rund hundert Gattungen

Wie viele Arten es insgesamt gibt, ist erstaunlich. Ein großes Lexikon des Briefmarkensammelns … der Philatelie … zählt rund hundert Gattungen auf. Es gab eigene Marken für eilige Sendungen. Eigene für Einschreiben. Und eigene für Pakete. Eilmarken, Einschreibemarken, Paketmarken. Zustellungsmarken für den Fall, dass ein Brief eigenhändig übergeben werden soll. Und Zeitungsmarken, für den Versand von Zeitungen. Die ersten Zeitungsmarken der Welt kamen übrigens aus Österreich, im Jahr achtzehnhunderteinundfünfzig. Manche dieser Marken kamen gar nicht von der Post. Es gab Eisenbahnmarken, für Pakete, die mit der Bahn reisten. Und es gab Telegrafenmarken, für die Gebühr eines Telegramms. Die meisten dieser Gattungen sind längst wieder abgeschafft. Im Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts hat man vieles zusammengelegt und vereinfacht. Was bleibt, ist im Grunde die Freimarke. Für alles.

Ersttagsbriefe und Ersttagsblätter

Für Sammler gibt es eigene Wege, an Marken zu kommen. Mit einem Abonnement bekommt man die neuen Ausgaben regelmäßig zugeschickt. Monatlich oder vierteljährlich, je nachdem. Am Tag, an dem eine Marke zum ersten Mal erscheint, gibt es in manchen Ländern Ersttagsbriefe. Das sind besonders gestaltete Umschläge, mit der neuen Marke darauf … und einem Stempel, der zum Anlass passt. Zu den Ersttagsbriefen gibt es noch etwas Verwandtes. Ersttagsblätter. Auf ihnen klebt die neue Marke, gestempelt … und daneben steht beschrieben, was auf ihr zu sehen ist und warum sie erschienen ist. Man bekommt also nicht nur das Bild, sondern auch die Auskunft dazu. Und für Sammler, die es besonders gern vollständig haben, gibt es eigene Alben … in die eine Postverwaltung ihre Ausgaben von sich aus einsortiert.

Und wer will, kann alle Marken eines Landes aus einem Jahr auf einmal bekommen. Das nennt sich eine Jahreszusammenstellung. Wenn eine Briefmarke ihre Arbeit getan hat, wird sie entwertet. Sonst könnte man sie ja noch einmal verwenden. Das übliche Mittel dafür ist der Poststempel. Meistens rund, meistens schwarz, mit dem Ort und dem Datum darin. Für besondere Anlässe gibt es Sonderstempel. Und für den Tag, an dem eine neue Marke zum ersten Mal ausgegeben wird, den Ersttagsstempel. Beide tragen meistens ein Motiv, das zum Anlass passt. Heute wird bei gewöhnlicher Post maschinell gestempelt. Und dabei kommt oft nur eine Reihe gerader oder gewellter Linien auf die Marke. Das hat eine Nebenwirkung, die Sammler bedauern. Löst man so eine Marke ab, sieht man ihr nicht mehr an, wo sie war und wann. Am schönsten sind darum die alten Entwertungen. In den ersten Jahren der Briefmarke hatten kleine Postämter oft noch gar keinen Stempel. Dann strich der Beamte die Marke einfach durch. Oder er schrieb Ort und Datum von Hand daneben.

Lochung, Schere und Vorausentwertung

Andere Länder hatten ganz eigene Wege. In Spanien entwertete man Briefmarken eine Zeit lang durch eine Lochung. Im Osmanischen Reich schnitt man sie mit der Schere oder mit einem Messer ein. Und in Frankreich gibt es die Vorausentwertung. Dabei werden ganze Bögen schon vorher gestempelt und so an Großversender abgegeben. Dann muss hinterher niemand mehr jeden einzelnen Brief abstempeln. Und bis heute kommt es vor, dass der Postbote eine übersehene Marke mit dem Kugelschreiber durchstreicht. Meistens als Kreuz. Bei den neuesten Marken braucht es das Stempeln streng genommen gar nicht mehr. Viele tragen heute ein kleines quadratisches Muster aus schwarzen und weißen Punkten. Das ist ein Code, den eine Maschine lesen kann. Und in ihm steckt eine Kennung, die es nur einmal gibt. Wenn ein Brief durch das Briefzentrum läuft, prüft die Maschine diese Kennung. War sie schon einmal da, fällt es auf. Damit erledigt sich das Problem, das am Anfang stand. Man muss eine Marke nicht mehr unbrauchbar machen. Sie trägt ihre eigene Nummer mit sich, und die Maschine erinnert sich an jede.

