Kometen – Ein Schweif aus Eis und Staub

Worum es in dieser Einschlafgeschichte geht
Ein dunkler Kern aus Eis und Staub zieht durch die kalte Weite des Sonnensystems.
Fridolin erzählt, wie in Sonnennähe aus einem kleinen Kern eine riesige leuchtende Hülle mit Schweifen wird.
Einschlafgeschichten in deiner Lieblings-App hören
In deiner Podcast-App liegt sie am Abend schon bereit – auch offline.
Der ganze Text dieser Einschlafgeschichte
Ein blasser Fleck am Nachthimmel
Stell dir ein Feld vor … weit draußen … hinter dem letzten Haus eines Dorfes. Der Boden ist hart gefroren. Festgetretene Erde … ein schmaler Weg … und rechts und links trockenes Gras. Es ist Nacht geworden. In der Nähe brennt kein Licht. Deine Augen brauchen eine Weile, bis sie sich daran gewöhnen. Dann siehst du mehr, als du am Anfang gesehen hast. Über dir steht der Himmel … voller Sterne … und die Sterne bleiben, wo sie sind. Sie stehen still, als hätte jemand sie festgemacht. Du kannst lange hinsehen, und nichts daran verändert sich.
Nur eine Stelle ist anders. Tief über dem Horizont steht ein heller Fleck. Er hat keine scharfe Kante … er ist nicht rund … er ist ein wenig verwischt. Und aus diesem Fleck zieht sich ein blasser Streifen nach oben. Breiter werdend … schwächer werdend … bis er im Dunkeln aufhört. Man sieht ihn nicht sofort. Man sieht ihn erst, wenn man eine Weile ruhig hingeschaut hat. Das ist ein Komet. Die Griechen der Antike haben ihm einen Namen gegeben, der Haarstern bedeutet. Im Deutschen heißt er auch Schweifstern. Ein Stern mit Haar also. Der Name beschreibt genau das, was du am Himmel siehst: einen Fleck und etwas, das von ihm ausgeht. Er zieht seine Bahn. Und er zieht sie weiter.
Der Kern aus Eis und Staub
Der Schleier über dem Horizont ist riesig. Er entsteht an einem Kometenkern, der dagegen sehr klein ist. Meist misst dieser Kern nur wenige Kilometer. Er besteht aus Eis … aus Staub … und aus lockerem Gestein. Kein fester Felsblock also. Eher ein lockerer Haufen aus diesen Stoffen. Man nennt so einen Kern deshalb oft einen schmutzigen Schneeball. Schmutzig, weil Staub und Gestein darin liegen. Schneeball, weil Eis darin steckt. Diese Bezeichnung ist weit verbreitet. Ein Forscher hat diese Vorstellung in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts zum ersten Mal aufgeschrieben. Er beschrieb den Kern als ein Gemenge aus Eis und festen Bestandteilen. Später hat eine Raumsonde nachgesehen. Sie fand in den äußeren Schichten eines Kometenkerns mehr Staub und Gestein als leicht verdampfendes Eis. Deshalb sagen manche lieber: ein eisiger Schmutzball. Die Reihenfolge der beiden Wörter hat sich also umgedreht. Das ist eine kleine Sache. Aber sie zeigt gut, wie Forschung arbeitet. Zuerst ein Bild. Dann eine Messung. Und dann ein Bild, das ein wenig besser passt.
Einschlafgeschichte weiterlesenDie restlichen 3.759 Wörter, Wort für Wort wie Fridolin es erzählt
Das Eis in so einem Kern ist nicht nur gefrorenes Wasser. Es steckt auch Trockeneis darin … das ist gefrorenes Kohlendioxid. Dazu gefrorenes Kohlenmonoxid … Methan … Ammoniak. Und zwischen all dem Eis liegen kleine Körner aus Staub und Mineralien. Silikate zum Beispiel … oder Nickeleisen. Es ist ein Stoffgemisch, wie es weit draußen entsteht, wo es sehr kalt ist. Diese leicht flüchtigen Eise bleiben nur dort draußen fest. In Sonnennähe wären sie längst verschwunden. Dass sie überhaupt noch da sind, sagt also schon etwas über den Ort, an dem sie entstanden sind.
