In der Werkstatt des Buchbinders

Worum es in dieser Einschlafgeschichte geht
In der stillen Werkstatt eines Buchbinders wird aus losen, bedruckten Bogen ein fertiges Buch. Diese Einschlafgeschichte für Erwachsene folgt jedem Schritt: falten mit dem Falzbein, die Lagen zu einem Buchblock heften, leimen, runden, pressen.
Dazu das Kapitalband, das schmale gewebte Band oben und unten am Rücken, der Überzug aus Leder, Pergament oder Leinen und zuletzt die Prägung mit ihrem goldenen Muster. Nach dem Einhängen ruht das Buch über Nacht in der Presse. Ein Buchbinder richtet auch alte Bücher wieder her – ein sehr altes Handwerk bei warmem Lampenlicht, im Geruch von Papier, Leder und Leim.
Einschlafgeschichten in deiner Lieblings-App hören
In deiner Podcast-App liegt sie am Abend schon bereit – auch offline.
Der ganze Text dieser Einschlafgeschichte
Stell dir eine kleine Werkstatt vor. Es ist Abend … und draußen ist es schon dunkel. Auf dem Tisch steht eine warme Lampe … und wirft einen ruhigen Lichtkreis auf die Arbeitsfläche. Ringsum ist es still. An den Wänden hängen Werkzeuge … in einem Regal stapeln sich Papiere und Pappen. Und in der Luft liegt ein Geruch … den man nie vergisst. Es riecht nach Papier … nach Leder … nach Leim. An der Werkbank sitzt ein Buchbinder … und arbeitet ganz ruhig vor sich hin. Ohne Hast … ohne Lärm. Nur seine Hände bewegen sich … langsam … und sicher. Schau dich ein wenig um in der Werkstatt. An der Wand hängen Werkzeuge in einer Reihe. Kleine Hämmer … Scheren … und Messer. Pinsel in einem Glas … und Stäbchen aus hellem, glattem Bein. In der Ecke steht eine schwere Presse aus Holz … mit einer großen Spindel. Und auf einem Regal … warten Bogen von Papier … Stücke von Leder … und Platten aus grauer Pappe. Alles hat hier seinen festen Platz. Alles ist ruhig … und geordnet. Und die Werkstatt hat ihre eigenen, leisen Geräusche. Das sanfte Gleiten des Falzbeins über das Papier. Das feine Ziehen eines Fadens. Das leise Klopfen eines kleinen Hammers … gedämpft … und gleichmäßig. Ab und zu das Schnappen einer Schere … und das Rascheln von Papier. Lauter kleine, ruhige Töne. Sie stören die Stille nicht … sie machen sie nur noch tiefer.
Was ein Buchbinder macht – und wie alt das Handwerk ist
Ein Buchbinder macht aus losen Bogen ein Buch. Wenn ein Buch gedruckt wird … kommt es zuerst nicht als fertiges Buch aus der Presse. Sondern als große, bedruckte Papierbogen. Viele Seiten … auf einem einzigen Blatt … noch flach … und lose. Erst der Buchbinder … faltet und heftet und bindet daraus ein Buch. Er gibt dem Buch seine Form … und seine feste, schützende Hülle. Es ist der letzte Schritt … ganz am Ende der langen Reise eines Buches.
Einschlafgeschichte weiterlesenDie restlichen 3.525 Wörter, Wort für Wort wie Fridolin es erzählt
Das ist ein sehr altes Handwerk. Vor langer, langer Zeit … gab es nur wenige Bücher auf der Welt. Sie wurden von Hand geschrieben … in den stillen Stuben der Klöster. Und dort … wurden sie auch gebunden. Ein Mönch saß an seinem Pult … und fügte die beschriebenen Blätter zusammen … zu einem festen, schweren Band. Jedes Buch war ein kleiner Schatz … und wurde mit großer Sorgfalt gemacht. Diese alten Bücher waren schwer. Ihre Deckel waren in der Regel aus Holz … und mit Leder überzogen. Manche trugen Schließen und Beschläge aus Metall … die den Einband schützten … und ihn zusammenhielten. Und in das Leder … prägte man feine Linien und Muster … ganz ohne Farbe. Man nennt das den Blinddruck. Ein zartes Muster … das man mehr fühlt als sieht. So wertvoll war ein einziges Buch … in jener fernen Zeit.
