Wie aus Sand langsam Sandstein wird

Worum es in dieser Einschlafgeschichte geht
In dieser Einschlafgeschichte begleitest du ein einzelnes Sandkorn von einem flachen Meer am Abend bis in alte Mauern. Fridolin erzählt ruhig und langsam, wie Flüsse und Meeresströmungen den Sand vom Festland heranbringen, wie er sich Schicht um Schicht ablagert und unter der Last neuer Schichten über lange Zeiträume zu festem Sandstein wird.
Als Sand gilt ein Korn, das zwischen 0,063 und zwei Millimetern groß ist. Meistens besteht es aus Quarz, der chemischer Verwitterung standhält. Bei der Zementation verkitten Minerale wie Quarz oder Calcit die Körner. In Dresden nutzte man den weichen Cottaer Sandstein für Skulpturen und den festen Postaer Sandstein für tragende Teile. Trockenmauern aus Sandstein bieten Eidechsen und Blindschleichen Unterschlupf.
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Der ganze Text dieser Einschlafgeschichte
Ein Sandkorn am flachen Meer
Stell dir ein flaches Meer vor … nahe an einer Küste. Das Wasser ist hier nicht tief. Es reicht weit hinaus … und der Grund liegt überall nah unter der Oberfläche. Der Boden dieses Meeres ist aus Sand. Heller Sand … Korn neben Korn. Es ist Abend geworden. Das Licht liegt flach über dem Wasser. Kleine Wellen laufen heran … und ziehen sich wieder zurück. Mit jeder Welle bewegt sich ein wenig Sand. Ein paar Körner rollen ein Stück weiter … dann bleiben sie liegen. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines. Du kannst dir vorstellen, du stehst am Ufer dieses Meeres. Das Wasser umspült deine Füße … und der Sand gibt unter dir ein wenig nach. Du bückst dich und nimmst eine Handvoll Sand auf. Er rinnt dir zwischen den Fingern hindurch. Langsam … Korn für Korn. Am Ende bleibt ein einziges Korn auf deiner Handfläche liegen. Mit diesem einen Sandkorn fängt unsere Geschichte an. Es ist ein langer Weg, der vor ihm liegt. Aber das Korn hat keine Eile. Und wir haben sie auch nicht.
Was als Sand gilt
Ein Sandkorn ist klein. Aber es ist nicht beliebig klein. Die Geologen haben eine genaue Grenze dafür festgelegt. Sie sprechen von der Korngröße … also davon, wie groß ein einzelnes Korn ist. Als Sand gilt ein Korn, wenn es zwischen dreiundsechzig Tausendstel Millimetern und zwei Millimetern groß ist. Ist ein Korn kleiner, dann ist es kein Sand mehr. Dann gehört es zu den feineren Teilchen … zum Beispiel zum Ton. Ist ein Korn größer als zwei Millimeter, dann spricht man von Kies. Dazwischen aber … in diesem schmalen Bereich … liegt der Sand. Und wenn in einem Gestein die größeren Körner überwiegen … dann ist es kein Sandstein mehr. Die Grenze zu den gröberen Gesteinen ist allerdings nicht scharf. Die Übergänge sind fließend.
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Das Korn auf deiner Hand passt genau in diesen Bereich. Du kannst es gerade noch sehen … und gerade noch zwischen zwei Fingern spüren. Aus vielen solchen Körnern wird später ein Gestein. Die Geologen nennen es Sandstein. Sandstein ist ein Sedimentgestein. Das bedeutet … es ist aus abgelagertem Material entstanden. Aus Körnern, die sich am Grund eines Gewässers oder auf dem Land niedergelegt haben … Schicht um Schicht. Und es ist ein klastisches Sedimentgestein. Das Wort klastisch kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie … in Stücke gebrochen. Die Körner im Sandstein sind also Bruchstücke. Kleine Trümmer von älteren Gesteinen, die verwittert und abgetragen worden sind. Damit ein Gestein Sandstein heißen darf, muss mindestens die Hälfte seiner Körner aus Sandkörnern bestehen. Die Hälfte … oder mehr. Der Rest kann aus anderem Material bestehen. Aus feinem Ton … oder aus einzelnen größeren Körnern. Diese anderen Bestandteile nennt man Beimengungen. Sie sind dabei … aber sie bestimmen nicht den Namen. Den Namen bestimmt der Sand. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines.
