Gute Nacht mit Fridolin – zur Startseite

Folge 68 · 29. September 2026 · 39 Minuten

Der Kalender, der mit der Sonne zählt

Fridolin sitzt auf einer Wolke und hält einen Bogen mit Tabellenlinien und Mondsymbolen. Warmes Licht fällt auf ihn, umgeben von weichen Wolken und goldenen Sternen am dunkelblauen Himmel.

Worum es in dieser Einschlafgeschichte geht

Hinter einem Kalenderblatt liegen ausgelassene Tage, Schaltjahre und ein Rhythmus, der sich erst nach vierhundert Jahren wiederholt.

Fridolin erzählt, wie Menschen die Zahlen des Kalenders ordneten, damit sie wieder näher am Lauf der Sonne liegen.

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Der ganze Text dieser Einschlafgeschichte

4.044 Wörter · rund 20 Minuten zum Lesen, Mitlesen oder Vorlesen

Ein Kalender an der Wand

Stell dir ein Zimmer vor … nicht groß … mit hellen Wänden. Der Boden ist aus Holz … und an einer Stelle sind die Dielen blank gelaufen. Dort geht jemand jeden Tag vorbei. Es ist Abend geworden. Draußen wird das Licht schon weniger. An einer der Wände hängt ein Kalender aus Papier. Ein Blatt für jeden Monat … und auf dem Blatt stehen Zahlen in Reihen. Sieben Spalten in der Breite … für die sieben Tage der Woche. Unter den Zahlen ist ein wenig Platz zum Schreiben. Für einen Termin … für einen Namen … für einen Geburtstag. Mehr ist da nicht. Ein Blatt … und Zahlen darauf. Ein Nagel in der Wand, der es hält. Und doch hängt dort eines der geduldigsten Werke, die Menschen gebaut haben.

Vielleicht hat jemand einen Tag angekreuzt. Vielleicht ist ein Tag durchgestrichen … weil er vorbei ist. Vielleicht sind die ersten Tage des Monats schon weggestrichen … und die letzten stehen noch ganz unberührt da. Ein Tag kommt … und ein Tag geht. Und der Kalender zählt mit. Er zählt weiter, wenn niemand hinsieht. Er zählt weiter, wenn das Zimmer leer ist. Er zählt weiter, wenn alle schlafen. Am Ende des Monats wird das Blatt umgeschlagen … und darunter liegt schon das nächste. Von diesem Zählwerk aus Papier möchte ich dir heute erzählen. Nicht von den Terminen, die darin stehen … sondern von den Zahlen selbst. Davon, wie sie geordnet sind. Und davon, wer sie einmal geordnet hat.

Warum der julianische Kalender abwich

Der Kalender an der Wand hat einen Namen. Er heißt gregorianischer Kalender. Man nennt ihn auch den bürgerlichen Kalender … weil er der Kalender des Alltags ist. Es ist der Kalender, der auf der Welt am meisten gebraucht wird. Er steht auf dem Blatt an der Wand. Er steht im Telefon auf dem Nachttisch. Er steht auf der Fahrkarte in der Manteltasche … und auf dem Brief, der heute gekommen ist. Man sieht ihn so oft, dass man ihn gar nicht mehr bemerkt. Und er ist jünger, als man denken würde. Er entstand gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts … aus der Reform eines älteren Kalenders. Sein Name kommt von einem Papst, der diese Reform im Jahr fünfzehnhundertzweiundachtzig anordnete.

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Der ältere Kalender heißt der julianische Kalender. Er wurde im Jahr sechsundvierzig vor unserer Zeitrechnung geschaffen … und er hat lange gehalten. Mehr als anderthalbtausend Jahre. Beide sind Sonnenkalender. Das heißt: Sie richten sich nach dem Jahr der Sonne. Nach der Zeit, in der die Jahreszeiten einmal ganz herumgehen. Der Frühling soll im Kalender dort stehen, wo draußen der Frühling ist. Der Winter dort, wo draußen der Winter ist. Die Aussaat soll dort liegen, wo die Erde weich wird. Die Ernte dort, wo das Korn trocken ist. Das ist die ganze Aufgabe eines Sonnenkalenders. Sie klingt leicht. Und sie ist es nicht. Weil die Zahlen nicht aufgehen.