Später … als es mehr Bücher gab … wurde das Buchbinden ein eigener Beruf. Vor allem in den Städten … wo es Universitäten gab … und Handel. Dort schlossen sich die Buchbinder zu Zünften zusammen. In Basel … wurden sie schon vor sehr langer Zeit in eine Zunft aufgenommen. Auch in Straßburg … in Augsburg … in Wittenberg … entstanden solche Gemeinschaften. Eine Zunft war mehr als nur ein Berufsverband. Sie war eine Gemeinschaft … mit eigenen Regeln … und alten Bräuchen.
Wer den Beruf lernen wollte … kam als Lehrling in die Werkstatt eines Meisters. Er wohnte dort … und arbeitete dort … und gehörte fast zur Familie. Gelernt wurde durch Zusehen … durch Nachmachen … und durch Helfen. Tag für Tag … Handgriff für Handgriff. Und wenn die Lehre vorüber war … wurde der Lehrling ein Geselle. Dann zog er hinaus … und wanderte von Stadt zu Stadt … und lernte bei immer neuen Meistern dazu. Man nannte ihn den wandernden Gesellen. Mit seinem Bündel … von Werkstatt zu Werkstatt … über viele Jahre. Und wollte er selbst einmal Meister werden … und eine eigene Werkstatt führen … so musste er sein Können zeigen. In einer Meisterprüfung … stellte er unter Beweis, was er gelernt hatte. Erst wenn er sie bestanden hatte … durfte er sich Meister nennen. Dann eröffnete er seine eigene Werkstatt … und nahm selbst Lehrlinge auf. Und so wurde das Handwerk … von einer Hand zur nächsten weitergereicht … über die Jahrhunderte hinweg.
Manche Buchbinder wurden besonders geschätzt. Sie durften sich Hofbuchbinder nennen. Sie arbeiteten für Fürsten … die schöne, kostbare Bücher liebten. In Wien zum Beispiel … gab es einen Buchbinder für den Hof des Kaisers. Für sie band man die feinsten Bände … mit Leder … und mit Gold verziert. Bücher, die man verschenkte … von einem Fürsten zum anderen. Ein Buchbinder bindet aber die verschiedensten Bücher. Ganz kleine Bücher … so klein, dass sie in eine Hand passen. Und große, schwere Bände … in die auch Karten und Tafeln eingebunden werden. Dicke Bücher … und schmale Bücher. Jedes bekommt die Hülle … die zu ihm passt. Ein zartes für das kleine … ein festes für das große. Und jedes … geht durch dieselben ruhigen Hände.
Doch am schönsten … ist es, dem Handwerk selbst zuzusehen. Also komm … setz dich in Gedanken an die Werkbank … und schau ganz ruhig zu.
Falten mit dem Falzbein
Alles beginnt mit dem Falten. Der Buchbinder nimmt einen großen, bedruckten Bogen … und legt ihn glatt vor sich hin. Dann faltet er ihn … einmal … in der Mitte. Und über die Falte fährt er mit einem kleinen Werkzeug … aus glattem, hellem Bein. Man nennt es das Falzbein. Es gleitet über das Papier … und streicht die Falte scharf und glatt. Ein leises Geräusch … wenn das Bein über das Papier fährt. Und dann noch einmal gefaltet … und noch einmal. So wird aus einem großen Bogen … ein kleines Heft von Seiten. Man nennt es eine Lage. Die Falte wird ganz scharf und glatt. Man kann mit dem Finger darüberfahren … und spürt eine feine, saubere Kante. Und wenn man eine solche Lage aufschlägt … liegen die Seiten in der richtigen Reihenfolge … ganz von selbst. Das ist das Schöne am Falten. Aus einem einzigen Blatt … wird auf einmal ein kleines Heft.