Quarz und Verwitterung
Schau dir das Korn auf deiner Hand noch einmal an. Es ist sehr klein … und sehr hell. Woraus besteht so ein Korn. Das kommt darauf an. Sandkörner können aus verschiedenen Mineralen bestehen. Minerale sind die Bausteine, aus denen Gesteine zusammengesetzt sind. Meistens aber besteht ein Sandkorn aus Quarz. Quarz ist das Mineral, das im Sand den Ton angibt. Die meisten Sandsteine bestehen überwiegend aus Quarz.
Dafür gibt es einen Grund. Und er hat mit Geduld zu tun. Quarz kommt in sehr vielen Gesteinen vor, die einmal aus heißer Schmelze entstanden sind. Die Geologen nennen diese Gesteine magmatische Gesteine. Wenn solche Gesteine an der Oberfläche liegen, verwittern sie. Wasser … Luft … und Zeit zerlegen sie in kleinere Stücke. Viele Minerale zerfallen dabei recht schnell. Sie werden chemisch zersetzt … und verschwinden aus dem Sand. Der Quarz aber hält stand. Er ist widerstandsfähig gegen diese chemische Verwitterung. Und so bleibt der Quarz übrig. Korn um Korn … während die anderen Minerale nach und nach vergehen. Über lange Zeiträume reichert sich der Quarz auf diese Weise im Sand an. Deshalb bestehen die meisten Sandsteine überwiegend aus Quarz.
Die Geologen unterscheiden die Sandsteine auch danach, wie viel Quarz in ihrem Sand steckt. Besteht der Sand eines Sandsteins fast nur aus Quarz … dann spricht man von einem Quarzsandstein. Der Quarzsandstein ist sozusagen der Sandstein im engeren Sinne. Enthält der Sand dagegen viel Feldspat, ein anderes Mineral, dann bekommt der Stein einen anderen Namen. Man nennt ihn Arkose. Feldspat kann sich mit der Zeit chemisch umwandeln … in winzige Teilchen aus Ton. Der Quarz dagegen hält stand … so wie wir es vorhin gesehen haben. Quarzsandstein … und Arkose. Zwei Namen für zwei Spielarten aus derselben Familie. Zwischen diesen Spielarten gibt es auch Übergänge. Das Korn auf deiner Hand ist also vielleicht schon sehr alt. Es war einmal Teil eines anderen Gesteins … weit entfernt, an einem ganz anderen Ort. Das Gestein ist verwittert. Das Korn hat sich gelöst. Und es hat sich auf den Weg gemacht. Du kannst es jetzt wieder in den Sand legen. Zu den anderen Körnern. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines.
Der Weg vom Land ins Meer
Woher kommt der viele Sand in diesem flachen Meer. Man könnte meinen, er stammt aus dem Meer selbst. Aber das ist meistens nicht so. Der Sand stammt meist vom Festland. Er kommt aus verwittertem Gestein im Landesinneren … aus Gestein, das dort nach und nach zerfällt. Von dort aus muss der Sand einen weiten Weg zurücklegen, bis er die Küste erreicht. Und für diesen Weg braucht er Helfer. Die wichtigsten Helfer sind die Flüsse. Stell dir einen Fluss vor. Er kommt aus dem Land … und fließt in Richtung Meer. Das Wasser ist trüb vom feinen Material, das es mit sich trägt. Am Grund des Flusses rollen die Sandkörner mit. Ein Stück … und noch ein Stück. Manchmal bleiben sie eine Weile in einer Flussbiegung liegen. Dann nimmt das Wasser sie wieder mit. So wandert der Sand flussabwärts. Nicht in einem Zug … sondern in vielen kleinen Etappen. Bis der Fluss eines Tages die Küste erreicht … und in das Meer mündet. Dort übernehmen andere Helfer die Arbeit. Die Meeresströmungen.