Die dunkle Oberfläche des Kometen
Obwohl der Fleck am Himmel hell erscheint, ist der Kern selbst sehr dunkel. Eine Raumsonde ist an einem berühmten Kometen vorbeigeflogen und hat gemessen, wie viel Licht seine Oberfläche zurückwirft. Dieser Anteil heißt Albedo. Er lag bei ungefähr vier Prozent. Zum Vergleich: Asphalt wirft etwa sieben Prozent zurück. Kometenkerne gehören damit zu den schwärzesten Körpern des Sonnensystems. Ein Kometenkern wirft also noch weniger Licht zurück als Asphalt. Er ist dunkler als das, was wir uns unter dunkel vorstellen. Bei diesem Vorbeiflug fand die Raumsonde auch winzige Teilchen, die reich an Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff sind. Man nennt sie CHON-Teilchen. Der Name setzt sich aus den Kürzeln für Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff zusammen … C … H … O … N. Vielleicht stammen sie aus einer dünnen Rußschicht, die über dem Kern liegt. Das würde erklären, warum er so wenig Licht zurückwirft. Eine dunkle Kruste über einem Kern aus Eis. Ein Körper aus Eis und Staub also, der kaum Licht zurückgibt.
Die kalten Vorratskammern
Kometen sind alt. Sie sind Überreste aus der Zeit, in der das Sonnensystem entstanden ist. Gebildet haben sie sich in den äußeren, kalten Bereichen … überwiegend jenseits der Bahn des Neptun. Dort wurden aus Verbindungen von Wasserstoff und Kohlenstoff sofort feste Eise. Es war so kalt, dass diese Stoffe den flüssigen Zustand übersprungen haben. Vom Gas gleich zum Eis. Ohne Tropfen dazwischen. Einige Kometen stammen sogar aus anderen Sternsystemen. Sie sind vorbeigekommen … und die Schwerkraft der Sonne hat sie behalten.
Wie kalt es dort draußen war, kann man an den Stoffen ablesen, die sich gehalten haben. Unter hundert Kelvin muss es gewesen sein. Das sind rund hundertsiebzig Grad unter null. Man liest die Temperatur also nicht ab. Man erschließt sie aus dem, was übrig geblieben ist. In der Frühzeit haben die vier großen Gasplaneten viele der kleinen Körper eingesammelt. Andere wurden von ihrer Schwerkraft weggeschleudert … so weit, dass sie das Sonnensystem verließen. Etwa ein Zehntel der weggeschleuderten Körper blieb auf sehr fernen Bahnen an die Sonne gebunden. Aus ihnen wurde die Oortsche Wolke … eine sehr weit außen liegende Ansammlung von Kometenkernen. Weggeschleudert, aber nicht ganz fort. Weit draußen, und doch noch zur Sonne gehörend.
Die Schwerkraft der großen Planeten verstreute die Körper, die näher an der Sonne blieben, weniger stark. Sie kreisen bis heute jenseits der Neptunbahn. Diesen flachen Ring nennt man den Kuipergürtel. Die Oortsche Wolke und der Kuipergürtel sind die beiden großen Vorratskammern. Wie viele Kometen dort liegen, weiß niemand genau. Es könnten Milliarden sein. Sie ziehen ihre Runden im Dunkeln … kalt … lichtlos … und ohne Schweif. Ohne Schweif. Denn dort draußen gibt es nichts, was einen Schweif machen würde. Er zieht seine Bahn. Und er zieht sie weiter.
Der Weg zur Sonne
Ab und zu wird einer dieser Kometen nach innen gelenkt. Bei den Kometen aus dem Kuipergürtel vermutet man Zusammenstöße als Ursache. Bruchstücke geraten dabei nach innen. Wie es bei der Oortschen Wolke geschieht, ist noch nicht bekannt. Man denkt an kleine Unterschiede in der Anziehung naher Sterne. Solche Unterschiede nennt man Gezeitenkräfte. Auch die Anziehung größerer Körper weit draußen könnte die Bahnen verändern. Dort genügt schon eine schwache zusätzliche Kraft. Ein kleiner Stoß genügt, und die Bahn eines Körpers ändert sich. Eine langgestreckte Bahn zur Sonne hin … das ist die Folge.