Ein Kalenderjahr muss aus ganzen Tagen bestehen. Man kann einen Tag nicht in der Mitte durchschneiden und die eine Hälfte ins nächste Jahr legen. Ein Datum gilt für einen ganzen Tag. Von einem Morgen bis zum nächsten. Das Jahr der Sonne aber besteht nicht aus ganzen Tagen. Es ist dreihundertfünfundsechzig Tage lang … und dazu kommt ein Rest. Dieser Rest ist ungefähr ein Vierteltag. Also etwa sechs Stunden. Der julianische Kalender löste das mit einer einfachen Regel. Drei Jahre mit dreihundertfünfundsechzig Tagen … dann ein Jahr mit dreihundertsechsundsechzig. Ein Schaltjahr, alle vier Jahre. Vier mal sechs Stunden sind ein Tag … und dieser Tag wird eingeschoben. Im Mittel ergibt das dreihundertfünfundsechzig Tage und ein Viertel. Eine klare Regel. Man kann sie im Kopf behalten.

Nur: dreihundertfünfundsechzig Tage und ein Viertel sind etwas zu viel. Das Jahr der Sonne ist kürzer. Um etwa elf Minuten. Elf Minuten im Jahr. Das ist die Zeit, in der Wasser heiß wird … oder ein Brief geschrieben ist. Es ist die Zeit, die man braucht, um ein Zimmer aufzuräumen. Oder die man am Fenster steht, ohne etwas zu tun. Niemand bemerkt elf Minuten. Aber ein Kalender vergisst nichts. Er legt die elf Minuten jedes Jahr dazu … und was dazukommt, bleibt liegen. Nach etwa einhundertachtundzwanzig Jahren ist daraus ein ganzer Tag geworden. Ein Tag, um den der Kalender dem Lauf der Sonne nachhinkt. Das ist länger als ein Menschenleben. Niemand erlebt dieses Sammeln von Anfang bis Ende. Und danach beginnt es von vorn.

Man konnte das im Frühling sehen. Als Ausgangspunkt der Rechnung diente eine Festlegung aus dem vierten Jahrhundert. Damals wurde der einundzwanzigste März als Tag des Frühlingsanfangs bestimmt. Im Kalender blieb der Frühlingsanfang seither auf diesem Tag stehen. Am Himmel aber kam er von Jahrhundert zu Jahrhundert früher. Im Jahr fünfzehnhundertzweiundachtzig fiel der astronomische Frühlingsanfang auf den elften März. Gegenüber diesem Ausgangspunkt im vierten Jahrhundert betrug der Abstand also zehn Tage. So viel Zeit hatte der julianische Kalender gebraucht, um sich vom Lauf der Sonne zu entfernen. Elf Minuten im Jahr … und am Ende zehn Tage. Kein Bruch. Kein Ruck. Ein Abrücken, das in einem einzelnen Menschenleben niemand sieht.

Der Frühlingsanfang war nicht der einzige Grund für die Reform. Es ging auch um das Osterdatum. Ostern wird nach zwei Dingen bestimmt. Nach dem Frühlingsanfang … und nach dem Frühlingsvollmond, dem ersten Vollmond der neuen Jahreszeit. Für den Mond gibt es dabei eine Periode von neunzehn Jahren. Man nennt sie den Mondzirkel. Nach neunzehn Jahren fallen die Mondphasen wieder auf dieselben Tage. Nur ist auch das nicht ganz genau. Der Fehler beträgt etwa einen Tag in dreihundertzehn Jahren. Auch hier war der Ausgangspunkt die Festlegung aus dem vierten Jahrhundert. Seit damals hatte sich die Mondrechnung um ungefähr drei Tage verschoben. Deshalb wurde bei der Reform neben der Sonnenregel auch die Berechnung der Mondphasen angepasst. Sie wurde um diese drei Tage verschoben. Der Kalender bekam also zwei Korrekturen. Eine für die Sonne … und eine für den Mond.