Im Meer ist das Wasser ständig in Bewegung. Es gibt Strömungen, die an den Küsten entlangziehen … und solche, die hinaus aufs offene Wasser führen. Diese Strömungen tragen den Sand weiter. Sie verteilen ihn … und bringen ihn schließlich an seinen endgültigen Ablagerungsort. Ablagerungsort … das ist ein nüchternes Wort. Es meint den Platz, an dem der Sand am Ende liegen bleibt. Der Sand stammt also meist vom Festland. Und Flüsse und Meeresströmungen tragen ihn an diesen letzten Platz. Ein langer Weg. Und an seinem Ende … Ruhe. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines.
Ablagerung und Spuren im Gestein
Wo liegt so ein Ablagerungsort. Meistens nicht weit draußen im tiefen Ozean. Die wichtigsten Orte, an denen Sandsteine entstehen, sind die küstennahen Flachmeere. Die Geologen nennen sie Schelfe. Ein Schelf ist der flache Rand eines Kontinents, der unter dem Meeresspiegel liegt. Das Land setzt sich dort gewissermaßen unter Wasser fort … bevor der Meeresboden weiter draußen in die Tiefe abfällt. Auf dem Schelf ist das Wasser nicht tief. Und es ist nah genug an der Küste, damit der Sand aus den Flüssen dorthin gelangt. Genau so ein Flachmeer haben wir uns am Anfang vorgestellt. Weiter draußen, in den tiefen und küstenfernen Teilen des Meeres, sieht es anders aus. Dort sinken vor allem sehr feine Schlämme zu Boden. Und aus solchen feinkörnigen Schlämmen kann kein Sandstein entstehen. Der Sand bleibt also meist nah am Land. Auf dem flachen Schelf … dort, wo das Wasser nicht tief ist. Und dort liegt er nun. Woche um Woche … Jahr um Jahr. Über dem Sand ziehen die Wellen hinweg. Unter ihm liegt der Sand vom letzten Jahr … und vom Jahr davor.
Es gibt allerdings eine Ausnahme. Weit draußen endet der Schelf an einer Kante. Die Geologen nennen sie Schelfkante. Hinter dieser Kante fällt der Kontinentalhang in die Tiefe ab. Manchmal rutscht sandiges Material von der Schelfkante den Kontinentalhang hinab. Auch aus diesem Sand können Sandsteine werden … obwohl er weit draußen in der Tiefe liegt. Die Geologen nennen solche Ablagerungen Turbidite. Aber nicht jeder Sandstein ist im Meer entstanden. Es gibt auch zahlreiche Sandsteinvorkommen, die auf dem Festland entstanden sind. Mitten im Land … weit weg von jeder Küste. Auch dort braucht der Sand Helfer, die ihn tragen. Auf dem Festland sind es vor allem zwei. Der eine Helfer ist das fließende Wasser. Die Flüsse. Der andere Helfer ist der Wind.
Sandsteine, die von Flüssen abgelagert wurden, nennen die Geologen fluviale Sandsteine. Das Wort kommt vom lateinischen Wort für Fluss. Stell dir ein breites Flusstal vor. Der Fluss schlängelt sich hindurch … und wo seine Strömung nachlässt, legt er Sand ab. An einer Stelle entsteht eine Sandbank. An einer anderen ein flaches Ufer. Schicht um Schicht wächst dort der Sand in die Höhe. Und nach langer Zeit kann aus diesem Sand ein Sandstein werden. Sandsteine, die vom Wind abgelagert wurden, heißen äolische Sandsteine. Der Name erinnert an Aiolos … den Gott der Winde in den alten griechischen Sagen. Stell dir eine weite, trockene Landschaft vor. Der Wind streicht über den Boden … und nimmt feine Sandkörner mit sich. Er trägt sie ein Stück weit. Dann lässt er sie fallen. Und so wachsen mit der Zeit Dünen. Doch auf dem Festland überwiegen die Sandsteine der Flüsse. Die fluvialen Sandsteine sind deutlich häufiger als die äolischen. Das Wasser ist also der fleißigere Helfer. Der Wind arbeitet auch … aber seltener. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines.
