Gute Nacht mit Fridolin – zur Startseite

Folge 39 · 31. August 2026 · 28 Minuten

Hohe Bäume und viel Platz dazwischen

Fridolin hält einen kleinen alten Apfelbaum mit knorrigem Stamm und runder Krone voller roter Äpfel in den Händen, über Wolken unter einem Sternenhimmel.

Worum es in dieser Einschlafgeschichte geht

Eine Einschlafgeschichte für Erwachsene über Streuobstwiesen: hochstämmige Obstbäume, weit auseinander im hohen Gras, unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Sorten. Fridolin geht am Abend zwischen ihnen hindurch und erklärt, warum gerade der viele Platz das Entscheidende ist.

Unterwegs kommen die sechzig bis einhundertzwanzig Bäume pro Hektar vor — gegen bis zu dreitausend in einer Plantage —, die zwei Stockwerke aus Kronen- und Krautschicht, die zweitausend bis fünftausend Tierarten und eine Reihe alter Apfelsorten mit Namen wie Bohnapfel, Rote Sternrenette und Horneburger Pfannkuchenapfel. Dazu der Pomologen-Verein und die achtzehntausend gezählten Bäume in Wolfurt.

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Der ganze Text dieser Einschlafgeschichte

2.507 Wörter · rund 13 Minuten zum Lesen, Mitlesen oder Vorlesen

Verstreut stehende Bäume und viele Namen

Stell dir eine Wiese vor … am Rand eines Dorfes, leicht ansteigend. Das Gras steht hoch und ist noch nicht gemäht. Darin stehen Bäume, weit auseinander. Es ist Abend geworden. Es sind Obstbäume. Aber nicht so, wie du sie aus einer Plantage kennst. Sie sind hoch. Ihre Stämme reichen ein gutes Stück nach oben, bevor die erste Astgabel kommt. Und ihre Kronen sind gross und breit … jede anders geformt als die daneben. Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. So etwas nennt man eine Streuobstwiese. Das Wort beschreibt es genau: Die Bäume stehen verstreut. Nicht in Reihen, nicht in Abständen, die jemand ausgemessen hat. Es ist eine traditionelle Form des Obstbaus in Europa … und eine sehr alte.

Sie hat viele Namen, je nachdem, wo man ist. Man sagt Obstwiese. Man sagt Obstgarten. In manchen Gegenden heisst so ein Stück Land schlicht Stückle. Und dann gibt es Namen, die klingen, als wären sie aus einer anderen Sprache: Bitz. Bangert. Bongert. Bungert. Die letzten drei kommen alle vom selben Wort, nämlich vom Baumgarten. Vier Ortschaften, vier Aussprachen, ein Begriff. Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. Was macht diese Bäume aus. Drei Dinge stehen in der Beschreibung. Sie sind starkwüchsig … das heisst, sie wachsen kräftig und werden gross. Sie sind hochstämmig … der Stamm ist also lang, bevor die Krone anfängt. Und sie sind grosskronig erzogen … man hat sie beim Schneiden bewusst breit werden lassen. Erzogen ist übrigens der richtige Ausdruck dafür. Ein Baum wird erzogen, nicht nur gepflanzt.

Und noch etwas kommt dazu, das ich besonders mag. Auf so einer Wiese stehen Bäume unterschiedlichen Alters nebeneinander … und unterschiedlicher Arten … und unterschiedlicher Sorten. Ein junger neben einem sehr alten. Ein Apfel neben einer Birne neben einer Zwetschge. Das ist kein Durcheinander. Das ist das Prinzip. Wenn ein Baum ausfällt, tragen die anderen weiter. Wenn ein Jahr für die eine Sorte schlecht ist, ist es für die andere gut. Die grossen, landschaftsprägenden Streuobstwiesen liegen in Süddeutschland … in Österreich … und in der Schweiz. Also genau in dem Raum, aus dem die meisten von euch zuhören. Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. Jetzt eine Zahl, die den Unterschied deutlich macht. Auf einer Streuobstwiese stehen je nach Obstart sechzig bis einhundertzwanzig Bäume auf einem Hektar. Ein Hektar ist ein Quadrat von hundert mal hundert Metern. Darauf also höchstens einhundertzwanzig Bäume … das sind grosszügige Abstände.