Koma und Wasserstoffhülle
Dann beginnt eine sehr lange Reise nach innen. Und irgendwann kreuzt der Kern die Bahn des Jupiter. Das ist ungefähr fünf Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt. Eine Astronomische Einheit … das ist der Abstand zwischen der Erde und der Sonne. Fünf solcher Abstände liegen also zwischen der Sonne und dieser Stelle. Hier wird es zum ersten Mal spürbar wärmer. Und hier bildet sich um den Kern eine nebelige Hülle. Sie heißt Koma. Der kleine dunkle Kern bekommt also eine Hülle. Er bleibt, was er war, und sieht doch anders aus. Die Koma entsteht durch Sublimation. Sublimation heißt: Ein fester Stoff geht direkt in Gas über … ohne vorher flüssig zu werden. Auf der Seite, die zur Sonne zeigt, verwandelt sich das leicht flüchtige Eis also in Gas. Und das Gas reißt die eingebetteten Staubteilchen mit nach draußen. Das geschieht nicht überall. Nach den Messungen einer Raumsonde gast nur etwa ein Zehntel bis ein Siebtel der Oberfläche aus. Die Stoffe entweichen an brüchigen Stellen der schwarzen Kruste. Der Rest bleibt zu. Es sind einzelne Quellen … keine gleichmäßige Wolke. Der größte Teil der Oberfläche gibt also nichts ab. Nur an wenigen Stellen tritt etwas aus.
Die Moleküle, die dort austreten, bilden zuerst die innere Koma. Dann werden die Moleküle durch die Sonnenstrahlung weiter erwärmt. Ein Teil zerfällt, ein Teil verliert Elektronen. So wächst die sichtbare Koma. Diese Koma kann man von der Erde aus sehen. Sie kann zwei bis drei Millionen Kilometer weit reichen. Aus einem Kern von wenigen Kilometern wird auf diese Weise ein Nebel von Millionen Kilometern. Das ist der Grund, warum du den Fleck überhaupt siehst. Nicht der Kern ist groß, sondern das, was ihn umgibt. Kern und Koma zusammen nennt man den Kopf des Kometen. Um die Koma liegt eine weitere, sehr große Hülle aus einzelnen Wasserstoffatomen. Unsere Augen können sie nicht sehen, denn sie leuchtet nur im ultravioletten Licht. Bei einem hellen Kometen im Jahr neunzehnhundertsiebenundneunzig maß diese Hülle hundertfünfzig Millionen Kilometer im Durchmesser. Von der Erde aus kann man sie nicht beobachten. Die Ozonschicht lässt diese Strahlung nicht durch. Man muss dafür über die Atmosphäre hinaus. Es gibt also einen Teil des Kometen, den wir nur von oben kennen. Von unten, vom Feld aus, bleibt er unsichtbar. Er ist trotzdem da.
Zwei Schweife aus Licht und Teilchen
Und näher an der Sonne entsteht das, wofür man den Kometen kennt: sein Schweif. Er bildet sich in einer Entfernung von weniger als zwei Astronomischen Einheiten. Der Schweif entsteht, weil die Sonne die Koma davonbläst. Zwei Kräfte tun das: der Druck des Sonnenlichts … und der Sonnenwind. Der Sonnenwind ist ein Strom kleiner geladener Teilchen, der von der Sonne ausgeht. Der Komet macht ihn sichtbar. Er hält ihm etwas hin, das sich davontragen lässt. Er zieht seine Bahn. Und er zieht sie weiter. Genau genommen sind es zwei Schweife. Der eine ist schmal und langgestreckt. Er besteht vor allem aus geladenen Molekülen … und heißt deshalb Plasmaschweif. Für diese Teilchen reicht der Druck des Lichts als Erklärung nicht aus. Ein Forscher hat darum in den fünfziger Jahren eine Teilchenströmung von der Sonne vermutet. Heute nennen wir sie Sonnenwind. Der Sonnenwind trägt das Magnetfeld der Sonne nach außen. Dieses Feld erfasst die geladenen Moleküle aus der Koma und führt sie in den Plasmaschweif. Eine Vermutung also, aus der ein feststehender Begriff geworden ist. Der Name ist geblieben.