Wenn ein Sandstein später fest geworden ist, sieht man ihm seine Herkunft nicht sofort an. Aber die Geologen können sie herausfinden. Sie sprechen vom Ablagerungsmilieu … also von den Umständen, unter denen sich der Sand einmal abgelagert hat. War es ein Flachmeer. War es ein Fluss. Oder war es der Wind. Das Ablagerungsmilieu eines Sandsteins lässt sich unter anderem an seinen Sedimentstrukturen erkennen. Sedimentstrukturen sind Muster und Spuren, die beim Ablagern im Sand entstanden sind … und die im Gestein erhalten bleiben. Eine solche Struktur ist die Schrägschichtung. Dabei liegen die feinen Schichten im Gestein nicht flach übereinander … sondern ein wenig geneigt. Je nach Ablagerungsraum hat diese Schrägschichtung eine eigene, kennzeichnende Form. Andere Hinweise sind Spurenfossilien. Das sind Spuren, die Lebewesen im weichen Sand hinterlassen haben … zum Beispiel die Grabgänge von Würmern. Auch die Körner selbst verraten etwas. Sandsteine, die vom Wind abgelagert wurden, sind immer recht gleichmäßig und fein im Korn. Ihre Körner sind gut sortiert … ähnlich groß und ähnlich fein.
Auch Reste von Lebewesen verraten etwas über den Ablagerungsraum. Die Geologen nennen sie Körperfossilien. Sedimentgesteine wie der Sandstein sind übrigens die einzigen Gesteine, die Fossilien enthalten können. Und schließlich geben auch die Minerale im Sand Hinweise … und die Rundung der einzelnen Körner. Die Grenze zwischen zwei Schichten nennt man Schichtfläche. Jede Schichtfläche war einmal eine Oberfläche. Der Meeresboden … der Grund eines Flusses oder eines Sees … oder die Erdoberfläche. Wer auf eine solche Fläche schaut, schaut auf einen Boden von damals. So kann man in einem Stück Sandstein lesen wie in einem alten Buch. Nicht Wort für Wort … aber Schicht für Schicht. Jede Schicht erzählt ein wenig von dem Ort, an dem sie entstanden ist. Von einem Meer … von einem Fluss … oder von einer Landschaft, über die der Wind gezogen ist. Die Geologen können aus solchen Gesteinen Lebensräume von damals nachzeichnen … Orte, die vor sehr langer Zeit bestanden haben. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines.
Wie aus Sand Stein wird
Kehren wir zurück zu unserem flachen Meer. Der Sand liegt am Grund. Locker … beweglich … Korn neben Korn. Die Geologen nennen so etwas ein Lockersediment. Ein Lockersediment ist Material, das abgelagert wurde, aber noch nicht fest ist. Man könnte es mit der Hand auseinanderschieben. Damit aus diesem lockeren Sand ein Sandstein wird, muss der Sand fest werden. Und das geschieht ganz langsam. Die Geologen nennen diese Umwandlung Diagenese. Gemeint ist der Weg von einem Lockersediment zu einem festen Gestein. Die Diagenese umfasst im Wesentlichen zwei Vorgänge. Der eine heißt Kompaktion. Der andere heißt Zementation. Manchmal beginnt die Zementation schon kurz nach der Ablagerung. Meist aber setzt die Diagenese erst ein, wenn der Sand in eine gewisse Tiefe versenkt worden ist.
Beginnen wir mit der Kompaktion. Das Wort bedeutet so viel wie Verdichtung. Stell dir vor, wie über die Jahre immer neuer Sand auf den alten fällt. Schicht legt sich auf Schicht. Die unteren Schichten tragen das Gewicht der oberen. Und je mehr darüber liegt, desto schwerer wird diese Last. Die Geologen sprechen vom Auflastdruck … also vom Druck der jüngeren Ablagerungen, die oben aufliegen. Unter diesem Druck rücken die Körner enger zusammen. Das Wasser zwischen ihnen wird nach und nach herausgepresst. Der Sand wird dichter. Er wird kompakter. Sand lässt sich dabei weniger stark zusammendrücken als Ton. Tonige Ablagerungen werden viel stärker verdichtet als Sande. Und unter dem Druck geschieht noch etwas. Dort, wo sich zwei Körner berühren, löst sich ein wenig Material. Die Geologen sprechen von Drucklösung. Das gelöste Material wird für die Zementation gebraucht … und nicht selten fällt es gleich im Porenraum nebenan wieder aus.
