Gute Nacht mit Fridolin – zur Startseite

Folge 20 · 12. August 2026 · 46 Minuten

Die Talsperre und der stille See dahinter

Fridolin sitzt auf Wolken und hält die gebogene Mauer einer kleinen Talsperre in den Händen.

Worum es in dieser Einschlafgeschichte geht

Eine sanft gebogene Staumauer und der stille See dahinter, spiegelglatt. Diese Einschlafgeschichte für Erwachsene folgt dem langsam gestauten Wasser von der Mauer bis hinauf in die Berge.

Die Mauer steht dort, wo das Tal am engsten ist. Die einfachste Bauart ist die Gewichtsmauer, die allein durch ihr eigenes Gewicht hält; die Bogenmauer ist erstaunlich dünn und trotzdem sehr stark. Ein Damm besteht nicht aus einem großen Block, sondern aus unzähligen kleinen Steinen, Schicht um Schicht. Und die Stauwurzel ist die Stelle weit oben, an der der See ganz sanft beginnt.

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Der ganze Text dieser Einschlafgeschichte

4.893 Wörter · rund 24 Minuten zum Lesen, Mitlesen oder Vorlesen

Stell dir einen See vor … mitten in einem weiten Tal. Es ist Nacht, und der Himmel ist dunkel … und über dem Wasser liegt eine große, weiche Ruhe. Das Wasser liegt still da … kaum eine Bewegung. Vielleicht kennst du so einen See … irgendwo in den Bergen … oder in einem ruhigen, bewaldeten Tal. Am Tag glitzert er in der Sonne. Doch jetzt, in der Nacht, ist er einfach nur dunkel … und tief … und ganz und gar still. Am unteren Ende des Tals, dort, wo die Berge am nächsten zusammenrücken … steht eine Mauer. Eine große, ruhige Mauer … sanft gebogen … hell im schwachen Licht der Sterne.

Sie steht dort, wo das Tal am engsten ist … und schließt es sacht von einer Seite zur anderen. Und ganz ohne Eile hält sie das viele Wasser zurück … das sich hinter ihr gesammelt hat. Kein Rauschen. Kein Lärm. Nur die stille Mauer … und das stille Wasser dahinter. Und je länger du hinschaust … desto ruhiger wird alles in dir. Hinter der Mauer ruht das Wasser … ganz still. So eine Anlage nennt man eine Talsperre. Das Wort sagt schon fast alles. Eine Sperre … quer durch ein Tal. Sie schließt das Tal von einer Seite zur anderen … über die ganze Breite, von Hang zu Hang. Und weil das Tal nun geschlossen ist … sammelt sich das Wasser geduldig dahinter.

Ein Fluss fließt ganz langsam heran … und findet keinen Weg mehr hindurch. Also bleibt er einfach da … und wird von Tag zu Tag ein wenig breiter und ein wenig tiefer. So steigt das Wasser … ganz allmählich … und füllt nach und nach das ganze Tal. Es entsteht ein See … ein ruhiger, stiller See. Ein See, den es vorher nicht gab … den die Menschen dem Tal ganz behutsam geschenkt haben. Man baut so eine Sperre, um Wasser zu sammeln und aufzubewahren. Denn das Wasser kommt nicht immer gleich. Mal fließt viel … mal fließt wenig. Im Frühling gibt es reichlich, wenn oben der Schnee schmilzt … im Sommer manchmal kaum, wenn der Regen ausbleibt.

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Sie gleicht aus, das ganze Jahr über

Die Talsperre gleicht das alles aus … ganz geduldig … über das ganze Jahr. Sie nimmt, wenn viel da ist … und gibt, wenn wenig da ist. So bleibt immer genug. Ein Fluss, der einfach ins Meer eilt, ist schnell wieder fort. Das Wasser hier aber bleibt eine Weile … es sammelt sich … und es wartet ruhig auf seine Aufgabe. Aus etwas Flüchtigem wird so etwas Bleibendes … ein stiller Vorrat … gehalten von einer geduldigen Mauer. Das Bauwerk, das das Tal verschließt, nennt man das Absperrbauwerk. Ein großes Wort … für etwas sehr Ruhiges. Es gibt zwei Arten davon, und beide sind auf ihre Weise still. Die eine ist eine Mauer. Die andere ist ein Damm.