Stell dir zwei Uhren vor … in einem Zimmer … an derselben Wand. Beide zeigen dieselbe Stunde, als man sie aufhängt. Eine von beiden geht eine Winzigkeit langsamer. So wenig, dass man es an einem Tag nicht messen kann. Man kann davorstehen und warten. Man sieht es nicht. Am Ende des Jahres sind es elf Minuten. Nach einhundertachtundzwanzig Jahren ist es ein ganzer Tag. Genau das war der julianische Kalender. Eine Uhr, die um Haaresbreite nachging. Ein Tag kommt … und ein Tag geht. Und der Kalender zählt mit.

Zehn Tage fehlen

Und dann beseitigte man die angesammelte Abweichung auf einmal. Im Jahr fünfzehnhundertzweiundachtzig ließ man zehn Kalendertage aus. Man wählte dafür den Oktober. Das hatte einen praktischen Grund. Der Kalender enthielt für diesen Monat vergleichsweise wenige Festtage … und so störte das Auslassen dort am wenigsten. Auf Donnerstag, den vierten Oktober … folgte Freitag, der fünfzehnte Oktober. Dazwischen ist nichts. Kein fünfter … kein zehnter … kein vierzehnter. Die Tage wurden nicht übersprungen wie ein Schritt über eine Pfütze. Sie wurden aus der Zählung genommen. Wer an diesem Abend einschlief, wachte an einem Morgen auf, der elf Tage weiter vorn lag. Und jetzt kommt der Teil, den ich besonders mag. Die Reihe der Wochentage blieb dabei unberührt. Der vierte Oktober war ein Donnerstag. Der fünfzehnte Oktober war ein Freitag. Auf einen Donnerstag folgte ein Freitag … so wie immer. Die Woche lief einfach weiter. Zehn Datumszahlen fielen weg … aber kein einziger Wochentag. Alle Sonntage des alten Kalenders sind auch im neuen Kalender Sonntage. Kein Mensch musste seine Woche neu lernen. Das ist ein tröstlicher Gedanke. Man hat an den Zahlen gearbeitet … und die Woche in Ruhe gelassen.

In den Ländern, die sofort umstellten, fehlen diese zehn Daten bis heute. Es gibt dort keinen achten Oktober fünfzehnhundertzweiundachtzig. Und keinen elften. Ein Jahr später war es wieder in Ordnung. Im Jahr fünfzehnhundertdreiundachtzig stand am Frühlingsanfang in diesen Ländern wieder der einundzwanzigste März. Kalender und Sonne waren wieder beieinander. Aber das allein hätte nicht genügt. Denn die elf Minuten waren ja noch da. Sie hätten sofort wieder angefangen, sich zu sammeln. Still, wie vorher. Es brauchte also nicht nur ein Aufräumen. Es brauchte eine bessere Regel.

Die drei Schaltjahrregeln

Diese Regel ist der eigentliche Kern des gregorianischen Kalenders. Sie hat drei Stufen. Und sie ist so gebaut, dass man sie an der Jahreszahl selbst ablesen kann. Man braucht keine Tafel und kein Fernrohr. Man braucht nur die Zahl des Jahres. Die erste Stufe ist die alte. Jahre, die durch vier teilbar sind, sind Schaltjahre. Sie haben einen Tag mehr. Das war schon im julianischen Kalender so … und daran wurde nichts geändert. Die zweite Stufe ist neu. In Jahren, deren Zahl durch einhundert teilbar ist, fällt der Schalttag weg. Ein solches Jahr ist zwar durch vier teilbar … aber es bekommt trotzdem keinen Schalttag. Damit wird das mittlere Jahr ein Stück kürzer. Und damit näher am Jahr der Sonne. Aber die zweite Stufe schneidet ein wenig zu viel weg. Deshalb gibt es die dritte Stufe. Jahre, deren Zahl durch vierhundert teilbar ist, sind doch Schaltjahre. Die dritte Stufe hebt die zweite wieder auf … und die zweite hatte die erste aufgehoben. Drei Regeln, eine über der anderen. Wie drei Blätter, die übereinanderliegen. Durch vier: ein Tag mehr. Durch einhundert: kein Tag mehr. Durch vierhundert: doch ein Tag mehr. Mehr ist es nicht. Und mehr braucht es auch nicht.