Der zweite Schweif sieht ganz anders aus. Er ist breiter … diffuser … und er ist gekrümmt. Er besteht aus Staub. Die Staubkörner sind so klein, dass der Druck des Sonnenlichts sie merklich schiebt. Dieser Druck zeigt von der Sonne weg. Die Schwerkraft zeigt zur Sonne hin. Das eine schwächt das andere ab. Für ein Staubkorn wirkt die Sonne dadurch leichter, als sie ist. Und weil der Druck von der Größe des Korns abhängt, werden kleine und größere Staubkörner unterschiedlich stark von der Sonne fortgeschoben. Deshalb verteilen sie sich auf verschiedene Bahnen … und der Staubschweif fächert auf. Der Plasmaschweif bleibt dagegen schmal. Zwei Schweife am selben Kometen also. Einer schmal und langgestreckt, einer breit und gebogen.
Auf größere Staubteilchen wirkt der Lichtdruck noch auf eine zweite Weise. Er bremst ihre Bewegung auf der Bahn um die Sonne. Dadurch können die Teilchen ihre bisherige Umlaufbahn nicht halten. Über sehr lange Zeit geraten sie auf immer engere Bahnen und wandern nach innen. So geht es dem übrigen Staub zwischen den Planeten auch. Es ist eine sehr langsame Bewegung. Aber sie hört nicht auf, solange die Sonne scheint. Nichts daran ist heftig. Es geschieht nur sehr lange. Und manchmal sieht man einen dritten Schweif. Er zeigt scheinbar zur Sonne hin. Man nennt ihn den Gegenschweif. In Wahrheit ist er gar kein eigener Schweif. Wenn die Erde durch die Bahnebene des Kometen läuft, sieht man den gekrümmten Staubschweif von der Kante her. Ein Teil von ihm ragt dann scheinbar über den Kopf hinaus. Es ist nur die Blickrichtung. Ein Trick der Geometrie … kein neues Ding am Himmel. Man sieht dasselbe wie vorher. Nur aus einer anderen Richtung.
Bei seinem ersten Sonnendurchgang verliert ein Komet geschätzt zehn bis fünfzig Tonnen Material pro Sekunde. Das klingt nach viel. Verglichen mit seiner Gesamtmasse ist das wenig: deutlich weniger als ein Prozent pro Durchgang. Im riesigen Schweif ist dieses Material deshalb nur sehr dünn verteilt. Die Schweife sehen groß aus, und sie sind auch groß. Aber sie enthalten sehr wenig Stoff. Warum leuchten sie dann so hell? Weil die vielen mikroskopisch kleinen Staubteilchen zusammen eine riesige Oberfläche haben. Jedes dieser Staubteilchen wirft Sonnenlicht zurück. Im Plasmaschweif tragen sogar einzelne Atome zum Leuchten bei. Viel Fläche, wenig Stoff. Darin liegt die ganze Erklärung. In einem alten Lied aus dem neunzehnten Jahrhundert steht dieser Gedanke schon. Dort heißt es: Sehr wenig Masse füllt einen sehr großen Raum.
Und wie lang wird so ein Schweif? Meistens einige zehn Millionen Kilometer. Bei großen Kometen, die der Sonne nahe kommen, können es mehrere hundert Millionen Kilometer sein. Beim Großen Kometen von siebzehnhundertvierundvierzig wurde eine Schweiflänge von zweiundfünfzig Millionen Kilometern berechnet. Er blieb monatelang sichtbar, während sich die Form seiner Koma immer wieder veränderte. Über Monate hinweg dasselbe Objekt am Himmel. Und doch nie ganz dasselbe Bild.