Falz um Falz … Lage um Lage. Der Buchbinder faltet einen Bogen nach dem anderen … und legt sie zu einem Stapel. Und wenn alle Lagen gefaltet sind … trägt er sie zusammen … in der richtigen Reihenfolge. Damit nichts durcheinandergerät … tragen die Bogen kleine Zeichen am Rücken. Winzige Striche … die treppenförmig nach unten wandern. Liegen alle Lagen richtig … so bilden die Striche eine saubere, schräge Linie. Ein kleiner, kluger Trick … damit keine Seite fehlt … und keine verkehrt liegt. Es riecht nach Papier … nach Leder … nach Leim.
Heften: aus Lagen wird ein Buchblock
Nun kommt das Heften. Jetzt werden die einzelnen Lagen … zu einem festen Block verbunden. Dazu spannt der Buchbinder ein paar Bänder auf … in einem hölzernen Gestell. Man nennt es die Heftlade. Er legt die erste Lage an … und führt Nadel und Faden hindurch. Von innen nach außen … um ein Band herum … und wieder hinein. Dann die nächste Lage … und die nächste … immer mit demselben ruhigen Stich. Es ist eine ruhige, gleichmäßige Arbeit. Die Nadel geht hinein … und wieder heraus. Der Faden wird sacht angezogen … gerade fest genug … nie zu straff. Ein leises Ziehen des Fadens … und dann der nächste Stich. Oben und unten an jeder Lage … verknüpft der Buchbinder den Faden … mit einem kleinen, festen Knoten. So hängt eine Lage an der anderen … sicher … und doch beweglich. Lage um Lage … wächst der Block in die Höhe. Und am Rücken … liegt der Faden fest um die Bänder. So hält jede Seite … und keine kann sich mehr lösen. Bei alten, feinen Büchern … sieht man diese Bünde noch. Als kleine, erhabene Rippen … quer über den Buchrücken.
Jetzt ist aus vielen losen Lagen … ein fester Block geworden. Man nennt ihn den Buchblock. Der Buchbinder streicht nun ein wenig Leim … ganz dünn … auf den Rücken. Mit dem Falzbein reibt er ihn … sanft in die kleinen Zwischenräume. So verbindet der Leim die Lagen … und macht den Rücken fest. Dann lässt er ihn ruhen … und trocknen. Wenn der Leim getrocknet ist … gibt der Buchbinder dem Rücken eine Rundung. Er legt den Block hin … und klopft mit einem Hammer … ganz sacht … von der Mitte nach außen. Schlag um Schlag … wölbt sich der Rücken zu einem sanften Bogen. Nicht mehr flach … sondern schön gerundet. Und die Vorderseite des Blocks … formt sich dabei zu einer feinen Mulde. So lässt sich das Buch später … leichter aufschlagen … und liegt schöner in der Hand.
Dann kommt der Block in die Presse. Zwischen zwei glatte Bretter … wird er fest eingespannt. Der Buchbinder dreht die Presse zu … langsam … bis alles fest sitzt. Und dort … ruht der Block eine Weile … ganz still … und gerade. So bekommt er seine feste, saubere Form. Beim Abpressen entstehen an den Seiten des Rückens … zwei kleine, feine Kanten. Man nennt sie die Schultern. An sie legen sich später die Deckel an … und finden dort ihren Halt. So passt am Ende alles genau zusammen … der runde Rücken … die Schultern … und die Deckel. Nichts davon sieht man dem fertigen Buch an. Und doch … sorgt gerade das dafür … dass es sich später so schön öffnen lässt.