Von Herrscherbildnissen zu Kinderzeichnungen

Über die Motive lässt sich am längsten reden. Denn eine Briefmarke ist auch eine Gelegenheit für ein Land, sich zu zeigen. In den frühen Jahren waren es fast immer Herrscherbildnisse. Ein Kopf im Profil, und darum herum der Wert und der Name des Landes. Das hat sich nach und nach geändert. Heute sieht man Pflanzen und Tiere. Bauwerke. Technik. Kunst. Und Ereignisse, die gerade wichtig sind. Und einmal hat die Deutsche Post den Entwurf ganz woanders hergeholt. Im Juli zweitausendzweiundzwanzig erschien eine Sondermarke mit einem Titel … der genau sagt, worum es ging. Sie hieß «Kinder malen eine Briefmarke». Rowland Hill hatte damals mehrere tausend Entwürfe abgelehnt. Gut hundertachtzig Jahre später steht auf einer Marke, dass Kinder sie gemalt haben.

Sechsfache Vergrösserung

Wie so ein Bild entsteht, hat in Deutschland ein festes Verfahren. Die Marken werden vom Bundesministerium der Finanzen herausgegeben … und dabei wirken zwei Beiräte mit. Einer für die Kunst, einer für das Programm. Und es gibt eine Vorschrift, die mir sehr gefällt. Der Entwurf eines Künstlers muss in sechsfacher Vergrößerung eingereicht werden. Sechsmal so groß. Damit man jede Einzelheit erkennen kann, bevor sie auf Daumennagelgröße schrumpft. Beim Druck geht es dann um sehr kleine Dinge. Es kommen verschiedene Techniken zum Einsatz, oft mehrere zugleich auf derselben Marke. Früher presste die Maschine das Bild mit großer Kraft ins Papier. Und dabei konnte das Papier rings um das Druckbild brechen. Sammler haben auch dafür ein Wort. Sie nennen es den Bayernbruch. Ein Fehler, der einen eigenen Namen bekommen hat.

Tre Skilling Banco und Inverted Jenny

Vor dem eigentlichen Druck werden Probedrucke gemacht. Und trotzdem geht immer wieder etwas schief. Meistens sind es kleine Abweichungen. Ein Druckgang, der ein wenig verrutscht ist. So etwas fällt niemandem auf außer den Sammlern. Große Fehler sind selten. Eine falsche Farbe zum Beispiel. Oder ein Bildteil, der verkehrt herum eingesetzt wurde. Und genau diese seltenen Fehler sind später die begehrtesten Stücke von allen. Zwei davon sind besonders berühmt. Aus Schweden gibt es einen Fehldruck, von dem nur ein einziges Exemplar bekannt ist. Er heißt Tre Skilling Banco. Und aus den Vereinigten Staaten stammt ein Fehldruck von neunzehnhundertachtzehn. Man nennt ihn die Inverted Jenny. Zu den gesuchtesten Stücken zählt außerdem die Basler Taube, von der ich vorhin erzählt habe.

Post Office und Post Paid

Zwei der bekanntesten Marken überhaupt kommen von einer kleinen Insel im Indischen Ozean. Von Mauritius. Es gibt sie in Rot und in Blau, und beide sind aus der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Die erste Serie von achtzehnhundertsiebenundvierzig trägt die Aufschrift «Post Office». Die zweite, ein Jahr später, trägt stattdessen «Post Paid». Ein Wort Unterschied. Und daran hängt seither ein ganzer Zweig des Sammelns. Es gibt eine erstaunlich lange Liste solcher Stücke, und viele tragen sehr sachliche Namen. Der Sachsen-Dreier. Der Zinnoberrote Merkur aus Österreich. Aus Baden die Neun Kreuzer blaugrün. Aus dem Fürstentum Moldau die Ochsenköpfe. Alle aus den ersten zwanzig Jahren der Briefmarke. Die Namen klingen wie Bezeichnungen aus einem Warenverzeichnis. Und dahinter stehen Farben, Zahlen und kleine Bilder … mehr nicht.