Bahnen, Namen und lange Umläufe
Jetzt zu den Bahnen. Denn nicht jeder Komet kommt wieder. Man teilt sie zuerst grob in zwei Gruppen. Die einen laufen auf einer Bahn, die sie nicht zurückführt. Sie kommen einmal … und verschwinden dann aus dem inneren Sonnensystem. Die anderen kehren zurück, weil ihre Bahn geschlossen ist. Man nennt sie periodische Kometen. Bei ihnen gibt es noch einmal zwei Familien. Die Grenze zwischen beiden liegt bei zweihundert Jahren Umlaufzeit. Eine gesetzte Grenze. Sie ordnet, mehr will sie nicht. Die langperiodischen Kometen brauchen mehr als zweihundert Jahre für eine Runde. Sie kommen vermutlich aus der Oortschen Wolke. Ihre Bahnen sind nach allen Richtungen geneigt. Manche laufen im selben Umlaufsinn wie die Planeten … andere genau dagegen. Sie sind an die Sonne gebunden. Aber manche brauchen für einen einzigen Umlauf bis zu hundert Millionen Jahre. Ein Komet, der heute über deinem Feld steht, ist also sehr lange unterwegs gewesen. So lange kann eine einzige Runde dauern.
Die kurzperiodischen Kometen brauchen weniger als zweihundert Jahre. Sie stammen vermutlich aus dem Kuipergürtel. Ihre Bahnen liegen meist nahe an der Ebene, in der auch die Planeten laufen. Im Mittel sind sie nur um etwa zwanzig Grad geneigt. Bei mehr als der Hälfte von ihnen liegt der sonnenfernste Punkt der Bahn in der Nähe der Jupiterbahn. Diesen Punkt nennt man das Aphel. Man spricht deshalb von der Jupiter-Familie. Ursprünglich hatten diese Kometen längere Umlaufzeiten. Die Schwerkraft des Jupiter hat ihre Bahnen umgeformt. Aus langen Runden wurden so kürzere. Der Planet hat mitgeformt, was der Komet heute tut. Die Form einer Bahn kann man ausrechnen. Aber man braucht Geduld dafür. Es gibt drei Möglichkeiten: die Ellipse … die Parabel … und die Hyperbel. Die Ellipse ist geschlossen. Der Komet kommt wieder. Die Parabel und die Hyperbel sind offen. Der Komet käme nicht wieder. Die Parabel ist dabei nur ein rechnerischer Grenzfall. In der Natur kommt sie nicht wirklich vor. Jede noch so kleine Störung macht aus ihr eine Ellipse oder eine Hyperbel. Die Parabel markiert nur die rechnerische Grenze zwischen einer geschlossenen und einer offenen Bahn.
Bei einem neu entdeckten Kometen kennt man zunächst nur ein kurzes Stück der Bahn. Aus einem kurzen Stück sieht eine sehr langgestreckte Ellipse genauso aus wie eine Parabel. Darum wird am Anfang oft eine Parabel angenommen. Bei kurzen Beobachtungen wirkten viele Bahnen parabelförmig. Nach monatelanger Beobachtung waren es nur noch wenige. Je länger man beobachtet, desto klarer erkennt man meist die geschlossene Ellipse. Jeder neue Komet bekommt auch einen Namen. Er besteht zuerst aus dem Jahr der Entdeckung und einem großen Buchstaben. Der Buchstabe steht für den halben Monat. Das A für die erste Hälfte des Januars … das B für die zweite … und so weiter bis zum Y in der zweiten Dezemberhälfte. Das I wird übersprungen, damit man es nicht mit einer Eins verwechselt. Dazu kommt eine Zahl, falls im selben halben Monat mehrere gefunden wurden. Und dann trägt ein Komet meistens noch die Namen derer, die ihn entdeckt haben. Ein Jahr, ein Buchstabe, manchmal eine Zahl, dazu ein Name. Mehr braucht es nicht.
Das war nicht immer so ruhig geregelt. Im Altertum und im Mittelalter galten Kometen als Boten. Sie tauchten plötzlich auf und verhielten sich anders als alles andere am Himmel. Gelehrte der Antike hielten sie für Ausdünstungen der Erdatmosphäre. Für etwas, das ganz nah über uns geschieht. Diese Vorstellung hat sehr lange gehalten. Und sie zu widerlegen, war eine Frage der Entfernung. Man musste zeigen, wie weit weg so ein Komet wirklich ist. Ein Forscher hat das getan. Er beobachtete den Kometen des Jahres fünfzehnhundertsiebenundsiebzig sehr sorgfältig. Und er zeigte: Dieser Komet muss mindestens zweihundertdreißig Erdradien entfernt sein. Damit war er weit außerhalb der Luft, die wir atmen. Es dauerte trotzdem noch viele Jahrzehnte, bis sich das durchsetzte. Selbst berühmte Forscher haben lange widersprochen. Ein neuer Gedanke braucht Zeit … und Kometen kommen selten. Man kann eben nicht einfach warten, bis der nächste vorbeikommt.