Das Kapitalband und die feste Buchdecke
Nun kommt ein feines, kleines Ding an die Reihe. Das Kapitalband. Das ist ein schmales, gewebtes Band … das oben und unten an den Rücken kommt. An den Kopf … und an den Fuß des Buches. Früher hielt es die Lagen zusammen … und schützte die Ecken vor dem Einreißen. Später wurde es vor allem zur Zierde. Ein feines Band … oft in schönen, bunten Farben. Ein kleiner, sorgfältiger Abschluss … oben und unten am Buchrücken. Es riecht nach Papier … nach Leder … nach Leim.
Jetzt fehlt noch die Hülle … die feste Decke des Buches. Zuerst schneidet der Buchbinder zwei Deckel zu. Meist aus fester, grauer Pappe. Einen für vorne … einen für hinten. Und dann wählt er den Stoff … mit dem er alles überziehen will. Vielleicht feines Leder … weich und geschmeidig. Oder Pergament … hell und glatt. Oder ein festes Leinen … oder ein schön gemustertes Papier. Leder gibt es in vielen ruhigen Farben. Ein tiefes, warmes Braun … ein dunkles Rot … ein sattes Grün … oder ein ganz dunkles, fast schwarzes Blau. Und Leder hat einen eigenen, feinen Geruch. Warm … und ein wenig würzig. Das Pergament dagegen ist hell … und glatt … und kühl. Und das Leinen … gibt es in allen Farben, die man sich wünscht. Der Buchbinder wählt mit Bedacht. Denn die Hülle … soll zum Inhalt des Buches passen. Ist es Leder … so schärft er die Ränder … und macht sie ganz dünn … damit sie sich sauber umlegen lassen. Das Leder ist weich … und ein wenig feucht. So lässt es sich gut formen … und schmiegt sich an die Pappe. An den Ecken … faltet der Buchbinder es ganz vorsichtig ein. Er zieht … und streicht … und drückt … bis jede Ecke glatt und sauber sitzt. Liegen unter dem Rücken die erhabenen Bünde … so zeichnen sie sich nun im Leder ab. Feine Rippen … quer über den Rücken. Mit einem schmalen Werkzeug … streicht er das weiche Leder an ihnen entlang … und arbeitet sie sauber heraus. So bekommt der Rücken sein ruhiges Muster … aus lauter feinen, erhabenen Linien.
Dann bestreicht er den Stoff mit Kleister … und legt die Deckel darauf. Und den Rücken dazwischen. Ganz sorgfältig … zieht er den Stoff fest um die Pappe. Streicht ihn glatt … mit der flachen Hand … und mit dem Falzbein. Die überstehenden Ränder … schlägt er nach innen um … und klebt sie fest. So verschwindet jede rohe Kante … unter dem glatten Überzug. Manchmal wird das ganze Buch mit Leder überzogen. Das nennt man einen Ganzband. Ein anderes Mal … bezieht man nur den Rücken und die Ecken mit Leder … und die Deckel mit schönem Papier. Das nennt man einen Halbband. Beides hat seinen eigenen, stillen Reiz. Das warme Leder … und das gemusterte Papier … fügen sich zu einem ruhigen Ganzen.
Einhängen, pressen und der Schnitt
Und dann … werden Buchblock und Decke miteinander verbunden. Man nennt es das Einhängen. Die erste und die letzte Seite des Blocks … sind besondere Doppelblätter. Man nennt sie den Vorsatz. Manchmal ist der Vorsatz aus schönem Papier … mit feinen, marmorierten Mustern. Farben, die ineinanderfließen … wie sanfte Wolken … oder wie Wasser. So ein marmoriertes Papier … trägt weiche, fließende Farben. Mal in Blau und Grau … mal in warmem Rot und Gold. Und kein Blatt … gleicht ganz dem anderen. Diese Vorsatzblätter … werden an die Innenseite der Deckel geklebt. Und damit ist das Buch verbunden. Der Block sitzt fest in seiner Decke. Schlägt man das fertige Buch nun auf … so sieht man innen zuerst dieses schöne Papier. Ein stiller, kleiner Willkommensgruß … gleich hinter dem Deckel. Und dann erst … beginnt der Text.