An den Jahrhundertwenden kann man das nachsehen. Das Jahr sechzehnhundert war ein Schaltjahr … weil sechzehnhundert durch vierhundert teilbar ist. Das Jahr zweitausend war ein Schaltjahr … aus demselben Grund. Die Jahre siebzehnhundert, achtzehnhundert und neunzehnhundert waren keine Schaltjahre. Sie sind durch einhundert teilbar … aber nicht durch vierhundert. In diesen drei Jahren gab es keinen neunundzwanzigsten Februar. Und so geht es weiter. Die Jahre zweitausendeinhundert, zweitausendzweihundert und zweitausenddreihundert werden ohne Schalttag sein. Erst zweitausendvierhundert bekommt wieder einen. Die Regel liegt schon bereit … lange vor der Zeit, für die sie gilt.

Was kommt heraus, wenn man so zählt. Man kann es ausrechnen. Die mittlere Länge eines Jahres im gregorianischen Kalender beträgt dreihundertfünfundsechzig Komma zwei vier zwei fünf Tage. Das Jahr der Sonne ist etwa dreihundertfünfundsechzig Komma zwei vier zwei zwei Tage lang. Die beiden Zahlen sind sich sehr nah. Sie unterscheiden sich erst an der vierten Stelle nach dem Komma. Im julianischen Kalender waren es dreihundertfünfundsechzig Komma zwei fünf Tage. Da lag der Unterschied schon an der zweiten Stelle. Der ganze Aufwand mit den drei Stufen holt also zwei Stellen hinter dem Komma. Zwei Stellen. Dafür drei Regeln und eine Reform. Und zwei Stellen hinter dem Komma sind, über Jahrhunderte gerechnet, ein großer Gewinn.

Der Rest, der bleibt, ist winzig. Der gregorianische Kalender verspätet sich gegenüber dem Sonnenjahr um sechsundzwanzig Komma sieben Sekunden im Jahr. Sechsundzwanzig Sekunden. Eine halbe Minute … einmal im Jahr. So lange, wie du brauchst, um dich noch einmal umzudrehen und das Kissen zurechtzuschieben. Diese halben Minuten summieren sich erst im Lauf von dreitausendzweihunderteinunddreißig Jahren zu einem ganzen Tag. Beim julianischen Kalender war das nach einhundertachtundzwanzig Jahren so weit. Aus einhundertachtundzwanzig Jahren wurden über dreitausend. Ein Tag kommt … und ein Tag geht. Und der Kalender zählt mit.

Eine kleine Schiefe ist trotzdem geblieben. Sie stammt aus der Zeit unmittelbar nach der Reform. Die zehn Tage wurden fünfzehnhundertzweiundachtzig ausgelassen. Damit stand der Frühlingsanfang wieder auf dem einundzwanzigsten März. Die neue Ausnahme für die Jahrhundertjahre griff aber erst später. Das Jahr sechzehnhundert war durch vierhundert teilbar … und blieb deshalb ein Schaltjahr, ganz wie im alten Kalender. Da war noch kein Unterschied zu sehen. Zum ersten Mal wirkte die neue Regel im Jahr siebzehnhundert. Bis dahin lief der Kalender nach der alten Rechnung weiter. Einhundertsiebzehn Jahre lang. Und in dieser Zeit sammelte sich wieder, was sich immer sammelt. Elf Minuten im Jahr … einhundertsiebzehn Mal. Das sind etwa einundzwanzig Stunden. Fast ein ganzer Tag. Als die neue Regel dann zum ersten Mal einen Schalttag wegließ, hielt sie das weitere Wandern an. Sie holte aber nicht zurück, was in diesen einhundertsiebzehn Jahren zusammengekommen war. Deshalb liegt der Frühlingsanfang im Kalender im Durchschnitt um einen Tag zu früh … gemessen am einundzwanzigsten März. Er pendelt zwischen dem neunzehnten und dem einundzwanzigsten März … und nicht gleichmäßig um den einundzwanzigsten herum. Eine Kleinigkeit. Sie steht seit vierhundert Jahren da und stört niemanden.