Etwa hundert Jahre vor dem Kometen von fünfzehnhundertsiebenundsiebzig war schon etwas anderes geschehen. Ein Gelehrter versuchte zum ersten Mal, die Bahn eines Kometen zu vermessen … statt ihn nur zu deuten. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch die älteste gedruckte Schrift über Kometen. Sie erschien zuerst in Beromünster und zwei Jahre später noch einmal in Venedig. Ein kleines Heft also, das über die Alpen gewandert ist. Gedruckt an einem kleinen Ort, gelesen weit darüber hinaus. Den entscheidenden Schritt machte dann Edmond Halley. Er beobachtete einen Kometen im Jahr sechzehnhundertzweiundachtzig … und verglich ihn mit älteren Berichten. In diesen Berichten erkannte er denselben Kometen wieder. Immer im Abstand von ungefähr sechsundsiebzig Jahren. Es war also kein neuer Stern, sondern ein alter Bekannter auf einer langgestreckten Ellipse. Der Komet trägt heute seinen Namen. Wir nennen ihn den Halleyschen Kometen. Ein wiederkehrender Komet. Und ein Mensch, der seine Wiederkehr in alten Berichten erkannt hatte.
Ein Forscher hat die Bahn des Halleyschen Kometen später noch einmal ganz neu berechnet. Er nahm dafür alte Beobachtungsdaten aus dem siebzehnten Jahrhundert. Bei der Wiederkehr im Jahr achtzehnhundertfünfunddreißig beobachtete er den Kometen selbst … und zeichnete, was er sah. Daraus entstand seine Vermutung über den Schweif. Feinstes Material verdampfe in Sonnennähe, meinte er, und werde dann von Kräften der Sonne fortgetrieben. Der Grundgedanke war richtig. Nicht alle seine Zeitgenossen sahen das so. Er hat gezeichnet, gerechnet und daraus geschlossen. Das war schon fast der heutige Gedanke.
Wie Kometen entdeckt und beobachtet werden
Heute werden Kometen ganz anders gefunden. Bis zum Jahr neunzehnhundert entdeckte man etwa fünf bis zehn neue im Jahr. Inzwischen sind es deutlich mehr. Das liegt an automatischen Himmelsdurchmusterungen, bei denen Kameras große Bereiche des Himmels immer wieder absuchen, und an Beobachtungen von Raumsonden. Wirklich eindrucksvoll sind aber nur wenige. Etwa zehn pro Jahrhundert. Alle anderen bleiben ein blasses Fleckchen im Fernrohr. Viele Funde, wenige Anblicke. Beides gehört zusammen. Er zieht seine Bahn. Und er zieht sie weiter. Es gibt trotzdem Menschen, die von Hand suchen. Besonders viele in Japan und in Australien. Der erfolgreichste von ihnen war William Bradfield, ein Neuseeländer. Über viele Jahre suchte er etwa hundert Stunden jährlich am Dämmerungshimmel … und entdeckte siebzehn Kometen. Hundert Stunden in der Dämmerung. Jahr für Jahr. Die siebzehn Kometen tragen heute auch seinen Namen. Geduld am Himmel. Immer wieder in derselben kurzen Zeit zwischen Tag und Nacht.