Zum Schluss … kommt das Buch noch einmal in die Presse. Und ruht dort … über Nacht. Am nächsten Tag … nimmt der Buchbinder es heraus. Und hält ein fertiges Buch in den Händen. Glatt … und fest … und schön. So ein Buch entsteht nicht in einer Stunde. Immer wieder muss etwas trocknen … immer wieder muss etwas ruhen in der Presse. Ein guter Buchbinder … lässt sich Zeit für jeden Schritt. Er wartet … bis der Leim fest ist. Er wartet … bis das Leder liegt. Nichts lässt sich beschleunigen. Das Handwerk hat seinen eigenen, ruhigen Takt. Und vielleicht … liegt gerade darin sein Frieden.
Auch die Seiten selbst … bekommen noch einen letzten Schliff. Die drei offenen Kanten des Buches … werden sauber beschnitten … damit alle Seiten gleich groß sind. Und manchmal … werden diese Schnittkanten noch verziert. Man färbt sie … oder besprenkelt sie mit feinen Punkten. Oder man legt ein marmoriertes Muster darauf … mit weichen, fließenden Farben. Schlägt man ein solches Buch dann zu … so zeigt die Oberkante ihr feines Muster. Und schlägt man es auf … so verschwindet es wieder zwischen den Seiten … und die Kante wird ganz hell. Heute macht man das nur noch selten so aufwendig. Meist bekommt nur die obere Kante … einen zarten Farbschnitt.
Prägung und goldenes Muster auf dem Deckel
Und auch die Decke … darf noch geschmückt werden. Dafür hat der Buchbinder kleine Stempel … aus Messing … mit feinen Mustern und Linien. Er wärmt einen Stempel an … und drückt ihn vorsichtig in das Leder. Das nennt man eine Prägung. Ohne Farbe … bleibt nur ein feiner, dunkler Abdruck im Leder. Ein zartes Muster … das man mehr fühlt als sieht. Und will man das Muster golden haben … so legt man vorher ein hauchdünnes Blatt Gold auf das Leder. So dünn ist dieses Blattgold … dass es schon bei einem Hauch zittert. Dann drückt man den warmen Stempel darauf. Und die Wärme … lässt das Gold am Leder haften. Genau dort, wo der Stempel war … bleibt eine feine, goldene Spur. So entstehen goldene Linien … und goldene Buchstaben … auf dem Rücken … und auf dem Deckel. Ganz von Hand … Stück für Stück. Diese Kunst ist sehr alt. Schon vor vielen Jahrhunderten … verzierte man die Ledereinbände. Zuerst nur mit dem Blinddruck … mit feinen Linien … und kleinen Stempeln … ganz ohne Gold. Mit einem erwärmten Eisen … zog man gerade Linien in das Leder … und setzte dazwischen kleine, gepresste Muster. Später … schnitt man auch Bilder in das feuchte Leder. Mit einem feinen Messer … zeichnete man Ranken … und Blätter … und Tiere. Und noch später … kam das Gold dazu. So wurde aus einem schlichten Deckel … nach und nach ein kleines Kunstwerk.
Es riecht nach Papier … nach Leder … nach Leim.
Alte Bücher herrichten – und die Maschinen von heute
Ein Buchbinder macht aber nicht nur neue Bücher. Er hilft auch den alten. Kommt ein Buch zu ihm … dessen Rücken schon brüchig ist … dessen Seiten sich lösen … dann nimmt er es behutsam auseinander. Er reinigt es … bessert es aus … und bindet es neu. So bekommt ein altes, müdes Buch … noch einmal ein langes Leben. In manchen Bibliotheken … und in Werkstätten für alte Schriften … tut ein Buchbinder genau das. Er bewahrt … was sonst zerfallen würde. So ein Buch kann einen langen Weg gehen. Es wird gelesen … und weggestellt … und wieder hervorgeholt. Mit der Zeit … bekommt es seine eigenen, leisen Spuren. Ein Rücken, der ein wenig weicher wird … eine Ecke, die sich sacht abrundet. Und wird es einmal müde … so bringt man es wieder zum Buchbinder. Und der … gibt ihm neue Kraft.