Zur Reform gehört noch eine zweite Sache … die nicht am selben Tag geschah, sondern nebenher. Der Jahresbeginn wanderte auf den ersten Januar. Im Mittelalter hatte das Jahr an ganz verschiedenen Tagen begonnen … von Gegend zu Gegend anders. An einem Ort fing es früher an als am nächsten. Wer reiste, reiste in ein anderes Jahr. Der erste Januar bot sich an. Auch wegen seines Namens. Der Monat Januar trägt in seinem Namen das lateinische Wort für Tür. Eine Tür am Anfang des Jahres. Das ist ein schönes Bild für einen Monatsnamen. Dazu kam, dass dieser Tag nahe an der Wintersonnenwende liegt … am dunkelsten Punkt des Jahres. Von dort geht es zurück ins Licht.

Weil die Umstellung nicht überall gleichzeitig kam, gab es eine Zeit mit zwei Kalendern nebeneinander. In dem einen Gebiet galt der neue … im Nachbargebiet noch der alte. Zwei Kalender an zwei Wänden. Und zwischen den Wänden nur ein Weg von einer halben Stunde. Um die Jahreswende führte das zu einer Merkwürdigkeit. Dort zählte man schon das neue Jahr … hier noch das alte. Zwei Jahreszahlen, zwischen zwei Gebieten, zur selben Stunde. Aus dieser Zeit stammt eine Wendung, die wir heute noch sagen. Die Tage nach Weihnachten heißen bei uns zwischen den Jahren. Vielleicht hast du das schon einmal gesagt, ohne zu wissen, woher es kommt. Jetzt weißt du es.

Vierhundert Jahre und die Wochentage

Jetzt kommt eine Zahl, die mir gefällt. Sie ist vierhundert. Die drei Schaltregeln haben eine Folge, die man nicht gleich sieht. Im julianischen Kalender wiederholte sich das Muster aus Gemeinjahren und Schaltjahren alle vier Jahre. Ein Gemeinjahr ist ein Jahr ohne Schalttag … drei davon, dann ein Schaltjahr. Nach vier Jahren fing das Muster von vorn an. Ein kurzes Muster. Man konnte es an einer Hand abzählen. Im gregorianischen Kalender dauert das hundertmal so lange. Erst nach vierhundert Jahren wiederholt sich die Verteilung von Gemein- und Schaltjahren. Die Fachleute nennen diesen Zeitraum den Schaltjahrzirkel. In vierhundert Jahren stecken einhundertsechsundvierzigtausendsiebenundneunzig Tage. Man kommt darauf, wenn man vierhundert mit der mittleren Jahreslänge malnimmt. Und jetzt das Schöne an dieser Zahl. Sie lässt sich ohne Rest durch sieben teilen. Einhundertsechsundvierzigtausendsiebenundneunzig Tage sind genau zwanzigtausendachthunderteinundsiebzig Wochen. Keine halbe Woche bleibt übrig. Kein einzelner Tag hängt über. Vierhundert Jahre gehen glatt in Wochen auf. Das ist kein Zufall am Himmel. Das ist eine Folge der Regeln, die sich Menschen ausgedacht haben. Sie haben an den Schalttagen gerechnet … und die Wochen sind mit aufgegangen.

Daraus folgt etwas, das dich vielleicht selbst betrifft. Wenn vierhundert Jahre genau aus ganzen Wochen bestehen, dann wiederholt sich nach vierhundert Jahren auch die Zuordnung der Daten zu den Wochentagen. Der Neunte eines Monats fällt dann wieder auf denselben Wochentag wie damals. Dieser Zeitraum hat einen Namen. Man nennt ihn den Sonnenzirkel. Im julianischen Kalender war der Sonnenzirkel achtundzwanzig Jahre lang. Im gregorianischen Kalender sind es vierhundert. Auch hier ist der neue Kalender der langsamere von beiden. Er wiederholt sich seltener … und dafür genauer. Innerhalb eines Jahrhunderts gilt aber weiterhin die kürzere Periode. Da wiederholt sich die Zuordnung schon nach achtundzwanzig Jahren. Und weil das Jahr zweitausend ein Schaltjahr war, gilt das sogar über die Jahrhundertgrenze hinweg. Für alle Menschen, die heute leben, heißt das etwas Handfestes. Liegen beide verglichenen Jahre zwischen neunzehnhunderteins und zweitausendneunundneunzig, fällt dasselbe Datum nach achtundzwanzig Jahren wieder auf denselben Wochentag. Wenn dein Geburtstag also in diesem Zeitraum einmal auf einen Sonntag fiel … dann fällt er achtundzwanzig Jahre später wieder auf einen Sonntag, solange auch dieses Jahr noch in dem Zeitraum liegt. Dieselbe Reihe. Dieselbe Ordnung. Und an der nächsten Jahrhundertgrenze verschiebt sich das Bild.