Wenn du selbst schauen willst, brauchst du kein großes Fernrohr. Ein lichtstarker Feldstecher ist besser. Denn ein Komet ist kein Punkt. Er ist eine Fläche … und Flächen werden bei starker Vergrößerung dunkler. Man will darum wenig Vergrößerung und viel Licht. Das Lichtbündel, das aus dem Okular, also dem augenseitigen Ende des Feldstechers, kommt, soll etwa sieben Millimeter breit sein. Genau so weit öffnet sich deine Pupille, wenn sie sich an die Dunkelheit gewöhnt hat. Auge und Gerät passen dann zusammen. Nichts vom Licht geht verloren. Fotografieren lässt sich ein Komet auch. Nur ist es nicht ganz leicht. Der Schweif ist viel schwächer als die Koma. Man braucht ein Stativ … eine große Öffnung … und eine empfindliche Kamera. Die Entfernung stellt man einfach auf unendlich. Und man muss nachführen, weil sich die Erde dreht. Bei lichtschwachen Kometen genügt das nicht einmal. Dann führt man nicht den Sternen nach, sondern dem Kometen selbst … denn er bewegt sich vor ihnen. Man folgt also nicht dem Himmel, sondern diesem einen Punkt darin.
Bei langen Belichtungen wird der Bildsensor warm. Und mit der Wärme kommt das Rauschen. Man kann ihn kühlen. Oder man macht viele kurze Aufnahmen und legt sie hinterher übereinander. Dieses Verfahren heißt Stacking. Am Ende steht ein einziges Bild mit viel mehr Licht darin. Mit der Farbtemperatur stellst du ein, ob das Bild kühler oder wärmer wirkt. Rund viertausendeinhundert Kelvin entsprechen hier dem Licht des Vollmondes. Höhere Werte machen das Bild rötlicher. Kleine Einstellungen also. Aber sie entscheiden, wie das Bild am Ende wirkt. Einige Kometen haben wir aus der Nähe gesehen. Eine Sonde brachte Teilchen aus einer Koma zur Erde zurück. Sie kamen in einem Labor an … und standen dort für Untersuchungen bereit. Und im Jahr zweitausendvierzehn setzte eine Sonde zum ersten Mal sanft auf einem Kometenkern auf. Dieser Kern ist etwa vier Kilometer groß. Ein sehr kleiner, sehr alter Körper. Und wir sind dort gelandet. Ein Körper aus der Frühzeit des Sonnensystems, berührt von etwas, das wir gebaut haben.
Kometen, Staub und Sternschnuppen
Mit jedem Umlauf verliert ein Komet ein wenig von sich. Vor allem die flüchtigen Stoffe in der äußeren Schicht des Kerns. Je näher der sonnennächste Punkt seiner Bahn an der Sonne liegt, desto stärker ist der Verlust. Diesen Punkt nennt man das Perihel. Nach einigen tausend Umläufen ist der Kern kaum noch als Kern zu erkennen. Das ist deutlich kürzer als das Alter des Sonnensystems. In Sonnennähe setzt der Kern immer wieder Gas und Staub frei. Der Komet löst sich allmählich auf. Er gibt dabei Material ab … Umlauf für Umlauf. Sehr langsam, und ohne Aufhören. Manchmal zerfällt ein Komet plötzlich. Ein Komet im neunzehnten Jahrhundert hat sich auf diese Weise geteilt. Es kann auch langsamer geschehen. Die Teilchen verteilen sich nach und nach entlang der alten Bahn. Aus dem Kometen wird ein sehr dünner Ring aus Staub, der weiter um die Sonne läuft. Wenn die Erde die Bahn eines solchen Staubrings kreuzt, trifft sie auf den Staub. Dann entsteht ein wiederkehrender Sternschnuppenstrom. Immer wieder zur selben Zeit im Jahr. Denn die Erde kreuzt die Stelle stets aufs Neue.
Die Körnchen verglühen in der Luft … und wir nennen sie Sternschnuppen. Die bekanntesten Ströme sind die Perseiden und die Leoniden. Ein Astronom hat vor langer Zeit gezeigt, dass solche Sternschnuppenströme aus dem Staub von Kometen entstehen. Das Material verglüht dabei fast immer vollständig. Einen Meteoriten, der zweifelsfrei von einem Kometen stammt, hat man bis heute nicht gefunden. Der Staub gelangt bis in unsere Atmosphäre. Den Erdboden erreicht er fast nie. Es gibt auch Körper, bei denen man sich nicht sicher ist. Manche Objekte gelten als Asteroiden, obwohl sie vielleicht ausgebrannte Kometenkerne sind. Bedeckt von einer dicken Schicht aus schwer flüchtigem Material. Ein Objekt hat sogar die Seite gewechselt. Es war als Asteroid eingeordnet. Dann entdeckte man um ihn herum eine Koma. Seitdem wird er als Komet geführt. Die Grenze zwischen beiden Gruppen ist eben nicht überall scharf. Manchmal ändert sich nicht der Körper, sondern das, was wir über ihn wissen.