Die Mauer ist aus festem Stein oder aus Beton … und steht schwer und ruhig im Tal. Der Damm dagegen ist aufgeschüttet … aus Erde … aus Steinen … aus grobem Geröll. Beide tun am Ende genau dasselbe. Beide halten das Wasser sanft zurück … Tag und Nacht … Jahr für Jahr. Welche Art man wählt … das hängt ganz vom Tal ab. Ein enges, steiles Tal zwischen hohen Felswänden bekommt eher eine Mauer. Ein weites, flaches Tal mit sanften Hängen bekommt eher einen Damm. Das Tal selbst entscheidet also mit … ganz in Ruhe. Der Mensch schaut sich das Tal lange an, bevor er beginnt … und fügt sein Bauwerk dann behutsam in die Landschaft hinein.

Die Gewichtsmauer und die Bogenmauer

Bleiben wir zuerst bei der Mauer. Die einfachste Mauer ist eine Gewichtsmauer, und ihr Name verrät schon ihr Geheimnis. Sie hält das Wasser allein durch ihr eigenes Gewicht zurück. Sie ist unten sehr breit … und wird nach oben hin immer schmaler. Von der Seite sieht sie fast aus wie ein großes, ruhiges Dreieck. Schwer … massig … und vollkommen gelassen. Das Wasser drückt von vorne mit seiner ganzen Kraft gegen sie. Und sie steht einfach da … und lässt sich kein Stück bewegen. Sie muss gar nichts tun. Sie ist einfach schwer genug … um das Wasser für immer zu halten. Früher hat man solche Mauern aus vielen einzelnen Bruchsteinen gebaut.

Stein auf Stein … sauber geschichtet … Reihe um Reihe, von unten nach oben. Das war eine geduldige Arbeit, die viele Jahre dauern konnte. Später kam der Beton dazu. Er wurde in großen Mengen angerührt und gegossen … und die Mauer wuchs ganz langsam in die Höhe. Solche schweren Mauern stehen in Deutschland an vielen Stellen … in den Mittelgebirgen … in ruhigen, bewaldeten Tälern. Und sie halten dort seit vielen Jahrzehnten … ganz still … das Wasser hinter sich. Manche von ihnen sind so alt … dass niemand mehr lebt, der ihren Bau gesehen hat. Und doch stehen sie noch immer … ruhig … verlässlich … Sommer für Sommer und Winter für Winter.

Der Wald ist um sie herum gewachsen … und das Wasser liegt so friedlich vor ihnen … als hätte es hier schon immer gelegen. Es gibt noch eine andere Mauer. Sie ist deutlich schlanker … und sie ist gebogen. Man nennt sie eine Bogenmauer. Sie passt in ein enges, hohes Tal … eingespannt zwischen zwei steile Felswände. Diese Mauer ist erstaunlich dünn … und trotzdem sehr stark. Denn sie gibt den Druck des Wassers nicht nach unten, sondern zur Seite ab … an die beiden Felswände links und rechts. Wie ein Bogen … der sich sanft gegen das Wasser lehnt. Das Wasser drückt gleichmäßig von vorne … und der Bogen leitet den Druck ruhig weiter … in den festen Fels der Berge.

So braucht diese Mauer viel weniger Material als eine schwere Gewichtsmauer … und wirkt zwischen den großen Bergen fast zierlich und leicht. Manche dieser Mauern sind sogar gleich zweifach gebogen. Einmal von einer Talseite zur anderen … und einmal von oben nach unten. Eine sanft geschwungene Schale aus Stein … die das Wasser in sich hält. Wenn du eine solche Mauer aus der Ferne siehst … wirkt sie fast schwerelos … wie ein feiner heller Bogen zwischen den Felsen. Hinter der Mauer ruht das Wasser … ganz still. Und dann ist da noch der Damm. Ein Damm ist keine harte, aufrechte Wand. Er ist ein großer, breiter Wall … aufgeschüttet aus Erde und Stein.