Warum man Marken nicht in Originalgrösse abbilden darf

Wo man Briefmarken abbilden darf, ist übrigens genau geregelt. Gesetze und amtliche Texte darf jeder frei abdrucken. Briefmarken gehören nicht dazu. Das Recht daran liegt bei der jeweiligen Post. Abbilden darf man sie trotzdem meistens. Aber nicht in Originalgröße. Bei deutschen Marken muss die Abbildung mindestens ein Viertel größer sein als das Original. Oder ein Zehntel kleiner. Es gibt noch eine dritte Möglichkeit. Man druckt einen schrägen schwarzen Balken über eine Ecke. Diese Methode erkennen die meisten Postverwaltungen der Welt an. Auf den Färöern ist man großzügiger. Dort darf man eine Marke unverändert zeigen. Es werden erstaunlich viele Briefmarken gedruckt. Als der Vorläufer der heutigen Bundesdruckerei achtzehnhundertneunundsiebzig anfing … lieferte er rund sechshundert Millionen Marken im Jahr. Heute druckt dieselbe Druckerei etwa vier Milliarden. Und dabei wird sehr genau hingeschaut. Entdeckt jemand in der Kontrolle eine kleine Farbabweichung oder eine Unregelmäßigkeit am Rand … dann werden diese Marken vernichtet. Und genau darum sind Fehldrucke so selten. Und darum sind sie so begehrt.

Die Marke, die klingt

Eine Marke aus jüngster Zeit möchte ich dir noch erzählen. Im Jahr zweitausendvierundzwanzig gab die Deutsche Post eine Weihnachtsbriefmarke heraus … die eine Melodie spielt. Eine Briefmarke, die klingt. Sie spielt ein Kinderlied, das viele kennen. Es heißt «In der Weihnachtsbäckerei». Damit hat dieses kleine Rechteck fast alles einmal durchgemacht. Es war aus Papier und aus Holz. Aus Stoff und aus Kunstleder. Man konnte es ertasten. Und jetzt kann man es auch hören. Es gibt sogar einen eigenen Tag für all das. Er heißt der Tag der Briefmarke. Zum ersten Mal fand er im Dezember neunzehnhundertfünfunddreißig statt, in Österreich. Und heute begehen ihn zahlreiche Länder, jedes zu seiner eigenen Zeit. In Deutschland ist es seit neunzehnhundertachtundvierzig der letzte Sonntag im Oktober. In der Schweiz meistens im Dezember. Und in Österreich meistens im Mai.

Über tausend Regierungen und Verwaltungen haben bis heute eigene Briefmarken herausgegeben. Über tausend. Und viele davon gibt es längst nicht mehr. Die Marken aber liegen noch irgendwo. In Alben, in Schachteln, in Schubladen. Jede von ihnen war einmal einfach nur eine Quittung. Und jede ist heute ein kleines Bild aus einer bestimmten Zeit. Wir sind wieder am Tisch. Die Lampe brennt noch. Der Umschlag liegt da. Die Marke klebt oben rechts, ein wenig schief. Morgen früh geht der Brief in einen Kasten. Und dann fährt er los. Er wird sortiert und gestempelt, und niemand wird ihn dabei besonders beachten. Und irgendwann liegt er in einem anderen Briefkasten. Ein Rechteck aus Papier. Ein gezackter Rand, der einmal eine Reihe von Löchern war. Und auf der Rückseite ein wenig Klebstoff. Ein kleines Stück Papier. Und der Brief kommt an. Mehr braucht es nicht. Und es funktioniert seit dem Frühling achtzehnhundertvierzig.

Und du darfst jetzt schlafen. Der Brief liegt bereit. Die Marke klebt. Und morgen nimmt ihn jemand mit. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.

Quelle und Lizenz

Dieser Text beruht auf dem Wikipedia-Artikel «Briefmarke». Die Artikel stehen unter CC BY-SA 4.0; dieser bearbeitete Text steht unter derselben Lizenz.

Verwendete Fassungen: «Briefmarke» Version 267996911, abgerufen am 3. August 2026.

Der Text wurde automatisch erstellt, gegen die Quelle geprüft und von einer computergenerierten Stimme vorgetragen – deshalb gibt es jeden Abend eine neue Folge. Verantwortlich für Themenauswahl und Stichproben ist Michael Feer. Mehr dazu unter Über Fridolin und Lizenz & Quellen.