Das geschieht nicht über Nacht. Es geschieht über sehr lange Zeiträume … während oben das Meer weiter seine Wellen an die Küste schickt. Für den Sand unten in der Tiefe spielen die Wellen keine Rolle mehr. Keine Welle bewegt ihn. Keine Strömung. Es gibt nur noch das Gewicht von oben … und die Zeit. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines. Der zweite Vorgang ist die Zementation. Die Zementation ist es, die aus dem dichten Sand endgültig einen Stein macht. Zwischen den Sandkörnern gibt es kleine Hohlräume. Auch wenn die Körner eng beieinanderliegen … lückenlos passen sie nicht zusammen. Diese Hohlräume nennen die Geologen den Porenraum. Im Porenraum befindet sich Wasser. In diesem Wasser sind Minerale gelöst … so fein verteilt, dass man sie nicht sehen kann. Mit der Zeit fallen diese Minerale aus. Das heißt … sie scheiden sich aus dem Wasser ab und setzen sich als feste Kristalle fest.
Die Kristalle wachsen in den Hohlräumen zwischen den Körnern. Sie füllen die Lücken nach und nach aus. Und sie verbinden die Körner miteinander. Wie ein feiner Kitt, der sich zwischen die Steine legt. Man nennt das auch Verkittung. Sandstein entsteht durch die Verkittung von lockerem Sand … und von den Beimengungen darin. Als Zementation bezeichnet man also die natürliche Verfestigung des Sandes. Sie geschieht durch die Ausfällung von Mineralen im Porenraum … in den Hohlräumen zwischen den Sandkörnern. Das Wort Zement klingt nach Baustelle. Aber dieser Zement ist von der Natur selbst gemacht … ohne Mischmaschine und ohne Kelle. Der Zement kann aus verschiedenen Mineralen bestehen. Am häufigsten ist es wieder der Quarz. Derselbe Quarz, aus dem auch die meisten Körner bestehen. Der Quarz legt sich in dünnen Säumen um die Körner herum … und verbindet sie so miteinander. Die Geologen nennen diese Säume Anwachssäume. Sehr häufig ist auch ein anderes Mineral, der Calcit. Calcit ist ein Kalkmineral … und kittet die Körner ebenfalls zusammen. Manchmal sind es Verbindungen des Eisens, die den Sand zusammenhalten. Dann spricht man von Eisensandstein. Jedes dieser Minerale macht aus dem lockeren Sand auf seine Weise einen festen Stein.
Die meisten Sandsteine haben innerhalb einer einzelnen Gesteinsbank nur ein einziges Zementmineral. Verschiedene Lagen übereinander können aber durch verschiedene Minerale verkittet sein. Das hängt oft an der Größe der Körner. Grobe Sandsteine mit großen Poren sind eher durch Kalk verkittet … feinere eher durch Quarz. Manchmal wird die Zementation auch behindert. Viel Ton zwischen den Körnern verringert den Porenraum … und das Wasser kann nicht mehr gut hindurchdringen. Wie lange dauert das alles. Das ist sehr unterschiedlich. Die Verfestigung des Sandes läuft nicht überall gleich schnell ab. Manchmal dauert sie nur wenige Jahrzehnte. Manchmal dauert sie mehrere Millionen Jahre. Mehrere Millionen Jahre … das ist eine Zeitspanne, die man sich kaum vorstellen kann. Und das muss man auch nicht. Es genügt zu wissen, dass der Sand Zeit hat. So viel Zeit, wie er eben braucht. Niemand drängt ihn. Und er drängt niemanden. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines.
Irgendwann ist es dann so weit. Aus dem lockeren Sand ist ein festes Gestein geworden. Die Körner sind noch da. In einem Sandstein kann man sie oft noch erkennen, wenn man genau hinschaut. Aber die Körner rollen nicht mehr. Sie liegen fest an ihrem Platz … verbunden durch den feinen Zement zwischen ihnen. Unser Sandkorn vom Anfang ist jetzt ein Teil davon. Es hat viele Nachbarn bekommen … und es wird sich so bald nicht mehr bewegen. Ein Sandstein ist entstanden.