Der Damm mit den flachen Böschungen

Er hat flache, sanfte Böschungen … die ganz langsam ansteigen … mehr breit als hoch. Ganz oben ist er abgeflacht, und dort verläuft ein schmaler Weg … den man die Dammkrone nennt. Im Inneren trägt ein Damm einen dichten Kern … der das Wasser nicht hindurchlässt. Dieser Kern ist aus dichtem Ton … oder aus Lehm … oder aus einer anderen feinen, wasserdichten Schicht. Rund um diesen Kern liegt das schwere Schüttmaterial … Kies … Sand … und gebrochener Fels. Das alles gibt dem Damm sein großes Gewicht und seinen Halt … und ruht Lage um Lage aufeinander. Manchmal legt man die dichte Schicht auch außen an … auf die Seite, die zum Wasser zeigt.

Dann liegt der ganze breite Körper des Damms dahinter … und stützt sie ruhig und geduldig ab. Ein Damm passt besonders gut in ein weites Tal … wo eine schmale Mauer viel zu wenig wäre. Er schmiegt sich breit und ruhig in die Landschaft … fast wie ein sanfter, grüner Hügel. Und wenn erst einmal Gras auf ihm wächst … sieht man ihm kaum noch an … dass er ein ganzes Tal voll Wasser hält. Manche Dämme sind so breit … dass oben auf ihnen ein bequemer Weg verläuft. Man kann dort entlanggehen … das Tal auf der einen Seite … den stillen See auf der anderen. Und unter den ruhigen Schritten … liegt ein riesiger, geduldiger Berg aus Erde und Stein … der das Wasser Tag und Nacht sanft zurückhält.

Es ist erstaunlich, woraus so ein Damm besteht. Kein einziger großer Block … sondern unzählige kleine Steine und Körner … die sich alle aneinanderlegen … und gemeinsam schwer und fest werden. Viele kleine Dinge … die zusammen etwas sehr Großes und Ruhiges tragen. Es gibt noch eine dritte Art von Mauer … gemacht für sehr breite Täler. Bei ihr steht das Bauwerk auf kräftigen Pfeilern. Man kann sich das vorstellen wie eine Reihe starker Stützen … die in gleichmäßigem Abstand nebeneinander im Tal stehen. Zwischen ihnen spannen sich Platten oder sanfte Gewölbe … und halten gemeinsam das Wasser. So eine Mauer braucht weniger Material … und lässt zwischen den Pfeilern viel offenen Raum.

Aber wir müssen die vielen Namen gar nicht behalten. Wichtig ist nur das ruhige Bild. Eine breite, schwere Wand … oder ein sanfter, grüner Wall … oder eine Reihe stiller Pfeiler. Alle tun am Ende dasselbe. Alle halten das Wasser … ganz geduldig … in seinem Tal. Und ganz gleich, wie sie gebaut sind … das Wasser dahinter liegt immer gleich ruhig und glatt. Die eine Sperre ist schwer und breit … die andere schlank und gebogen … die dritte steht auf ihren Pfeilern. Aber der See kennt diese Unterschiede nicht. Er weiß nur, dass er gehalten wird … und dass er bleiben darf … still … in seinem weiten Tal.

Alles steht auf tragfähigem Grund

Was auch immer man baut … Mauer oder Damm … alles steht auf festem, tragfähigem Grund. Eine schwere Mauer braucht harten Fels unter sich. Man reinigt den Fels ganz sorgfältig … man trägt das lockere, verwitterte Gestein ab … und man verschließt jede kleine Spalte. Erst wenn der Grund sauber und fest ist … setzt man die Mauer darauf. Ein Damm ist da nicht ganz so streng. Er darf auch auf festem Boden stehen … nicht nur auf blankem Fels. So ein Bauwerk entsteht nie schnell. Es wächst langsam … Schicht um Schicht … Sommer um Sommer. Der Beton wird in großen Blöcken gegossen … und zwischen den Blöcken bleiben schmale Fugen … damit der Beton in Ruhe atmen und sich setzen kann.

Denn Beton wird im Sommer ein wenig wärmer … und im Winter ein wenig kühler … und diese feinen Fugen geben ihm dafür Raum. Bei einem Damm wird jede einzelne Lage aufgeschüttet … und dann vorsichtig festgedrückt und verdichtet. Lage um Lage … immer höher. Alles geschieht ganz ohne Hast … mit sehr viel Geduld. Und wenn die Mauer endlich fertig ist … dann darf sich das Tal langsam mit Wasser füllen. Das kann viele Monate dauern … manchmal sogar Jahre. Ganz allmählich steigt der Spiegel … Woche um Woche … bis der See endlich still und voll in seinem Tal liegt. So eine Talsperre kann eine gewaltige Menge Wasser halten.