Aus den vierhundert Jahren fällt noch eine weitere Zahl heraus. Sie hat mit den Kalenderwochen zu tun. Ein Jahr hat meistens zweiundfünfzig Kalenderwochen. Vierhundert Jahre zu zweiundfünfzig Wochen wären zwanzigtausendachthundert Wochen. Vorhanden sind aber zwanzigtausendachthunderteinundsiebzig. Es bleiben also einundsiebzig Wochen übrig. Und diese einundsiebzig Wochen verteilen sich auf einundsiebzig Jahre, die eine dreiundfünfzigste Kalenderwoche haben. Vielleicht hast du so eine Woche schon einmal in einem Terminkalender gesehen. Eine Woche dreiundfünfzig … die es sonst nicht gibt. Sie ist der Rest einer Rechnung über vierhundert Jahre. Ein Überhang, der irgendwo untergebracht werden musste. Auch die Monate haben eine mittlere Länge. Man muss dafür nur weit genug rechnen. In vierhundert Jahren liegen viertausendachthundert Monate. Teilt man die Tage des Zirkels auf diese Monate auf, kommt man auf dreißig Komma vier drei sechs acht sieben fünf Tage. Das ist eine unhandliche Zahl. In Wochen und Stunden klingt sie freundlicher. Ein Monat ist im Durchschnitt vier Wochen … zwei Tage … zehn Stunden … neunundzwanzig Minuten … und sechs Sekunden lang. Diesen Monat hat noch niemand erlebt. Kein Blatt am Kalender sieht so aus. Der Durchschnitt liegt zwischen den wirklichen Monaten … und keiner von ihnen sieht aus wie er.

Zahlen, die niemand auf dem Blatt sieht

Man sieht diese Zahlen nicht. Sie stehen nicht auf dem Blatt an der Wand. Kein Kalender druckt sie ab. Und trotzdem stecken sie in jedem Monat, den du umschlägst. In jeder Woche, die im Terminkalender eine Nummer hat. Und in jedem Geburtstag, der auf einen bestimmten Wochentag fällt. Ein Tag kommt … und ein Tag geht. Und der Kalender zählt mit. Aus den vierhundert Jahren kommt noch eine Kuriosität … und die kennst du bestimmt. Ein bestimmtes Datum fällt nicht gleich häufig auf alle sieben Wochentage. Nimm den dreizehnten eines Monats. In vierhundert Jahren fällt er sechshundertachtundachtzig Mal auf einen Freitag. Auf einen Sonntag oder einen Mittwoch fällt er sechshundertsiebenundachtzig Mal. Auf einen Montag oder Dienstag sechshundertfünfundachtzig Mal … auf einen Donnerstag oder Samstag sechshundertvierundachtzig Mal. Der Freitag hat also ein paar Male mehr als die anderen. Vier Mal mehr als der Donnerstag, in vierhundert Jahren. Das ist der ganze Zauber am Freitag, dem dreizehnten. Er ist ein Rest aus einer Teilung, die nicht glatt aufgeht.

Es gibt im gregorianischen Kalender noch eine viel größere Zahl. Sie gehört zum Osterdatum. Ostern liegt nicht auf einem festen Tag. Es wandert … weil es nach dem Frühlingsanfang und nach dem Mond bestimmt wird. Deshalb hat auch die Reihe der Osterdaten eine Periode … einen Zeitraum, nach dem sie sich wiederholt. Diese Periode heißt der Osterzyklus. Im Osterdatum treffen mehrere Perioden zusammen. Der Mondzirkel von neunzehn Jahren … der Schaltjahrzirkel von vierhundert Jahren … und die Verbesserung der Mondrechnung, die in einem eigenen, noch viel längeren Rhythmus vorgenommen wird. Jede dieser Perioden hat ihre eigene Länge. Und die Reihe der Osterdaten beginnt erst dann wieder von vorn, wenn alle zusammen erneut an ihrem Ausgangspunkt stehen. Das dauert im gregorianischen Kalender fünf Millionen siebenhunderttausend Jahre. Nachprüfen wird das niemand. Und trotzdem steht die Zahl fest.