Offene Fragen
Und es bleiben Fragen offen. Das ist schön, finde ich. Die Zusammensetzung der Koma versteht man inzwischen gut, weil man ihr Licht zerlegen kann. Über die Moleküle im Kern selbst weiß man dagegen sehr wenig. Vielleicht liegen dort organische, also kohlenstoffhaltige Moleküle. Einige könnten noch komplexer sein als jene, die man in Meteoriten gefunden hat. In nachgebauten Kometen im Labor hat man immerhin sechzehn verschiedene Aminosäuren gefunden. Im Labor nachgebaut. Nicht am Kometen selbst gemessen. Deshalb hoffen manche Forscher sehr auf die Kometen. Einige Vorstellungen zur Entstehung des Lebens gehen davon aus, dass solche Moleküle von außen gekommen sind. Auch beim Wasser ist die Frage offen. Die Erde hat mehr davon als die anderen Körper in ihrer Nähe. Ob Kometen daran beteiligt waren, ist nicht entschieden. Die bisherigen Messungen passen nicht recht zusammen. Vielleicht waren die bisher gemessenen Kometen nicht typisch für die ganze Gruppe. Eine offene Frage also. Mehr lässt sich heute nicht sagen.
Und noch etwas ist ungeklärt. Die Kometen aus der Oortschen Wolke sind nach heutiger Vorstellung näher an der Sonne entstanden als die aus dem Kuipergürtel. Wenn das stimmt, müsste man Unterschiede in ihrer Zusammensetzung finden. Man sucht danach. Es ist eine ruhige Art von Suchen. Sie dauert Jahrzehnte … und niemand hat es eilig damit. Man stellt eine Frage. Und man lässt ihr Zeit.
Zurück auf dem Feld
Jetzt sind wir wieder auf dem Feld. Der Boden ist hart gefroren. Der schmale Weg liegt vor dir. Das trockene Gras steht still. Über dem Horizont steht der blasse Fleck. Und der Streifen zieht sich nach oben ins Dunkle. Du weißt jetzt, was du da siehst. Einen dunklen Kern von wenigen Kilometern … eine Hülle aus Gas … und Staub, der vom Licht fortgetragen wird. Mehr ist es nicht. Und doch steht es hell über dem Horizont. Fast nichts. Weit verteilt. Und darum hell. Der Komet ist sehr lange unterwegs gewesen, bis er über diesem Feld erschien. Und ob er wiederkommt, ist hier nicht zu sagen. Vielleicht dauert es sehr lange. Vielleicht siehst du ihn nur dieses eine Mal. Das ist in Ordnung. Er weiß nichts von uns … und er hat es nicht eilig. Er zieht seine Bahn. Und er zieht sie weiter.
Die Sterne bleiben, wo sie sind. Der Fleck steht tief. Der Streifen wird blasser nach oben hin. Die Luft ist kalt und ruhig. Nichts muss jetzt geschehen. Er zieht seine Bahn. Und er zieht sie weiter. Und du darfst jetzt schlafen. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.
Quelle und Lizenz
Dieser Text beruht auf dem Wikipedia-Artikel «Komet». Die Artikel stehen unter CC BY-SA 4.0; dieser bearbeitete Text steht unter derselben Lizenz.
Verwendete Fassungen: «Komet» Version 269879023, abgerufen am 9. September 2026.
Der Text wurde automatisch erstellt, gegen die Quelle geprüft und von einer computergenerierten Stimme vorgetragen – deshalb gibt es jeden Abend eine neue Folge. Verantwortlich für Themenauswahl und Stichproben ist Michael Feer. Mehr dazu unter Über Fridolin und Lizenz & Quellen.