Und trotzdem wirkt sie nie laut oder unruhig. Man sagt manchmal, eine gut gebaute Sperre … kann fast so viel Wasser aufnehmen … wie in einem ganzen Jahr durch das Tal fließt. Stell dir das einmal vor. Ein ganzes Jahr voll Wasser … gesammelt an einem einzigen ruhigen Ort. All die vielen Bäche … all der geschmolzene Schnee … all der Regen aus vielen Wochen. Alles liegt jetzt hier … still … in einem großen, dunklen Spiegel. Und obwohl es so unfassbar viel ist … bewegt es sich kaum. Es liegt einfach da … und wartet ruhig … bis es nach und nach gebraucht wird. Und wenn du am Ufer stehst … kannst du das gar nicht wirklich fassen.

So viel Wasser … so tief … so schwer … und doch so vollkommen ruhig. Es macht keinen Lärm. Es drängt nicht. Es ist einfach nur da … und lässt die Zeit vergehen. Hinter der Mauer ruht das Wasser … ganz still. Oben auf der Mauer verläuft ein schmaler Weg. Man nennt ihn die Mauerkrone. Stell dir vor, du gehst dort ganz langsam entlang … Schritt für Schritt … über die Höhe der Mauer. Auf der einen Seite liegt tief unten das Tal. Auf der anderen Seite liegt der stille, große See. Das Wasser reicht fast bis zur Höhe deiner Füße … und liegt doch vollkommen ruhig da. Es ist windstill, und die ganze Fläche ist glatt … wie ein weiter, dunkler Spiegel.

Wie hoch diese Mauern sind – und die Stauwurzel

Du bleibst einfach stehen … und schaust ohne Eile hinaus. Manche dieser Mauern sind wirklich riesig. Sie ziehen sich über die Krone hinweg … viele hundert Schritte weit. Und der See dahinter kann sehr tief sein. In den Bergen reicht das Wasser mancherorts … Hunderte von Metern in die dunkle Tiefe. Ein weiter, stiller See kann sich durch das ganze Tal ziehen … und immer weiter reichen … bis er in der Ferne kaum noch zu sehen ist. Und trotzdem liegt diese ganze, gewaltige Menge Wasser … vollkommen ruhig unter dem Nachthimmel. Weit hinten verliert sich der See in der Dunkelheit … genau dort, wo der Fluss ganz leise in ihn hineinfließt.

Diese Stelle nennt man die Stauwurzel. Dort beginnt der See … ganz sanft und unmerklich. Man kann kaum sagen, wo der Fluss aufhört … und wo der See beginnt. Das eine geht ganz leise in das andere über. Aus fließendem Wasser … wird ruhendes Wasser … so behutsam, dass man es kaum bemerkt. Im Inneren mancher Mauern gibt es einen langen, ruhigen Gang. Man nennt ihn den Kontrollgang. Er verläuft tief unten … mitten durch die ganze Mauer hindurch. Dort ist es kühl … und sehr, sehr still. Menschen gehen von Zeit zu Zeit hindurch … und schauen in aller Ruhe nach dem Wasser. Sie hören zu … sie messen … sie prüfen ganz geduldig, ob alles in Ordnung ist.

Ab und zu sammelt sich ein wenig Wasser … das langsam durch den Fels gesickert ist. Kleine Rinnen leiten es sanft wieder ab … Tropfen für Tropfen. Es ist eine stille, gleichmäßige Arbeit … wie ein leises, freundliches Kümmern in der Nacht. Auch von außen wird nach so einer Talsperre geschaut … Jahr für Jahr … ganz in Ruhe. Menschen kommen, gehen die Mauer langsam ab … und sehen nach, ob alles seinen ruhigen Gang geht. Und meistens ist alles ruhig … so wie immer. Die Mauer hält … das Wasser ruht … und alles ist gut. Es ist ein beruhigender Gedanke. Während wir schlafen … steht die Mauer ruhig in ihrem Tal.