Heute freilich … kommen die meisten Bücher aus großen Maschinen. In langen Reihen … laufen sie durch die Fertigung. Falten … heften … leimen … beschneiden … alles läuft ganz von selbst. Man nennt so eine lange Maschinenreihe … eine Buchstraße. Am Ende fällt ein fertiges Buch heraus … eines nach dem anderen. Schnell … und gleichmäßig. Und doch … gibt es sie immer noch. Die Buchbinder von Hand … in ihren stillen Werkstätten. Sie binden besondere Bücher … einzeln … und mit viel Sorgfalt. Und sie hüten die alten Handgriffe … die schon vor Hunderten von Jahren dieselben waren. Man hat dieses Handwerk sogar … zu einem schützenswerten Kulturgut erklärt. Damit es nicht verloren geht … und weiter von Hand zu Hand … weitergegeben wird.
Viele Hände in einem einzigen Buch
Wenn man darüber nachdenkt … gehen durch ein einziges Buch viele Hände. Die Hand, die es geschrieben hat. Die Hände, die es gedruckt haben … Seite um Seite. Und die Hände des Buchbinders … die aus den losen Bogen ein Buch gemacht haben. Und dann … die Hände all der Menschen … die es lesen. Die es aufschlagen … darin blättern … und es wieder ins Regal stellen. Ein Buch wandert oft durch viele Leben. Von einem Menschen zum nächsten … über die Jahre … über die Zeiten. Und ganz am Anfang dieser langen Reise … stand der ruhige Buchbinder … an seiner Werkbank … im warmen Lampenlicht. Denk noch einmal an die stille Werkstatt. An die warme Lampe … und den ruhigen Lichtkreis auf dem Tisch. An die Hände … die so ruhig … und so sicher arbeiten. Falten … und heften … und leimen … und pressen. An das leise Gleiten des Falzbeins … über das Papier. An den Geruch von Papier … von Leder … von Leim.
Und denk an das fertige Buch. Wie es glatt und fest in der Hand liegt. Wie sich der Deckel öffnen lässt … mit einem leisen, weichen Widerstand. Wie die Seiten leise rascheln … wenn man sie umblättert. So viele ruhige Handgriffe … stecken in diesem einen Buch. So viel Geduld … und so viel Sorgfalt. Und wenn du das nächste Mal ein Buch in die Hand nimmst … denk vielleicht kurz daran. An die vielen gefalteten Bogen … und die vielen kleinen Stiche. An den Leim … das Leder … das Gold. An die Hände … die all das zusammengefügt haben … zu diesem einen, ruhigen Ding. Ein Buch … das nun still darauf wartet … gelesen zu werden.
Und irgendwann … steht dieses Buch vielleicht in einer großen Bibliothek. In einem langen, hohen Regal … Rücken an Rücken … mit vielen anderen. Lauter stille Bücher … in ihren farbigen Einbänden. Braun … und rot … und dunkelgrün. Manche mit goldenen Linien auf dem Rücken … manche ganz schlicht. Und alle stehen sie ruhig da … und warten geduldig. Es ist ganz still in so einem Raum. Nur ab und zu … zieht jemand ein Buch heraus … und blättert leise darin. Und dann stellt er es wieder zurück … an seinen festen Platz. Und der Raum wird wieder still. In der Werkstatt aber … neigt sich der Tag dem Ende zu. Auf der Werkbank … steht ein kleiner Stapel fertiger Bücher. Der Buchbinder betrachtet sie einen Augenblick. Glatt … und fest … und schön. Jedes von ihnen … hat er mit seinen Händen gemacht. Bogen um Bogen … Stich um Stich. Nun dürfen sie ruhen … über Nacht. Und morgen … beginnt er ganz von vorn … mit einem neuen Bogen.