Verbreitung, Farben und Bauwerke
Sandstein ist ein Gestein, das auf der Erdoberfläche sehr weit verbreitet ist. Er kommt auf allen Kontinenten vor. Und er ist aus fast allen Zeitaltern der Erdgeschichte überliefert. Auch in Deutschland gibt es Sandstein an vielen Orten. Zum Beispiel im Elbsandsteingebirge. Die meisten dieser Sandsteine sind unter Meeresbedeckung entstanden … in einem Meer, das dort einmal lag. In der Schweiz kennt man Sandstein unter anderem aus der subalpinen Molasse … einer Gesteinszone im Vorland der Alpen. Im Alpengebiet kommen Sandsteine unter anderem in der Molassezone vor. Insgesamt aber gibt es in den jungen Faltengebirgen wie den Alpen eher wenig Sandstein. Diese Gebirge sind aus breiten, tropischen Flachmeeren hervorgegangen … in denen sich vor allem Kalk abgelagert hat. In Deutschland findet man Sandstein auch im Zittauer Gebirge. Und in Mittel- und Süddeutschland sind die Sandsteine des Buntsandsteins weit verbreitet … Sandsteine, die einst von Flüssen abgelagert wurden. So liegt der Sandstein vielerorts verteilt. Dort, wo sich einmal Sand gesammelt hat … und wo er genug Zeit bekam.
Sandstein gibt es in vielen Farben … genauso wie Sand. Es gibt grauen Sandstein … gelben … braunen … roten … weißen … und sogar grünen. Die Farbe hängt davon ab, was außer dem Quarz noch im Stein steckt. Roter Sandstein zum Beispiel verdankt seine Farbe dem Eisen, das in ihm enthalten ist. Beim roten Sandstein ist es das Hämatit … beim gelben oft das Limonit. Beides sind Verbindungen des Eisens. Grauer Sandstein enthält dagegen keine färbenden Beimengungen. Und weißer Sandstein ist ihm ähnlich … nur wirft seine Oberfläche das Licht anders zurück. Grüner Sandstein wurde früher südlich von Soest in Westfalen abgebaut. Er heißt Grünsandstein … und man verwendet ihn schon seit dem Mittelalter. Und weil Sandstein an so vielen Orten an der Oberfläche liegt, haben die Menschen ihn früh gefunden. Und sie haben angefangen, mit ihm zu bauen.
Sandstein ist ein verbreitetes Baumaterial. Man hat ihn verwendet, um Wege und Plätze zu pflastern. Man hat Skulpturen aus ihm gehauen. Und vor allem hat man aus ihm Fassaden gebaut. Stell dir einen Steinbruch vor. Eine Felswand aus Sandstein, an der man die alten Schichten erkennen kann. Aus dieser Wand werden große Blöcke gelöst. Und aus den Blöcken entstehen Werksteine … also Steine, die für einen bestimmten Zweck bearbeitet werden. Ein Steinmetz bearbeitet sie. Er gibt ihnen eine Form … eine glatte Fläche … oder eine feine Verzierung.
Ein frisch gebrochener Sandstein lässt sich leichter bearbeiten als einer, der schon lange gelagert wurde. Bruchfrisch … so nennt man diesen Zustand des Steins. Eines haben alle Sandsteine gemeinsam. Sie vertragen kein Tausalz. Wie gut ein Sandstein dem Frost standhält, ist dagegen von Sorte zu Sorte verschieden. Und dann kommt es darauf an, wie man den Stein schneidet. Parallel zu seinen alten Schichten … oder quer dazu. Die Steinmetze sagen dazu „im Lager“ … oder „gegen das Lager“. Das Wort Lager kennen die Steinmetze auch vom Mauerbau. Die Fläche, mit der ein Werkstein unten aufliegt, heißt bei ihnen ebenfalls Lager. Je nach Schnitt zeigt die fertige Fläche ein ganz anderes Muster. In jedem dieser Muster stecken noch die Schichten von damals. Die Schichten aus dem Meer … oder aus dem Fluss. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines.