Während die Nacht vergeht … hält sie geduldig das Wasser. Sie braucht keinen Schlaf … und sie wird nicht müde. Sie steht einfach da … Stunde um Stunde … und tut in aller Ruhe ihre stille Arbeit. Und morgen früh, wenn es hell wird … steht sie immer noch genauso da. Und übermorgen wieder. Und in einem Jahr. Und in vielen Jahren. Es ist ein guter Gedanke zum Einschlafen … etwas, das so ruhig und verlässlich bleibt … die ganze Nacht hindurch. Unten am Fuß der Mauer gibt es eine Öffnung. Man nennt sie den Grundablass. Durch sie kann das Wasser den See ganz langsam wieder verlassen … ganz kontrolliert … Stück für Stück.

Wie viel Wasser den See verlässt

So bestimmt der Mensch in aller Ruhe … wie viel Wasser den See verlässt … und wie viel darin bleibt. Manchmal liegt vor der großen Talsperre noch ein kleiner See. Man nennt ihn die Vorsperre. In ihr wird das Wasser langsamer … und trübe Stoffe sinken in aller Ruhe zu Boden. So kommt im großen See dahinter nur klares Wasser an … sauber und ruhig. Ein kleiner See, der auf den großen aufpasst … ganz leise … ganz nebenbei. Und wenn einmal besonders viel Wasser kommt … dann darf das Zuviel oben ganz ruhig überlaufen … über eine breite, sanft geschwungene Rinne … und fließt gemächlich ins Tal hinab. Nichts davon geschieht mit Eile. Alles fließt langsam … und gleichmäßig … so, wie es soll.

An einer Talsperre gibt es kein Hasten. Das Wasser kommt langsam … es bleibt eine Weile … und es geht langsam wieder. Jeder Tropfen bekommt seine Zeit. Und über allem wacht die ruhige Mauer … und sorgt dafür, dass alles seinen sanften, gleichmäßigen Gang behält. Und nun schauen wir wieder auf das Wasser dahinter. Dieser See heißt Stausee. Er ist kein natürlicher See. Er ist erst entstanden, weil das Tal geschlossen wurde … und das Wasser sich darin sammeln durfte. In manchen Ländern nennt man ihn auch einfach den Speicher. Denn genau das ist er. Ein großer, ruhiger Speicher … randvoll mit stillem Wasser. Sein Spiegel kann langsam steigen … und wieder langsam sinken.

Im Frühling, wenn der Schnee schmilzt, füllt er sich. Im Sommer, wenn es trocken ist, gibt er nach und nach wieder ab. So atmet der See … ganz langsam … über das ganze Jahr hinweg. Mal steht das Wasser hoch am Ufer … mal ein gutes Stück tiefer. Und immer bleibt es ruhig … ganz gleich, wo es gerade steht. An einem breiten Fluss reihen sich manchmal mehrere Stauseen hintereinander … einer nach dem anderen … wie eine lange Kette stiller Spiegel. In den Bergen dagegen liegt der See für sich allein … tief und ruhig … in seinem hohen, stillen Tal. Und egal, wie er liegt … ob als Kette im breiten Tal … oder einzeln zwischen hohen Bergen … er tut immer dasselbe.

Er hält das Wasser fest … er bewahrt es auf … und er gibt es langsam wieder her, wenn es gebraucht wird. Hinter der Mauer ruht das Wasser … ganz still. Wozu sammelt man nun so viel Wasser. Der erste Grund ist ganz einfach. Es ist unser Trinkwasser. In manchen Tälern steht das Wasser nur für diesen einen Zweck bereit … klar … kühl … und sauber. Die erste Talsperre allein für Trinkwasser wurde in Deutschland gebaut … vor mehr als hundert Jahren … in einem stillen Tal im Bergischen Land. Seither ruht in vielen solchen Seen das Wasser … und wartet ganz geduldig … bis es gebraucht wird. Es wird nur ganz langsam entnommen … und fließt dann leise durch die Leitungen … bis in die Häuser … bis in die Küchen.

Trinkwasser – und das kühle, klare Tiefenwasser

Das Wasser, das jetzt so still im Tal liegt … ist morgen vielleicht ein Glas Wasser … auf einem Tisch. Damit das Wasser so rein bleibt … lässt man rund um solche Seen viel Ruhe. Die Ufer bleiben grün … und still … und werden kaum betreten. Damit das Wasser sauber bleibt … so klar, wie es von den Bergen gekommen ist. Es ist ein schöner Gedanke. Da liegt ein stiller See in einem stillen Tal … und wird kaum berührt. Und genau, weil ihn niemand stört … kann er uns eines Tages ein Glas mit klarem, kühlem Wasser geben. Seine Ruhe ist kein Zufall. Seine Ruhe ist seine Aufgabe.