Warum diese Arbeit beruhigt
Es ist etwas sehr Beruhigendes … an einer solchen Arbeit. An Dingen, die man ganz langsam tut … mit ruhiger Hand … und ohne Eile. Ein Bogen falten … und glatt streichen. Einen Faden ziehen … und einen Knoten machen. Ein Stück Leder anfeuchten … und sanft glatt streichen. Immer nur ein kleiner Schritt … und dann der nächste. Man muss nicht an das ganze Buch denken. Nur an den einen Griff … den man gerade tut. Und so … Griff um Griff … entsteht am Ende ganz von selbst … ein Buch. Vielleicht magst du selbst … ganz langsam ein- und ausatmen. So ruhig … wie das Gleiten des Falzbeins. Ein … und wieder aus. Ein … und wieder aus. Und mit jedem Atemzug … wirst du ein bisschen ruhiger … und ein bisschen schwerer.
Und du … musst jetzt gar nichts mehr tun. Nichts falten … nichts heften … nichts halten. Die Hände in der Werkstatt … arbeiten ganz ruhig weiter. Bogen um Bogen … Lage um Lage. Ein Bogen wird gefaltet … und zur Seite gelegt. Ein Faden wird durchgezogen … und sacht angezogen. Ein wenig Leim … ein sanfter Strich. Und dann … ein neuer Bogen. Immer derselbe ruhige Takt … ohne Anfang und ohne Ende. Wie ein leises, gleichmäßiges Atmen. Und die warme Lampe … wirft ihren stillen Kreis auf den Tisch. Und alles ist ruhig … und gut. Vielleicht wird dieses Buch einmal … an einem stillen Abend gelesen. Bei einer kleinen Lampe … in einem warmen Zimmer. Jemand schlägt es auf … und die Seiten rascheln leise. Und Zeile für Zeile … gleitet er hinein in die Geschichte … und wird dabei ganz ruhig. So wie du jetzt.
Die Werkstatt wird still. Die Lampe brennt nur noch ganz leise. Das Falzbein liegt auf dem Tisch. Die Werkzeuge ruhen an der Wand. Das fertige Buch ruht in der Presse. Alles ist getan für heute. Nichts muss mehr gefaltet werden … nichts mehr geheftet … nichts mehr geleimt. Und auch du … musst jetzt gar nichts mehr tun. Du darfst die Hände ruhen lassen … und ganz weich werden. Denk noch einmal an die ruhige Werkstatt. An das warme Licht … und die stillen Werkzeuge. An die vielen kleinen, sorgfältigen Handgriffe … die aus losen Bogen ein Buch machen. Falten … heften … leimen … pressen. Immer im selben ruhigen Takt. Nichts davon geht schnell. Und nichts davon muss schnell gehen. Alles darf sich Zeit nehmen … in dieser stillen, warmen Werkstatt. Und auch du … hast jetzt alle Zeit der Welt. Ganz ruhig … ganz weit weg jetzt.
Und du darfst jetzt schlafen. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.
Quelle und Lizenz
Dieser Text beruht auf den Wikipedia-Artikeln «Buchbinder», «Buchbinden» und «Bucheinband». Die Artikel stehen unter CC BY-SA 4.0; dieser bearbeitete Text steht unter derselben Lizenz.
Der Text wurde automatisch erstellt, gegen die Quelle geprüft und von einer computergenerierten Stimme vorgetragen – deshalb gibt es jeden Abend eine neue Folge. Verantwortlich für Themenauswahl und Stichproben ist Michael Feer. Mehr dazu unter Über Fridolin und Lizenz & Quellen.