Stell dir jetzt eine Stadt vor. Eine Stadt in der Schweiz … Bern. In Bern findet man Bauten aus Sandstein, die das Stadtbild prägen. Du siehst sie, wenn du durch die Straßen gehst … Fassade an Fassade. Bern ist dabei nicht allein. Auch in Nürnberg oder in Hamburg prägen Bauten aus Sandstein das Stadtbild. Es ist Abend in Bern. Die Straßen leeren sich langsam. Das letzte Licht fällt auf die Steine der Fassaden. Jeder dieser Steine war einmal lockerer Sand. Körner, die ein Fluss oder eine Strömung einmal abgelegt hat … und die dann sehr lange gewartet haben. Und nun bilden sie Mauern, an denen Menschen jeden Tag vorbeigehen. Man muss nicht wissen, woher ein Stein kommt, um an ihm vorbeizugehen. Aber es ist ein schöner Gedanke. In einer Fassade aus Sandstein steckt vielleicht ein altes Meer … vielleicht ein alter Fluss … vielleicht ein alter Wind. Und unzählige Körner, die einmal unterwegs waren … und nun ihren Platz gefunden haben. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines.
Von Bern wandern wir weiter nach Deutschland. Nach Dresden … an die Elbe. In Dresden und in weiteren Städten an der Elbe hat man Sandstein auf eine sorgfältige Weise verwendet. Man hat nämlich nicht nur eine Sorte genommen … sondern zwei. Die erste Sorte ist ein eher weicher Sandstein. Er heißt Cottaer Sandstein. Aus diesem weichen Stein hat man die dekorativen Bereiche der Fassaden gestaltet … und Skulpturen. Für Verzierungen und Figuren hat man also den weicheren Stein gewählt. Die zweite Sorte ist ein Sandstein, dessen Körner durch Quarz verbunden sind. Die Geologen nennen so einen Stein quarzitisch gebunden. Diese Sorte heißt Postaer Sandstein. Erinnerst du dich an den Quarzzement von vorhin. An die dünnen Säume, die sich um die Körner legen. Beim Postaer Sandstein hält genau so ein Quarz die Körner zusammen. Diesen Stein hat man für die tragenden Teile der Bauten verwendet. Und für Teile, die viel aushalten müssen … zum Beispiel für die Sockelzone, auf der ein Gebäude steht. Weich für die Verzierung. Fest für das Tragende. Jeder Stein an seinem Platz. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines.
Bleiben wir noch einen Augenblick in Dresden. Stell dir vor, du stehst vor einem dieser Bauten … und legst die Hand auf den Stein. Den Cottaer Sandstein findest du an den dekorativen Bereichen der Fassade … und an den Skulpturen. Den Postaer Sandstein findest du dort, wo der Bau trägt … oder wo er anders belastet wird. So zeigt sich hier, was für den Sandstein überhaupt gilt. Er ist ein verbreitetes Baumaterial. Man hat mit ihm gepflastert. Man hat Skulpturen aus ihm gehauen. Und vor allem hat man aus ihm Fassaden gebaut. Es ist ein beruhigender Gedanke, dass etwas so Großes aus etwas so Kleinem bestehen kann. Aus einem Korn. Und noch einem. Und noch einem. Geduldig verbunden … über eine Zeit, die viel länger ist als jedes Menschenleben. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines.
Böden und Trockenmauern
Zum Schluss verlassen wir die Städte. Wir gehen hinaus aufs Land. Wo Sandstein an der Oberfläche liegt, entsteht auf ihm mit der Zeit ein Boden. Weil im Sandstein so viel Quarz steckt, sind diese Böden in Mitteleuropa meist arm an Nährstoffen. Meistens nutzt man solche Böden für den Wald … für die Forstwirtschaft. Ein Beispiel dafür ist das Thüringer Holzland. Außerdem neigen diese Böden dazu, mit der Zeit sauer zu werden. Es gibt aber auch Ausnahmen. Enthält ein Sandstein viel Kalk oder viel Ton … dann ist der Boden darauf meist reicher an Nährstoffen. Solche Böden kann man auch für die Landwirtschaft nutzen. Ein Beispiel sind Sandsteine aus einem Abschnitt der Erdgeschichte, den die Geologen Keuper nennen. Man findet sie in Süddeutschland. Stell dir einen Wald auf Sandstein vor. Der Boden ist sandig … und zwischen den Stämmen liegt das Laub vom letzten Herbst. Unter diesem Wald liegt der Stein. Und in dem Stein die Körner von damals.