Tief unten, wo das Wasser am kühlsten ist … liegt es besonders klar. Dorthin dringt kaum ein Geräusch … und kaum ein Lichtstrahl. Es ist ein dunkler, ruhiger Ort … an dem das Wasser einfach nur wartet … sauber … und geduldig … bis es an die Reihe kommt. Der zweite Grund ist das Licht. Aus dem Wasser gewinnt man Strom … und das geht auf eine ganz ruhige Weise. Das Wasser liegt hoch oben im See. Und tiefer unten, am Fuß des Tals, steht ein Kraftwerk. Ein Teil des Wassers darf langsam hinabfließen … durch große Röhren … tief nach unten. Dort dreht es ein Rad … eine Turbine … gleichmäßig … rund und ruhig.

Aus stillem Wasser wird Strom

Und diese ruhige Drehung wird zu Strom. So wird aus stillem Wasser ganz leises Licht. Kein Rauch … kein Feuer … nur Wasser, das sanft nach unten sinkt. In der Schweiz nutzt man die Talsperren vor allem für den Strom. Fast alle großen Seen in den Bergen dienen dort dieser Aufgabe. Das Wasser der Alpen fließt langsam durch die Kraftwerke … und leuchtet dann in den Städten … weit unten im Tal. Ein Berg voll Schnee im Winter … wird auf diese Weise zu warmem Licht im nächsten Jahr. Und das Schöne daran ist … das Wasser ist danach nicht verbraucht. Es fließt einfach weiter … still … ins nächste Tal hinaus.

Es hat kurz ein Rad gedreht … und ein wenig Licht geschenkt. Und dann setzt es seinen ruhigen Weg fort … weiter … immer weiter … dem Meer entgegen. So arbeitet das Wasser hier … ganz sanft … und bleibt dabei doch immer nur Wasser. Es wird nicht verbraucht und nicht verbrannt. Es sinkt nur ein Stück tiefer … gibt dabei ein wenig von seiner Kraft ab … und zieht dann ruhig weiter seines Weges. Es gibt noch einen dritten, stillen Grund. Eine Talsperre gleicht den Fluss unter ihr aus. Ein Fluss führt nicht immer gleich viel Wasser. Mal ist er voll … mal ist er niedrig. Wenn der Fluss weiter unten zu wenig Wasser hat … gibt der See ein wenig von seinem Vorrat ab.

Ganz gleichmäßig … Tag und Nacht. So bleibt der Fluss auch weiter unten ruhig gefüllt … selbst in einem langen, trockenen Sommer. Die Talsperre sammelt im Überfluss … und teilt geduldig im Mangel. Sie merkt sich das viele Wasser vom Frühling … und schenkt es dem Sommer wieder zurück. Und noch mehr geschieht an so einem See. Auf manchen Seen gleiten Boote ganz langsam über die Fläche … und ziehen eine leise, glänzende Spur hinter sich her. Am Ufer sitzen Menschen … und schauen einfach aufs Wasser. In den Tälern nutzt man das Wasser auch für die Felder … und lässt es sanft über das trockene Land rinnen … wenn der Regen einmal ausbleibt.

Ein See, viele Aufgaben – und das Pumpspeicherwerk

Ein einziger See … und so viele ruhige Aufgaben. Und er erfüllt sie alle, ohne je zu drängen. Er gibt Wasser zum Trinken … er gibt ein wenig Licht … er hält den Fluss unten am Leben … und er lässt Menschen an seinem Ufer zur Ruhe kommen. All das tut er gleichzeitig … ganz still … einfach dadurch, dass er da ist … und dass er bleibt. Er muss dafür nichts tun. Er muss sich nicht anstrengen. Er liegt einfach in seinem Tal … ruhig und voll … und lässt die anderen kommen und nehmen. So ein stiller See … gibt viel … ganz ohne Mühe. Manche Seen liegen paarweise. Einer hoch oben … einer tiefer unten im Tal.