Kalender in verschiedenen Ländern

Der neue Kalender kam nicht überall am selben Tag an. Am vierten Oktober fünfzehnhundertzweiundachtzig stellten Spanien, Portugal, Polen und Teile Italiens um. Dort folgte auf den Donnerstag sofort der fünfzehnte Oktober. Andere Länder brauchten Jahre. Manche brauchten Jahrhunderte. Und weil sich die Zahl der ausgelassenen Tage mit der Zeit vergrößerte, wurden die Sprünge größer. Nach dem Jahr siebzehnhundert waren es nicht mehr zehn Tage, sondern elf. Wer später umstellte, musste also mehr Daten auslassen. Der Kalender wartet nicht. Wer stehen bleibt, muss später einen größeren Schritt machen. In der Schweiz zog sich das über mehr als zweihundert Jahre hin. Zu Beginn des Jahres fünfzehnhundertvierundachtzig stellte ein Teil der Kantone um. Dort folgte auf den elften Januar der zweiundzwanzigste. Das Wallis folgte erst im Jahr sechzehnhundertsechsundfünfzig. Dort ging es vom neunundzwanzigsten Februar auf den elften März. Andere Gegenden sprangen vom einunddreißigsten Dezember siebzehnhundert auf den zwölften Januar siebzehnhunderteins. Die Stadt Sankt Gallen kam im Jahr siebzehnhundertvierundzwanzig dazu. Und in Graubünden ging jede Gemeinde ihren eigenen Weg. Dort liegen die Übergänge zwischen siebzehnhundertsechzig und achtzehnhundertzwölf. Ein Land … und viele verschiedene Daten für denselben Tag. Zwei Nachbardörfer, zwei Kalenderblätter, und auf beiden ein anderes Datum.

Im Alltag hielt sich der alte Kalender noch länger. Im Engadin feierte man das neue Jahr bis etwa achtzehnhundertsiebzig am dreizehnten Januar. Das war der einunddreißigste Dezember nach dem alten Kalender. Und im Appenzell ist dieser Tag bis heute in Gebrauch. Dort ziehen am dreizehnten Januar die Silvesterkläuse durch die Dörfer. Man nennt diesen Tag den Alten Silvester. Da läuft ein Kalender weiter, den es amtlich längst nicht mehr gibt. Er ist in einen Brauch gerutscht … und dort darf er bleiben. Niemand muss ihn korrigieren. Auch weiter nördlich gab es solche Sprünge. In den Gebieten des Heiligen Römischen Reiches, die noch nach dem alten Kalender rechneten, folgte auf den achtzehnten Februar unmittelbar der erste März siebzehnhundert. Das Königreich Dänemark stellte am selben Datum um … und Norwegen und Island gehörten damals dazu. In England und in den späteren Vereinigten Staaten geschah es in der Nacht vom zweiten auf den vierzehnten September siebzehnhundertzweiundfünfzig. In Schweden ging es vom siebzehnten Februar auf den ersten März siebzehnhundertdreiundfünfzig. Immer dasselbe Muster. Ein Abend … und am Morgen ein Datum, das weiter vorn liegt. Die Wochentage liefen auch dabei ununterbrochen weiter. Die Woche hat sich nie verrechnet.

Weiter weg lief es ähnlich. In Japan galt lange ein anderer Kalender. Am ersten Januar achtzehnhundertdreiundsiebzig wurde dort der gregorianische Kalender eingeführt … im Zuge der Modernisierung des Landes. Nur bei der Jahreszählung blieb Japan bei einem eigenen System. Dort zählt man die Jahre seit dem Regierungsantritt des jeweiligen Kaisers … und jede Regierungszeit trägt dazu einen eigenen Namen. Zwei Zählungen nebeneinander … und beide gelten. Auf einem Kalenderblatt hat das gut Platz. Zwischen den beiden Kalendern ist der Abstand inzwischen größer geworden. Das liegt an den Jahrhundertjahren. Im julianischen Kalender sind siebzehnhundert, achtzehnhundert und neunzehnhundert Schaltjahre … denn dort gilt nur die Regel mit der Vier. Im gregorianischen Kalender sind sie keine. Jedes dieser drei Jahre hat den Abstand um einen Tag vergrößert. Seit dem Jahr neunzehnhundert beträgt er dreizehn Tage. Und er bleibt dreizehn Tage … bis zum Jahr zweitausendeinhundert. Dann kommt der nächste Schritt.