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Und nun der Vergleich. In einer modernen Obstplantage sind bis zu dreitausend Bäume pro Hektar üblich. Dreitausend gegen einhundertzwanzig. Das ist nicht ein bisschen mehr. Das ist eine völlig andere Art, mit Land umzugehen. Man sieht es auch an der Fläche, die ein einzelner Baum bekommt. Ein ausgewachsener Hochstamm braucht viel Platz für sich allein. Für eine sogenannte Schlanke Spindel im Intensivanbau … das ist ein kleiner, schmal gezogener Baum … rechnet man dagegen mit einem bis zwei Quadratmetern. Ein bis zwei. Also etwa so viel, wie ein Mensch zum Stehen braucht. Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. Aus diesem vielen Platz folgt fast alles andere. Eine Streuobstwiese hat nämlich nur zwei Stockwerke. Das obere ist die Kronenschicht … also alles, was oben in den Bäumen passiert. Das untere ist die Krautschicht … Gräser, Kräuter und teilweise niedrige Stauden. Dazwischen ist nichts. Kein Unterholz, keine Sträucher, kein Dickicht.

Und weil die Bäume so weit auseinanderstehen und ihre Kronen licht sind, kommt viel Sonne bis nach unten. Die Krautschicht ist deshalb besonnt und sehr vital. Das ist der eigentliche Trick an der Sache. Es wachsen nicht einfach Obstbäume auf einer Wiese. Es ist die Wiese selbst, die davon profitiert, dass die Bäume so weit auseinanderstehen. Zwei Nutzungen auf derselben Fläche, und keine nimmt der anderen etwas weg. Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. Diese Bäume tun noch etwas anderes, das man ihnen nicht ansieht. An Hängen schützen sie den Boden vor Erosion … also davor, dass ihn Regen und Wind wegtragen. Ihre Wurzeln halten die Erde fest. Dadurch lässt sich ein Hang dauerhaft beweiden, ohne dass er mit der Zeit abrutscht.

Sie machen auch etwas mit der Luft. Weil auf so einer Wiese ständig schattige und besonnte Flächen nebeneinanderliegen, entsteht dazwischen ein Luftaustausch. Warme Luft steigt über den sonnigen Stellen auf, kühlere fliesst aus dem Schatten nach. Dadurch werden extreme Temperaturen abgeschwächt … es wird nicht so heiss und nicht so kalt wie auf einer offenen Fläche. Und sie bremsen den Wind. Nicht wie eine Mauer, die ihn abblockt … sondern durch die vielen unterschiedlichen Formen, an denen er sich reibt. Man nennt das Strukturvielfalt. Je mehr verschieden geformte Dinge im Weg stehen, desto langsamer wird die Luft. Im achtzehnten Jahrhundert war das ein bewusstes Mittel. Damals legte man rund um die Siedlungen ganze Gürtel aus Streuobst an … und die wirkten als Windschutz für den Ort. Ein Dorf, das sich einen Ring aus Bäumen umlegt.

Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. Und jetzt zu dem, was dort alles lebt. In einer Streuobstwiese können zwischen zweitausend und fünftausend Tierarten beheimatet sein … oder dort zumindest ihre Nahrung finden. Zweitausend bis fünftausend. Auf einer Wiese mit ein paar Bäumen darauf. Besonders wichtig ist sie für zwei Gruppen: für Vögel … und für Gliederfüsser, also für Insekten und Spinnen. Es gibt sogar Moose, die als typisch für solche Wiesen gelten. Zwei davon haben Namen, die ich dir nicht vorenthalten möchte. Das eine heisst Grüner Drehzahn. Das andere heisst Glattstieliges Kurzbüchsenmoos. Glattstieliges Kurzbüchsenmoos. Ein Wort, an dem man sich festhalten kann. Und irgendwo hat jemand entschieden, dass es genau so heissen soll … und dann hat er es aufgeschrieben.

Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. Es gibt kleine Falter, die man auf solchen Flächen lesen kann wie ein Messgerät. Fachleute nennen solche Tiere Zeigertiere. Ein paar von ihnen heissen Flechtenbärchen … weil ihre Raupen von Flechten leben. In einer Heide in Mitteldeutschland hat man das genauer untersucht. Und man hat gesehen: Diese Falter sind vor allem dort, wo mehr als vier Zehntel einer Fläche mit Flechten bewachsen sind. Wo weniger Flechten wachsen, fehlen sie. Man muss also nicht die Flechten zählen. Man kann die Falter zählen und weiss dann Bescheid. Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. So eine Wiese ist übrigens nicht nur nützlich. Sie ist auch schön, und das ist ausdrücklich Teil der Sache. Die Bäume haben unterschiedliche Wuchsformen. Sie blühen zu unterschiedlichen Zeiten. Und im Herbst färben sie sich unterschiedlich. Damit nehmen sie eine gestalterische Funktion wahr … so steht es tatsächlich geschrieben. Und deshalb gehen Menschen in ihrer Freizeit gern dorthin. Ein Stück Landwirtschaft, das man auch einfach anschauen kann.

Über das Alter dieser Art zu wirtschaften lässt sich Erstaunliches sagen. Grossfrüchtige Rosengewächse wurden in Mitteleuropa schon in der Jungsteinzeit genutzt … in den Lösslandschaften, wo die Menschen sich zuerst niederliessen. Die Schlehe zum Beispiel gehört dazu. Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Kirschen und Schlehen sind nämlich alle miteinander verwandt. Sie gehören zu den Rosengewächsen … zur selben Familie wie die Rose. Wer im Frühling eine Apfelblüte genau ansieht, erkennt es sofort. Fünf Blütenblätter, und in der Mitte ein Kranz. Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. Etwas Trockenes will ich kurz erwähnen, weil dahinter mehr steckt, als man denkt. Es gibt Streit darüber, was genau eine Streuobstwiese ist. Verschiedene Stellen haben dafür verschiedene Definitionen aufgeschrieben … ein deutscher Gartenbauverband, eine österreichische Festlegung, eine Bundesbehörde für Naturschutz. Und das klingt nach Bürokratie, hat aber sehr praktische Folgen. Denn nur was definiert ist, kann geschützt werden. Nur was einheitlich definiert ist, lässt sich zählen. Und nur was gezählt ist, kann gefördert werden. Eine Landschaft braucht also erst einen genauen Begriff, bevor jemand etwas für sie tun kann. Manchmal fängt Naturschutz mit einem Satz in einem Papier an.

Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. Jetzt zu den Namen der Sorten … und das ist der Teil, bei dem ich am liebsten laut vorlese. Auf diesen Wiesen wachsen Äpfel, die es im Laden nicht gibt. Sie heissen Bohnapfel. Brettacher. Bittenfelder. Danziger Kantapfel. Rote Sternrenette. Luxemburger Reinette. Horneburger Pfannkuchenapfel. Finkenwerder Herbstprinz. Rheinischer Krummstiel … und Pommerscher Krummstiel, das sind zwei verschiedene. Erbachhofer Mostapfel. Engelsberger Renette. Sonnenwirtsapfel. Und einer heisst einfach Hilde. Hörst du, was diese Namen erzählen. Fast in jedem steckt ein Ort. Oder ein Hof. Oder ein Mensch. Jemand hat einen Baum gefunden, dessen Früchte besonders gut waren … und hat ihn nach dem Ort benannt, an dem er stand. Und dann hat man Zweige von ihm genommen und sie anderswo aufgesetzt, damit derselbe Apfel weiterwächst. Das nennt man Veredeln. Wenn man es im Sommer macht, heisst das Verfahren Okulation. Man setzt dabei nur ein einzelnes Auge ein … also eine einzige Knospe. Eine Knospe genügt, um eine Sorte weiterzugeben.

Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. Es gibt in Deutschland einen Verein, der nichts anderes tut, als sich um solche Sorten zu kümmern. Er heisst Pomologen-Verein. Pomologie ist die Lehre von den Obstsorten. Und dieser Verein hat ein Regelwerk zur Obstbaumpflege herausgegeben. Darin steht erstmals aufgeschrieben, was fachgerechtes Arbeiten an grosskronigen Obstbäumen eigentlich bedeutet. Ich finde das rührend gründlich. Dass jemand sich hinsetzt und aufschreibt, wie man einen alten Apfelbaum richtig schneidet … damit dieses Wissen nicht bei denen bleibt, die es zufällig gelernt haben. Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. Der Begriff selbst ist erstaunlich jung. Früher sagte man einfach Obstwiese. In manchen Gegenden tut man das bis heute. Das Wort Streuobstbau taucht erst in den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts auf. Und das Wort Streuobstwiese ist noch jünger. Es stammt aus dem Jahr neunzehnhundertfünfundsiebzig.

Geprägt hat es ein Vogelkundler. Er wollte darauf hinweisen, welche Bedeutung diese Flächen für den Vogelschutz haben … und brauchte dafür ein eigenes Wort. Ein Mensch, der Vögel beobachtet, gibt einer Landschaft ihren Namen. Und heute steht dieses Wort in Gesetzen. Seit dem Frühjahr zweitausendzweiundzwanzig ist die Streuobstwiese in Deutschland ein gesetzlich geschütztes Biotop. Und noch etwas ist passiert, das mir gefällt. Der Streuobstanbau wurde in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Immaterielles Kulturerbe … das sind nicht Gebäude oder Gegenstände, sondern Fertigkeiten. Dinge, die Menschen können. Das Schneiden, das Veredeln, das Ernten, das Wissen um die Sorten. Etwas, das nur weiterlebt, solange es jemand tut. Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen.

Von einem Ort möchte ich dir noch erzählen, weil dort jemand nachgezählt hat. Die Marktgemeinde Wolfurt liegt in Vorarlberg, im Westen Österreichs. Dort hat man eine alte Erhebung ausgewertet … aus einer Zeit, die man als den Höhepunkt der Streuobstkultur in Vorarlberg ansieht. Und in dieser Erhebung steht eine Zahl. Achtzehntausend Streuobstbäume. In einer einzigen Gemeinde. Ich stelle mir das gern vor. Nicht die Zahl selbst, sondern das Zählen. Jemand ist damals losgegangen, mit Papier und Bleistift, und hat Bäume gezählt. Einen nach dem anderen. Wiese für Wiese. Hang für Hang. Und irgendwann war er fertig und hat eine Zahl aufgeschrieben, von der er nicht ahnte, dass sie hundert Jahre später noch jemanden beschäftigen würde.

Im Burgenland, weiter im Osten Österreichs, ist die Sache übrigens ähnlich. Dort stehen in den typischen Streuobstgärten achtzig bis neunzig Bäume auf einem Hektar … teilweise sogar über hundert. Und die Besitzverhältnisse dort gehen auf die Realteilung zurück … also darauf, dass Land unter allen Kindern aufgeteilt wurde, statt an eines allein zu gehen. Deshalb sind die Grundstücke klein und schmal. Und deshalb hat fast jede Familie ein paar Bäume. Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. Was mit dem Obst geschieht, ist eine eigene kleine Geschichte. Das meiste davon wird zu Saft. Und die Deutschen trinken davon mehr als alle anderen: Der Verbrauch liegt bei achtundzwanzig Litern Fruchtsaft und Fruchtnektar im Jahr, pro Kopf. Weltweit an der Spitze.

Damit sich das Ernten von so einer Wiese überhaupt lohnt, haben sich Initiativen und Keltereien etwas ausgedacht. Sie zahlen einen Aufpreis. Das funktioniert so: Wer eine Streuobstwiese bewirtschaftet, schliesst mit einer Kelterei eine Vereinbarung über die Bewirtschaftung. Dieses Obst wird dann getrennt erfasst, getrennt verarbeitet und zu einem eigenen Produkt gemacht … meistens Apfelsaft. Und dafür bekommt der Erzeuger mehr als den üblichen Preis. Zu diesen Vereinbarungen gehört noch etwas, das ich sehr vernünftig finde. Ein Pflege- und Nachpflanzgebot. Wer mitmacht, verpflichtet sich also nicht nur, die Bäume zu pflegen … sondern auch, neue zu setzen. Sonst wäre so eine Wiese eines Tages leer, ganz ohne dass jemand etwas Falsches getan hätte. Ein Baum, der heute gepflanzt wird, trägt erst, wenn der Pflanzer alt ist. Darum muss es in einem Vertrag stehen.

Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. Und jetzt geh in Gedanken noch einmal über die Wiese. Es ist dunkel geworden. Das Gras ist feucht und legt sich an die Schuhe. Über dir die Kronen … unregelmässig, jede anders, mit Ästen, die in alle Richtungen gehen. An einem Stamm lehnt eine Leiter, die jemand stehen gelassen hat. Im Gras liegen ein paar Äpfel, die schon heruntergefallen sind. Man tritt darauf und merkt es an dem weichen Geräusch. An den Stämmen wachsen Flechten und Moos, auf der Seite, die dem Wetter zugewandt ist. In einer Astgabel sitzt eine Höhle, die ein Specht gemacht hat und in der jetzt jemand anderes wohnt. Und ganz oben, wo man es kaum noch sieht, bewegt sich etwas im Laub.

Wenn du dich hinsetzt und wartest, merkst du, wie viel hier eigentlich los ist. Zuerst hörst du nur den Wind in den Kronen. Dann, nach einer Weile, alles andere. Ein Rascheln im Gras, das sich fortbewegt und dann aufhört. Ein einzelner Vogel, der noch etwas sagt, obwohl es dafür schon zu spät ist. Und über allem dieses feine, kaum hörbare Summen, das man nicht einer bestimmten Sache zuordnen kann. Zweitausend bis fünftausend Arten. Man hört nicht alle. Aber man hört, dass sie da sind. Die alten Bäume sind die wichtigsten. In ihrer Rinde sitzen Risse und Spalten, in denen etwas wohnen kann. In ihrem Holz sind Höhlen. An ihren Ästen hängen Flechten, die Jahrzehnte gebraucht haben. Ein junger Baum kann das alles nicht bieten. Er ist glatt und dicht und hat noch keine Lücken. Deshalb gehört zu so einer Wiese immer beides. Junge Bäume, die tragen werden. Und alte, in denen gewohnt wird.

Und dazwischen liegt eine ganze Zeitspanne. Wer hier einen Hochstamm pflanzt, wird die volle Krone nicht mehr erleben. Das dauert länger als ein Berufsleben. Man pflanzt also für jemanden, den man nicht kennt. Ich finde, das ist eine der freundlichsten Handlungen, die es gibt. Die Bäume stehen weit auseinander, und zwischen ihnen ist Himmel. Das ist der Unterschied zu einem Obstgarten in Reihen. Dort schaut man auf Bäume. Hier schaut man zwischen ihnen hindurch. Morgen früh wird jemand kommen und nachsehen, was reif ist. Er wird sich Zeit lassen müssen, weil die Bäume so weit auseinanderstehen. Das ist keine schnelle Ernte. Es war nie eine. Hohe Bäume … und viel Platz dazwischen. Und darüber der ganze Himmel.

Es wird kühl. Das Gras richtet sich wieder auf, wo jemand gegangen ist. Die Äpfel liegen still im Dunkeln und werden über Nacht ein wenig weicher. Es ist alles da. Es muss nur niemand etwas tun. Und du darfst jetzt schlafen. Alles ist gesagt … nichts musst du dir merken. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.

Quelle und Lizenz

Dieser Text beruht auf dem Wikipedia-Artikel «Streuobstwiese». Die Artikel stehen unter CC BY-SA 4.0; dieser bearbeitete Text steht unter derselben Lizenz.

Verwendete Fassungen: «Streuobstwiese» Version 267627677, abgerufen am 10. August 2026.

Der Text wurde automatisch erstellt, gegen die Quelle geprüft und von einer computergenerierten Stimme vorgetragen – deshalb gibt es jeden Abend eine neue Folge. Verantwortlich für Themenauswahl und Stichproben ist Michael Feer. Mehr dazu unter Über Fridolin und Lizenz & Quellen.