Wenn gerade viel Strom da ist … wird Wasser nach oben gepumpt … hinauf in den oberen See. Dort ruht es dann … und wartet in aller Ruhe. Und wenn später Strom gebraucht wird … darf es wieder hinabfließen … und macht dabei neuen Strom. So wandert dasselbe Wasser ganz langsam auf und ab … zwischen oben und unten. Am Tag hinauf … in der Nacht hinab. Der obere See wird ein wenig voller … der untere ein wenig leerer … und dann wieder umgekehrt. Ganz langsam … kaum merklich … atmen die beiden Seen gemeinsam. Ein ruhiges, gleichmäßiges Spiel … ganz ohne Eile. Immer dasselbe Wasser … immer dieselbe stille Bewegung … auf und ab … Tag für Tag.

Talsperren gibt es schon sehr lange

Hinter der Mauer ruht das Wasser … ganz still. Talsperren gibt es schon sehr, sehr lange. Schon vor vielen tausend Jahren … haben Menschen Täler geschlossen … um Wasser zu sammeln. In warmen, trockenen Ländern … lange bevor es unsere Städte gab. Die älteste Talsperre, von der wir noch wissen … wurde vor beinahe fünftausend Jahren gebaut … in einem trockenen Land am Rand der Wüste. Damals wie heute ging es um dasselbe. Wasser sammeln, solange es da ist … und aufheben für eine trockenere Zeit. Die Menschen von damals kannten unsere Maschinen noch nicht. Aber sie kannten das Wasser … und sie kannten die Geduld. Sie sahen, wie ein Bach im Frühling voll war … und im Sommer versiegte.

Und so bauten sie eine kleine Wand … und hielten ein wenig Wasser zurück … für die Tage, an denen keines mehr kam. Dasselbe tun wir heute noch … nur größer … und doch genauso ruhig. Auch in den deutschen Bergen gibt es sehr alte Teiche … die vor vielen hundert Jahren angelegt wurden … um Wasser zu speichern. Menschen haben dort kleine Dämme aufgeschüttet … und aus rauschenden Bächen stille, ruhige Teiche gemacht. Manche von ihnen halten das Wasser noch heute. Stell dir das einmal vor. So ein stiller Teich … liegt schon seit Jahrhunderten in seinem Tal … und spiegelt Nacht für Nacht denselben Himmel. Die Menschen, die ihn einst gebaut haben, sind längst fort. Das Wasser aber ruht immer noch dort … ganz geduldig.

Viele Sommer sind über ihn hinweggezogen … und viele stille Winter. Bäume sind an seinem Ufer gewachsen … alt geworden … und wieder vergangen. Der kleine Teich aber ist geblieben … und liegt noch immer da … und hält sein Wasser … so ruhig wie am ersten Tag. Besonders viele Talsperren liegen in den Alpen. In der Schweiz gibt es beinahe zweihundert größere Anlagen. Sie liegen hoch oben in den Bergen … in stillen, kühlen Tälern. Die höchste Gewichtsmauer der ganzen Welt steht dort oben. Sie trägt einen schönen Namen … Grande Dixence. Sie ist so hoch wie ein sehr großer Turm … und besteht aus einer riesigen Menge Beton.

Sommer wie Winter hält sie den See

Und doch steht sie ganz ruhig da … und hält den See über sich … Sommer wie Winter. Über viele Jahre wurde sie gebaut … Stück für Stück … hoch oben in den Bergen. Und seit sie fertig ist … tut sie nichts weiter … als ruhig dazustehen … und das Wasser zu halten. Auch in Österreich liegen viele solche Seen … hoch oben in den Bergen. Das Schmelzwasser der Gipfel sammelt sich dort … in großen, stillen Speichern … und ruht, bis es gebraucht wird. Ganz oben, wo die Luft dünn und klar ist … liegt das Wasser besonders still. Rundherum die schweigenden Berge … darüber der weite, dunkle Himmel … und mittendrin der ruhige, spiegelglatte See.

Kein Weg führt eilig vorbei. Kein Lärm dringt herauf. Nur ab und zu löst sich weit oben ein wenig Schnee … und rieselt ganz leise ins Tal. Sonst ist alles still. Und in dieser großen Stille … liegt das Wasser … und spiegelt geduldig die Sterne. Am schönsten ist so ein See vielleicht im Winter. Dann liegt Schnee auf den Bergen ringsum … und auf der Mauerkrone … eine weiche, weiße Decke. Der See darunter ist tief und ruhig. An seinen Rändern legt sich manchmal eine feine Schicht Eis … ganz dünn … ganz still. Es ist kalt und klar, und kein Laut ist zu hören. Der Schnee schluckt jedes Geräusch … und alles wird noch leiser als sonst.