Wir gehen weiter, bis zu einem Hang über einem Fluss. Der Hang ist in schmale Stufen gegliedert. Jede Stufe wird von einer Mauer gehalten. Die Mauer besteht aus Sandstein. Es ist eine Trockenmauer. Eine Trockenmauer ist eine Mauer, die ohne Mörtel gebaut ist. Die Steine liegen aufeinander … und die Fugen zwischen ihnen bleiben offen. Solche Mauern hat man aus Lesesteinen gebaut … also aus Steinen, die man auf den Feldern aufgelesen hat. Oder aus Sandstein, der aus einem Steinbruch in der näheren Umgebung stammt. Ein Lesestein ist unbearbeitet. Darin unterscheidet er sich vom Werkstein, den ein Steinmetz in Form gebracht hat. Vor allem in Weinbaugebieten prägen solche Trockenmauern aus Sandstein das Landschaftsbild. An den Flussläufen Süddeutschlands … und in den Gebieten an Rhein und Main. Stell dir die Reihen der Reben vor, auf den schmalen Stufen über dem Fluss. Und darunter … die Mauern aus Sandstein. Es ist ein warmer Abend. Die Sonne ist schon fort … aber die Steine geben die Wärme des Tages noch ab. Und in diesen Mauern ist Leben.
Trockenmauern aus Sandstein sind heute bedeutende Biotope. Ein Biotop ist ein Lebensraum … ein Ort, an dem bestimmte Pflanzen und Tiere zu Hause sind. In den Fugen wachsen zahlreiche sukkulente Pflanzen. Sukkulent bedeutet … diese Pflanzen können Wasser in ihren Blättern oder Stängeln speichern. Für Insekten sind die Mauern wichtige Rückzugsräume. Zwischen den Steinen finden sie Schutz. Und nicht nur Insekten. In dem unverfugten Mauerwerk finden auch Spinnen und Käfer Unterschlupf … und sogar größere Tiere, wie Eidechsen und Blindschleichen. Stell dir vor, wie am Abend eine Eidechse in eine Spalte der Mauer schlüpft. Sie hat den Tag in der Sonne verbracht. Jetzt sucht sie sich ihren Platz für die Nacht. Ein kleiner Käfer krabbelt in eine Fuge. Eine Spinne sitzt in ihrem Winkel. Und alle ruhen sie in einem Stein, der einmal Sand war. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines.
Kehren wir noch einmal zurück. Zum flachen Meer vom Anfang. Es ist jetzt fast dunkel geworden. Die Wellen laufen noch immer heran … und ziehen sich wieder zurück. Mit jeder Welle bewegt sich ein wenig Sand. Vielleicht liegt dort gerade ein Korn, das einmal Teil eines Sandsteins wird. In einer Mauer … in einer Fassade … oder in einem Hang über einem Fluss. Aber das ist noch sehr weit weg. Jetzt liegt das Korn nur da. Der Sand kommt vom Land. Der Fluss trägt ihn zum Meer. Das Meer legt ihn ab. Schicht legt sich auf Schicht. Das Wasser weicht. Der Kitt wächst zwischen den Körnern. Und langsam … sehr langsam … wird aus Sand ein Stein.
Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines. Die Wellen kommen. Und sie gehen. Der Sand bleibt. Ein Korn legt sich auf das andere. Und noch eines. Und du darfst jetzt schlafen. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.
Quelle und Lizenz
Dieser Text beruht auf den Wikipedia-Artikeln «Sandstein», «Sedimente und Sedimentgesteine», «Diagenese» und «Werkstein». Die Artikel stehen unter CC BY-SA 4.0; dieser bearbeitete Text steht unter derselben Lizenz.
Verwendete Fassungen: «Sandstein» Version 267971527, abgerufen am 28. Oktober 2026, «Sedimente und Sedimentgesteine» Version 262344129, abgerufen am 28. Oktober 2026, «Diagenese» Version 253467177, abgerufen am 28. Oktober 2026 und «Werkstein» Version 270158254, abgerufen am 28. Oktober 2026.
Der Text wurde automatisch erstellt, gegen die Quelle geprüft und von einer computergenerierten Stimme vorgetragen – deshalb gibt es jeden Abend eine neue Folge. Verantwortlich für Themenauswahl und Stichproben ist Michael Feer. Mehr dazu unter Über Fridolin und Lizenz & Quellen.