Heute ist der gregorianische Kalender fast überall die Grundlage. In Deutschland, in Österreich und in der Schweiz gilt für Datumsangaben eine internationale Norm. Sie legt fest, wie ein Datum geschrieben wird. Diese Norm baut auf dem gregorianischen Kalender auf. Und sie tut noch etwas. Sie dehnt ihn nach hinten aus … auf die Zeit vor der Reform. Dabei kommen Jahreszahlen vor, die es in keinem der beiden Kalender gibt. Ein Jahr null zum Beispiel. Und Jahreszahlen mit einem Minus davor. Für die Rechnung ist das bequem. Gelebt hat in diesen Jahren niemand nach diesem Kalender. Auch die Computer wissen von dem Sprung im Oktober. In einem Kalenderprogramm eines großen Herstellers ist der Übergang vom alten zum neuen Kalender berücksichtigt. Vom vierten auf den fünfzehnten Oktober fünfzehnhundertzweiundachtzig. Es gibt auch ein kleines Kalenderwerkzeug, das man in eine Eingabezeile tippt. Das kennt den Sprung ebenfalls … setzt ihn aber woanders an. Es nimmt den September siebzehnhundertzweiundfünfzig … also den Zeitpunkt, an dem Großbritannien umstellte. Zwei Programme … zwei Zeitpunkte … und beide haben recht. Es hängt davon ab, wo man gerade rechnet.

Und dann gibt es noch einen Entwurf, der mir zum Schluss gefällt. Jemand hat einen Kalender für den Planeten Mars aufgeschrieben. Er heißt der Darische Kalender. Er beruht im Wesentlichen auf denselben Grundsätzen wie der Kalender an deiner Wand. Ganze Tage … ein Muster aus längeren und kürzeren Jahren … und Regeln, die einen Rest auffangen. Ein Kalender für einen Ort, an dem noch niemand einen Termin hat. Er liegt bereit. Für alle Fälle.

Zurück zum nächsten Tag

Zurück in das Zimmer mit den hellen Wänden. Der Kalender hängt an der Wand. Ein Blatt für den Monat … und Zahlen in sieben Spalten. Hinter diesen Zahlen liegen elf Minuten, die einmal zu viel waren. Zehn Tage, die man ausgelassen hat. Drei Schaltregeln, die sich an der Jahreszahl ablesen lassen. Und vierhundert Jahre, bis sich das Muster der Schaltjahre und Wochentage wiederholt. Von all dem steht nichts auf dem Blatt. Auf dem Blatt steht nur der nächste Tag. Ein Tag kommt … und ein Tag geht. Und der Kalender zählt mit. Er zählt auch heute Nacht weiter … ohne dass du dabei sein musst. Morgen wird ein Kreuz gemacht … oder ein Tag durchgestrichen … oder auch nichts. Der Tag zählt trotzdem. Und du darfst jetzt schlafen. Der Kalender bleibt an der Wand. Die Woche läuft weiter. Nichts von dir wird gebraucht. Alles, was gezählt werden muss, wird ohne dich gezählt. Gute Nacht. Schlaf gut.

Quelle und Lizenz

Dieser Text beruht auf dem Wikipedia-Artikel «Gregorianischer Kalender». Die Artikel stehen unter CC BY-SA 4.0; dieser bearbeitete Text steht unter derselben Lizenz.

Verwendete Fassungen: «Gregorianischer Kalender» Version 268575048, abgerufen am 9. September 2026.

Der Text wurde automatisch erstellt, gegen die Quelle geprüft und von einer computergenerierten Stimme vorgetragen – deshalb gibt es jeden Abend eine neue Folge. Verantwortlich für Themenauswahl und Stichproben ist Michael Feer. Mehr dazu unter Über Fridolin und Lizenz & Quellen.