Die Mauer trägt ihre weiße Decke … und hält weiter geduldig das Wasser. Und tief darin, unter der stillen Oberfläche … wartet das Wasser auf den Frühling … wenn oben der Schnee wieder schmilzt. Bis dahin hat es Zeit. Viel Zeit. Es liegt einfach da … unter dem klaren, kalten Himmel … und lässt einen ganzen Winter über sich hinweggehen. Ganz ruhig … ganz geduldig … und ohne die geringste Eile. Hinter der Mauer ruht das Wasser … ganz still. Mit der Zeit wird so ein Stausee ein Ort für sich. Am Ufer wächst neues Grün. Vögel kommen … und lassen sich sanft auf dem Wasser nieder. Fische ziehen langsam durch die dunkle Tiefe.

Am Abend legt sich Ruhe über die Fläche

Am Abend legt sich Ruhe über die ganze weite Fläche. Der letzte helle Streifen am Himmel spiegelt sich im Wasser … und wird ganz langsam dunkler. Dann kommen die Sterne … und liegen als kleine, ruhige Lichter auf dem See. Es ist vollkommen still. Nur ganz selten … plätschert es leise am Ufer. Vielleicht steigt ein Fisch für einen Augenblick an die Oberfläche … und es entsteht ein einziger, sanfter Ring. Der Ring wird größer … und größer … und verschwindet dann ganz allmählich. Und danach ist die Fläche wieder glatt … als wäre nie etwas gewesen. Die Nacht wird immer tiefer. Die Berge sind nur noch dunkle Umrisse. Und der See liegt still darunter … und hält den ganzen Sternenhimmel in sich.

Es ist so ruhig … dass man das eigene Atmen hören kann … langsam … und gleichmäßig. Und weiter hinten … verliert sich das Wasser leise im Dunkel des Tals. Denk nun noch einmal an das viele Wasser dahinter. Es liegt da … und hat alle Zeit der Welt. Es fließt nicht mehr eilig zu Tal. Es verweilt einfach. Es wartet ruhig … bis es gebraucht wird … für ein Glas Wasser … für ein wenig Licht … für einen Fluss weiter unten. Ganz langsam sinkt am Grund ein feiner Schlamm nieder … so leise, dass man es kaum begreifen kann. Über Jahre … über viele Jahrzehnte. Alles an so einem See geschieht langsam. Alles hat Zeit.

Das Wasser steigt langsam … es sinkt langsam … und dazwischen wartet es ganz geduldig. Und über allem steht die große, ruhige Mauer … und hält das Wasser sanft in seinem Tal. Hinter der Mauer ruht das Wasser … ganz still. Und jetzt wird alles noch ruhiger. Die Nacht liegt weich über dem Tal. Der See ist glatt und dunkel. Die große Mauer steht ruhig im Wasser … sanft gebogen … hell im schwachen Licht der Sterne. Das Wasser bewegt sich nicht mehr. Es wartet einfach … ganz geduldig. Kein Fluss eilt mehr. Kein Wind streicht mehr über die Fläche. Nur das stille Wasser … und die stille Mauer … und der weite, dunkle Himmel darüber.

Die Mauer hält … so wie immer. Das Wasser ruht … so wie immer. Und du darfst dich jetzt einfach fallen lassen … in diese große, weiche Ruhe. Hinter der Mauer ruht das Wasser … ganz still. Und alles darf jetzt einfach liegen bleiben … und ruhen. Und du darfst jetzt schlafen. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.

Quelle und Lizenz

Dieser Text beruht auf den Wikipedia-Artikeln «Talsperre», «Staumauer», «Stausee» und «Staudamm». Die Artikel stehen unter CC BY-SA 4.0; dieser bearbeitete Text steht unter derselben Lizenz.

Der Text wurde automatisch erstellt, gegen die Quelle geprüft und von einer computergenerierten Stimme vorgetragen – deshalb gibt es jeden Abend eine neue Folge. Verantwortlich für Themenauswahl und Stichproben ist Michael Feer. Mehr dazu unter Über Fridolin und Lizenz & Quellen.